Schneebruch: Isnyer Stadtwald kommt glimpflich davon

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  Stadtförster Johannes Merta (links) und Bernhard Dingler, Leiter der Außenstelle Leutkirch des Forstamts Ravensburg, bei der W
Stadtförster Johannes Merta (links) und Bernhard Dingler, Leiter der Außenstelle Leutkirch des Forstamts Ravensburg, bei der Waldbegehung. (Foto: Stadt Isny)
Schwäbische Zeitung

Stadtförster Johannes Merta hat dem Isnyer Gemeinderat das Betriebsergebnis des städtischen Forstbetriebs 2018 vorgestellt. Wegen des Borkenkäfers gab es demnach weniger regulären Einschlag. Der letzte planmäßige Holzeinschlag im Stadtwald war 2018 im März. „Danach sind wir nur noch dem Käfer hinterhergejagt“, berichtete Merta. Das habe sich auf die Holzmenge in 2018 ausgewirkt, die niedriger gewesen sei als geplant. Niedriger als gehofft sei der Holzpreis gewesen, was sich auf die Einnahmen ausgewirkt habe.

„Aufräumen macht viel Arbeit“

Das neue Jahr sei von Schneebruch bestimmt gewesen, wobei der Isnyer Stadtwald laut Merta „relativ glimpflich“ davongekommen ist. Weil aber die gebrochenen Bäume weit verstreut seien, mache das Aufräumen viel Arbeit. Der Stadtwald habe 90 Prozent zugängliche Flächen. Da werde aufgeräumt und da gehe man an die Grenzen, sagte der Stadtförster. Auf den zehn Prozent schwer zugänglichen Flächen, beispielsweise Tobel an der Adelegg, „wo es bloß kostet und der Natur schadet, belassen wir Wildnis.“ Es wird auch nicht jeder Baum gefällt, der durch die Schnee- und Eislast seinen Wipfel verloren hat. „Ein Baum, der noch zwei drei Astquirle hat, überlebt“, erklärt er auf Anfrage des Stadtrats Edwin Stöckle.

Im vergangenen Herbst sind im Gschwendwald auf zwei Hektar Weißtannen angesät worden. „Saat ist der Anpflanzung überlegen“, sagt Johannes Merta. Und Tannen würden tief wurzeln und könnten die tonigen Schichten durchdringen, was sie für Trockenheit widerstandsfähiger mache. Grundsätzlich fürchte er die Folgen des Klimawandels für den Isnyer Wald nicht so sehr. Zumal er – auch im Sinne seines Vorgängers Franz Josef Schaupp – weiter daran arbeite, den Stadtwald langfristig klimatauglich in einen stabilen Mischwald umzubauen.

Dies bedeutet, dass Baumarten wie Tanne, Buche, Lärche, Douglasie oder Erle in den früher fast reinen Fichtenwäldern beigemischt werden. „Es ist nicht damit zu rechnen, dass wir auf mediterrane Baumarten zurückgreifen müssen.“ Die Forstleute hoffen, dass der trockene Sommer 2018 ein einmaliges Ereignis bleibt. Über den verregneten, kühlen Mai freuen sie sich. Zur angesprochenen Biodiversität erklärte Bauamtsleiter Claus Fehr, dass die Stadt Flächen aus der Nutzung nehmen wolle und dazu derzeit ein Alt- und Totholzkonzept entwickle.

Wann sich der Holzpreis wieder erholt, sei nicht absehbar. Mitteleuropa habe seit dem vergangenen Jahr Waldschäden in nie gekanntem Ausmaß erlebt, wie Bernhard Dingler, Leiter der Außenstelle Leutkirch des Forstamts Ravensburg, erklärte. Verglichen dazu lebe man im Allgäu auf einer „Insel der Seligen“. „Ganze Züge mit billigem Holz kommen aus Tschechien in unsere Region.“

Grundsätzlich sei er optimistisch, da weltweit weniger Holz nachwachse, als verbraucht werde und sich der Holzmarkt deshalb vermutlich wieder normalisiere. Um am Holzmarkt Gewicht zu haben, tritt die Stadt einer neuen Holzvermarktungsgenossenschaft bei. Gemeinderat und Verwaltung waren sich in ihrem Dank für die gute Arbeit der Forstleute einig. Dingler wiederum dankte der Stadt, dass sie dem Wald so einen breiten Raum einräume.

Vermarktungsgesellschaft Holz

Zum 1. Januar 2020 wird die Forstverwaltung in Baden-Württemberg laut der Stadt Isny neu organisiert. Damit verbunden sei eine Neuorganisation für den Holzverkauf. Die Städte und Gemeinden im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg mit Waldbesitz über 100 Hektar (Isny hat 500 Hektar) gründen daher eine Genossenschaft für Holzvermarktung. Der Gemeinderat habe einstimmig beschlossen, dass die Stadt Gründungsmitglied der Vermarktungsgemeinschaft Holz e.G. wird. Isny bringe 1000 Euro Startkapital ein. Mit der Genossenschaft solle ein Gegengewicht gegen die Konzentration der Sägeindustrie erzielt werden.

Forstreform

Mit der ab 2020 greifenden Forstreform, die nochmals geändert wurde, nachdem der Bundesgerichtshof ein Urteil in einem Kartellrechtsverfahren kassiert hatte, können Kommunen nach Angaben der Stadt auch weiterhin die Waldbewirtschaftung in den Händen der Unteren Forstbehörde (Landratsamt) belassen, anstatt sie in Eigenregie zu übernehmen. Damit kann auch Stadtförster Merta als Forstbeamter beim Landkreis die Stadt Isny weiterhin betreuen.

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