So hilft der Verein Ccara in den indischen Slums

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Heike Maurus aus Neutrauchburg zielt mit ihrer Bitte um Spenden für „Ccara e.V.“ vor Weihnachten 2019 in zwei Richtungen: „Wir möchten Bildung und Würde verschenken.“

Die private Hilfsorganisation, die sie 2005 mit ihrem Mann Roman im bayerischen Grünenbach, dem damaligen Wohnort, gegründet hat, unterstützt in Indien inzwischen 900 Slum-Kinder. Mittels Bildung soll ihnen eine neue und bessere Lebens-Perspektive eröffnet werden. Weitere Ccara-Projekte unterstützen Frauen und Familien in ärmsten Verhältnissen sowie Lepra-Kranke.

Schuhe für Lepra-Kranke und vier neue Schulen
Schuhe für Lepra-Kranke und vier neue Schulen (Foto: Ccara e.V.)

Bei „Helfen macht Freude“, der Weihnachtsaktion der „Schwäbischen Zeitung“, ist Ccara im dritten Jahr dabei. Auch dank der Spenden von SZ-Lesern konnten Maurus und ihre Projektpartner vor Ort im Jahr 2019 vier neue Ccara-Slum-Schulen für 200 Kinder gründen, je zwei in den Millionenstädten Mumbai und Kalkutta.

Medizinische Hilfe, warme Mahlzeit, Hausaufgabenbetreuung

Ihr Konzept ist das gleiche wie jenes der bereits bestehenden Schule im nordindischen Jaipur: Lehrkräfte unterrichten in vereinseigenen Gebäuden und kleinen Klassen Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Eltern sind Analphabeten oder oft in Schuldknechtschaft gefangen, sie verdienen ihren mageren Lohn mühsam durch Müllsammeln, Straßenkehrerarbeiten oder als Tagelöhner auf Baustellen.

 Ein Dank an die SZ-Leser aus der CCARA-Slum-Schule in Mumbai, die 2019 gegründet wurde, wofür auch die Spende der „Schwäbischen
Ein Dank an die SZ-Leser aus der CCARA-Slum-Schule in Mumbai, die 2019 gegründet wurde, wofür auch die Spende der „Schwäbischen Zeitung“ aus der Weihnachtsaktion „Helfen macht Freude“ 2018 verwendet worden ist. (Foto: Ccara e.V.)

Wenn nötig, steht für die Kinder medizinische Hilfe bereit, denn in den Familien gehören Krankheiten wie Tuberkulose oder Aids laut Maurus zum Alltag. Ein soziales Netz oder eine Krankenversicherung für sie existiere nicht. Als „Luxus“ empfänden die Kinder die sauberen Schultoiletten. Unterrichtsmaterial gibt es kostenfrei, wie auch mittags eine warme, ausgewogene Mahlzeit aus der schuleigenen Küche.

Eltern werden ins Programm mit einbezogen

Danach werden die Kinder betreut, auch bei den Hausaufgaben, bis sie abends nach einem langen Arbeitstag abgeholt werden von den Eltern. „Die sind in das Bildungsprogramm mit einbezogen, um den Wert von guter Bildung zu vermitteln, denn immer noch werden Kinder in indischen Slums aus Armut zu früh zum Arbeiten und vor allem Mädchen zur Prostitution gezwungen oder noch vor der Pubertät verheiratet“, erzählt Maurus.

Staatliche Schulen seien Slum-Kindern meist verschlossen, Ccara will sie auf einen Schulabschluss vorbereiten. Mit Erfolg: „Wir sind besonders stolz, dass inzwischen elf unserer Mädchen an einer Universität studieren, ein Mädchen schaffte dieses Jahr sogar einen Master in Elektrotechnik und arbeitet nun in einer IT-Firma“, berichtet Maurus.

160 Kinder in zwei Ccara-Dörfern

Neben den fünf Schulen unterhält Ccara mittlerweile zwölf Betreuungseinrichtungen für Kinder, Frauen und Familien auf Dörfern und in Slums von Großstädten. Ermöglicht durch Patenschaften, leben etwa 160 der 900 Ccara-Kinder in den zwei Kinderheimen in Südindien: Im ersten, „Vidivelly“, sind es circa 80 Mädchen, für die jüngst bestehende Gebäude mit Schlafräumen, Küche, Essraum und sanitären Anlagen aus- und umgebaut wurden. „Graceland“ wurde in sechs Jahren errichtet als ein komplettes, kleines Dorf mit insgesamt über 70 Kindern.

Auf einem halben Hektar Land stehen sechs Cottages, die je eine Hausmutter betreut. Das Versorgungsgebäude umfasst laut Maurus eine Küche, Toiletten für Jungen und Mädchen getrennt, einen Gemeinschaftsraum, ein Büro und ein kleines „Erste-Hilfe-Center“ mit einer fest angestellten Krankenschwester.

„Wir haben inzwischen mehrere Näherinnen, Sekretärinnen und Krankenschwestern ausgebildet und aus unseren Heimen entlassen“, diese jungen Frauen, von Ccara teils als Babys aus bitterster Armut gerettet, seien „unwahrscheinlich dankbar“ und zudem Vorbilder für andere: „Gibt man den Mädchen die Chance, lernen sie sehr fleißig“, freut sich Maurus.

Für 2020 ist ein Familien-Hilfe-Center in Mumbai geplant

Spendengelder aus „Helfen macht Freude“ sollen kommendes Jahr dazu beitragen, in einem Slum in Mumbai, das Maurus und ihre Partner bereits kennen und in dem etwa 200 000 Menschen leben, ein „Familien-Hilfe-Center“ zu gründen.

„Ccara plant, ein kleines Haus zu kaufen, um dort neben einer Schule auch eine Hausaufgabenbetreuung sowie eine Näh-Schule und Alphabetisierungskurse für Frauen anzubieten. Auch medizinische Betreuung soll es geben sowie Beratung für Familienprobleme. Um das ganze Projekt umzusetzen, werden wir circa 25 000 Euro brauchen“, umreißt Maurus die Pläne.

 Ein Dank an die SZ-Leser aus der CCARA-Slum-Schule in Mumbai, die 2019 gegründet wurde, wofür auch die Spende der „Schwäbischen
Ein Dank an die SZ-Leser aus der CCARA-Slum-Schule in Mumbai, die 2019 gegründet wurde, wofür auch die Spende der „Schwäbischen Zeitung“ aus der Weihnachtsaktion „Helfen macht Freude“ 2018 verwendet worden ist. (Foto: Ccara e.V.)

Bereits realisiert werden konnte solch ein „Familien-Hilfe-Center“ im nordindischen Bundesstaat Punjab. In Zusammenarbeit mit Surinder Khinda, der in Isny das indische Restaurant „Speedy“ betreibt und Ccara sein Haus in seinem Heimatdorf zur Verfügung gestellt hat, können nun 48 Frauen dort die Nähschule besuchen. 50 bedürftigen Kindern wird Bildung in Form einer Hausaufgabenbetreuung zugänglich gemacht.

Passgenaue Schuhe für verstümmelte Füße der Lepra-Kranken

„Würde verschenken“ ist das zweite Ziel der Ccara-Weihnachtsaktion 2019. Das Projekt entstand in den vergangenen Jahren im Umfeld der Kinderheime in Südindien.

Dort leben circa 1000 Menschen in Lepra-Kolonien in bitterster Armut. „Das offizielle Indien hat die Lepra für ausgerottet erklärt“, sagt Maurus. Ihre Fotos von Menschen mit verstümmelten Gliedmaßen, die stigmatisiert, von der Gesellschaft ausgestoßen seien und denen oft nur das Betteln bleibe, belegen das Gegenteil.

„Neben der bewährten Ccara-Aktion ’Schafe für eine neue Existenz’ möchten wir möglichst vielen von ihnen zu Weihnachten neue Schuhe schenken“, sagt Maurus. „Hierzu müssen ihre Füße, die durch die Verstümmelung oft große Größenunterschiede aufweisen, persönlich vermessen werden – pro Person und Paar brauchen wir hierfür etwa 4,50 Euro.“

Die Schuhe wird Heike Maurus persönlich verteilen. Denn jedes Jahr fliegt sie mit einer Gruppe von Unterstützern nach Indien, um den Erfolg der Hilfsprojekte in Augenschein zu nehmen. Für die nächste Reise ab dem 15. Februar 2020 sind noch zwei Plätze frei, Interessierte können sich anmelden.

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