Sozialberatung für Obdachlose in Isny ist gefragt

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 Die Briefkästen, 16 an der Zahl, geben Auskunft darüber, wie viele Wohngelegenheiten für Obdachlose die Stadt Isny allein im eh
Die Briefkästen, 16 an der Zahl, geben Auskunft darüber, wie viele Wohngelegenheiten für Obdachlose die Stadt Isny allein im ehemaligen Sportsanatorium an der Lohbauerstraße vorhält. (Foto: Tobias Schumacher)
Schwäbische Zeitung

Seit Januar 2019 bietet die Stadt Isny eine Sozialberatung an für Menschen, die obdachlos oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. Das Büro ist im alten Krankenhaus angesiedelt.

Von Obdachlosigkeit sind auch in Isny immer mehr Menschen betroffen, für die es laut einer Mitteilung der Stadtverwaltung fast unmöglich ist, bezahlbaren Wohnraum zu bekommen. Um Betroffenen zu helfen und um Obdachlosigkeit vorzubeugen, haben sich Verwaltung und Gemeinderat im vergangenen Jahr dafür entschieden, eine Sozialberatung zu installieren.

Der „Dornahof“ mit Sitz in Altshausen und die Diakonie Ravensburg wurden mit dieser Aufgabe betraut. Kerstin Hirnbacher (Diakonie) und Wiebke Hauptkorn (Dornahof) sind nun seit Jahresbeginn mit jeweils einer 50-Prozent-Stelle tätig. Sie mussten feststellen: „Es gibt großen Bedarf.“

Zu ihrer Klientel gehören Menschen aller Altersklassen, vom Baby bis zum Rentner, darunter sind Personen, die bereits in einer Obdachlosenunterkunft der Stadt wohnen, Deutsche, Menschen aller Nationen, Geflüchtete.

Auch Menschen die normal arbeiten, können von Obdachlosigkeit getroffen werden

Obdachlosigkeit könne vielfältige Gründe haben, auch Menschen, die ganz normal arbeiten, könnten davon betroffen werden: „Jeder bringt etwas anderes mit – wir müssen individuell schauen, was derjenige braucht, um eine Wohnung zu bekommen“, sagt Kerstin Hirnbacher. Zuvorderst müsse sie und ihre Kollegin Vertrauen aufbauen, „Obdachlosigkeit ist ein sensibles Thema“.

Zu den vorrangigen Aufgaben der Beraterinnen gehört das Aufsuchen der Menschen in einer der städtischen Unterbringungen, zu schauen, wie es ihnen geht. „Unser Ziel ist, dass sie zu uns ins Büro kommen“, erklärt Wiebke Hauptkorn. Dort erhalten sie alle Unterstützung, um ihr Leben zu organisieren, beim Kontakt mit Ämtern oder beim Stellen von Anträgen auf staatliche Hilfen. Manche Menschen seien körperlich oder seelisch nicht in der Lage, sich um sich selbst und ihren Wohnraum zu kümmern. Andere brauchen lediglich Hilfe beim Anschreiben an Vermieter. Manchmal fehle es schlicht am Internetzugang, um den Wohnungsmarkt zu erkunden. Hirnbacher und Hauptkorn sind auch präventiv tätig. Bei Kündigung, Schwierigkeiten zwischen Vermieter und Mieter oder bei Mietschulden vermitteln sie und versuchen, Lösungen zu finden, finanzielle Hilfen aufzutun. Oft wüssten Betroffene nicht, dass es Sozialleistungen oder die Übernahme von Mietschulden gebe: „Je früher jemand zu uns kommt, desto besser.“ Wenn eine Räumungsklage erst einmal vollstreckbar ist, gebe es nichts mehr zu retten.

„Wir haben keine Wohnungen zur Verfügung“, beugen die Beraterinnen aber Missverständnissen vor. „Wir kümmern uns darum, die Rahmenbedingungen zu verbessern, um die Chancen auf dem Wohnungsmarkt zu erhöhen.“ Doch Wohnungen außerhalb der Stadt sind meist keine Lösung wegen des fehlenden öffentlichen Nahverkehrs.

Hauptkorn und Hirnbacher rufen Vermieter dringend dazu auf, leere Wohnungen zur Verfügung zu stellen und verweisen dazu auf das Projekt „Herein“ der Caritas für alle, die sich von einer Vermietung überfordert fühlen oder Mietrückstände und Ärger fürchten.

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