St. Franziskus beschreitet Werdenfelser Weg

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Norbert Scheffler und Marina Bodnar gehen mit dem Altenhilfezentrum St. Franziskus den Werdenfelser Weg.
Norbert Scheffler und Marina Bodnar gehen mit dem Altenhilfezentrum St. Franziskus den Werdenfelser Weg. (Foto: PR)
Schwäbische Zeitung

Kein neuer Straßenname in Isny, aber dennoch für das Altenhilfezentrum Isny mit seinem Seniorenheim St. Franziskus im ehemaligen Krankenhaus richtungsweisend: Die Pflegeeinrichtung hat sich als zweite Einrichtung im Landkreis Ravensburg überhaupt, die Selbstverpflichtung auferlegt, ihre Bewohnerschaft nach der Idee des „Werdenfelser Weges“ zu betreuen. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor.

Heim- und Pflegedienstleiter Norbert Scheffler und seine Stellvertreterin, Marina Bodnar, haben vor kurzem erfolgreich die Ausbildung zum gerichtlichen Verfahrenspfleger nach dem Werdenfelser Weg absolviert. Dahinter verbirgt sich eine Initiative zur Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen, die von Garmisch-Partenkirchen im Werdenfelser Land ausging. „Unser Haus hat sich zum Ziel gesetzt, auf Bettgitter, Bauchgurte oder Vorsatztische an Rollstühlen als freiheitsentziehende Maßnahme gegenüber unseren Bewohnern so weit zu verzichten, wie das menschlich und fachlich vertretbar ist“, sagen Scheffler und Bodnar. „Das schließt auch die Gabe von bestimmten Medikamenten, sogenannten Neuroleptika, bei Unruhe oder Weglauftendenzen ein.“

Damit distanziert sich das Seniorenheim St. Franziskus von Anwendungen, die aus Gründen der Arbeitserleichterung oder haftungsrechtlichen Ängsten des Pflegepersonals motiviert sind. Geschäftsführer und Kirchenpfleger Frank Höfle freut sich über das neue Engagement: „Unser Leitbild mit den Werten unserer Grundhaltung wird durch die konsequente Umsetzung des Werdenfelser Weges, was die Achtung der Menschenwürde in unseren kirchlichen Einrichtungen betrifft, weiter untermauert.“

Die Justizminister aller Bundesländer und des Bundes haben im Herbst 2011 in Berlin einen einstimmigen Beschluss zur ideellen Unterstützung des Ansatzes des Werdenfelser Weges gefasst. 2012 wurde die Initiative mit dem Janssen Zukunftspreis – auch als „Gesundheits-Nobelpreis“ genannt – ausgezeichnet.

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