SZ-Leser spenden 3600 Euro für „Ccara e.V.“

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Heike und Roman Maurus nehmen symbolisch die Spende der SZ-Leser aus der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ entgegen. Vor i
Heike und Roman Maurus nehmen symbolisch die Spende der SZ-Leser aus der Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ entgegen. Vor ihnen auf dem Tisch liegt einer der Koffer, der am 15. Februar mit auf die Reise nach Indien geht – gefüllt mit Geschenken für die Kinder, deren Fotos im Ccara-Büro in Neutrauchburg an der Wand hängen. (Foto: Tobias Schumacher)

Die Leser der „Schwäbischen Zeitung“ waren 2019 bei der Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“ so freigiebig wie noch nie, und der Spendenrekord schlägt auch nach Isny durch: „Ccara e.V.“, das vor 15 Jahren gegründete, private Hilfsprojekt des Neutrauchburger Ehepaars Heike und Roman Maurus für Slum-Kinder in Indien, wird mit 3600 Euro unterstützt. „Wir sind für jede Spende dankbar und freuen uns sehr über die Zuwendung der Leser der Schwäbischen Zeitung“, erklärten die beiden diesen Mittwoch bei der symbolischen Scheckübergabe.

Zumal Projektleiterin Heike Maurus am 15. Februar zu ihrer nächsten, dreiwöchigen Reise nach Indien aufbricht und alle Standorte besucht, an denen Ccara aktiv ist: Der Verein unterhält in den Millionenstädten Mumbai, Jaipur und Kalkutta insgesamt fünf Schulen in Slums sowie im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu zwei Kinderheime und zehn Kinderbetreuungseinrichtungen. „Insgesamt versorgt Ccara mit diesen Einrichtungen derzeit monatlich 900 Kinder“, berichtet Heike Maurus.

Patenschaften sind die Basis für die Zukunft

Mit im Fluggepäck habe sie „Hunderte von Zahnbürsten und Kugelschreiber sowie die Geschenke und Briefe, die die Ccara-Paten in den letzten Wochen für ihre Patenkinder abgegeben haben“. Diese „Paten“, vornehmlich in Deutschland, bilden die finanzielle Basis und eine verlässliche Zukunftsperspektive für die Arbeit des Vereins. Entweder, indem sie – im übertragenen Sinn – Verantwortung für ein Kind übernehmen, oder durch einen monatlich festen Betrag die Bildungsarbeit in den Schulen unterstützen.

Unerwartete und darüber hinaus eintreffende Spenden werden verwendet, um bestehende Ccara-Strukturen auszubauen oder neue Vorhaben anzuschieben. Die 3600 Euro aus der SZ-Spendenaktion sollen nun „helfen, das geplante neue Ccara-Projekt Family-Care-Center Mumbai“, ein Hilfsangebot für ganze Familien in einem Slum der indischen Millionenstadt aufzubauen“, blickt Heike Maurus voraus. Das Zentrum solle „dann wieder eine Slum-Schule nach bewährtem Konzept beinhalten, wobei die Slum-Kinder neben Bildung auch täglich eine Mahlzeit erhalten“. Darüber hinaus ist auch eine „Näh-Schule“ angedacht „für Frauen, die bisher ohne Bildung sind und nicht lesen und schreiben können“.

Bis zu 20 000 Menschen leben in einer Slum-Gasse

Wer die Slums nicht selbst besucht und mit eigenen Augen gesehen habe, könne sich die Verhältnisse nicht annährend vorstellen, betont Heike Maurus. Jene Armensiedlung in Mumbai (dem früheren Bombay, einer Metropole mit 25 Millionen Einwohnern), in der sich Ccara engagiert, bestehe „aus 20 langen, engen Gassen“, in denen jeweils „pro Gasse circa 10 000 bis 20 000 Menschen zusammenleben – mehr, als Isny Einwohner hat“.

Dort soll das „Family-Care-Center für viele Familien neben dem Bildungsangebot für die Kinder auch eine Anlaufstelle für Probleme bieten“, hofft Projektleiterin Maurus. Ccara plant, medizinische Hilfe zur Verfügung zu stellen und möglichst viele Kinder mittels der Bildungspatenschaften bis zu einem Schul- oder Berufsabschluss zu begleiten.

Bildung und Hilfe für die „Unberührbaren“

„Insgesamt plant Ccara, hier 25 000 Euro zu investieren“ – 3600 Euro sind dank der SZ-Leser schon einmal auf dem Vereinskonto –, um die Hilfe für die Familien in den Slums nachhaltig gestalten zu können. Diese kommen alle aus der ärmsten Bevölkerungsschicht Indiens, die früher als „Unberührbare“ stigmatisiert wurden, sie hausen in den Slums nach Maurus’ Schilderungen „auf dichtem Raum in kleinen Ein-Raum-Hütten, ohne Toiletten und teilweise ohne Strom und fließend Wasser“.

Auch im neuen Familienzentrum in Mumbai werden die Kinder, wie in allen Ccara-Slum-Schulen, „vorbereitet und fit gemacht für die Einschulung in einer guten Schule, sie genießen den Luxus einer sauberen Toilette und lernen viel über Hygiene und Verhalten, denn sie waren bisher auf der Straße“, weiß Heike Maurus.

Nähausbildung für ein „kleines Einkommen in Würde“

So würden die Kinder zur „ersten Generation in ihren Familien, die Zugang zu Bildung erhalten nach dem Motto: Lernen statt Müll sammeln“, womit sie bisher, „aus dem Hintergrund der Kaste der Müllsammler und Straßenkehrer“, neben den Eltern zum Lebensunterhalt beitragen mussten.

Und die Frauen, die im „Family Care Center“ eine Nähausbildung erhalten und anschließend eine Nähmaschine als Geschenk bekommen, „haben so einen Start für ein eigenes, kleines Einkommen in Würde“, erklärt Maurus.

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