Schüler angegriffen: Ärger um Realschul-Abschlussparty in Isny

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 Einer der vermüllten Tische auf der Familienspielwiese: Wie Spaziergänger berichten, sah es an den anderen Sitzgelegenheiten am
Einer der vermüllten Tische auf der Familienspielwiese: Wie Spaziergänger berichten, sah es an den anderen Sitzgelegenheiten am Morgen nach der Abschlussparty genauso aus. (Foto: SZ)

Die Abschlussparty der Isnyer Realschüler auf der Familienspielwiese am vergangenen Dienstag hat diese Woche für Ärger gesorgt und auch im Internet Wellen geschlagen.

Das Polizeipräsidium in Konstanz hatte am Mittwoch zunächst eine Pressemitteilung versandt mit der Überschrift „Realschüler vermüllen Familienspielwiese“. Darin wurde berichtet, dass Beamte rund 300 leere Flaschen und Dosen gezählt hätten, die zurückgelassen worden waren, nachdem die Feiernden das Gelände gegen 22.30 Uhr verlassen hatten. Die „Schwäbische Zeitung“ gab diese Informationen in der Donnerstagsausgabe so wieder.

Nicht erwähnt wurde im Polizeibericht, dass die Schüler aus insgesamt vier Klassen das Gelände verließen, weil sie von einer Gruppe bisher noch unbekannter Personen attackiert worden waren. Im Rahmen der Auseinandersetzung kam es nach SZ-Informationen vom Freitag zu einer Körperverletzung. Aus dem Kreis der Schüler musste eine Person ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Für diesen Vorfall ist allerdings die Polizeiinspektion in Lindenberg zuständig, denn: Die Familienspielwiese gehört zwar der Stadt Isny, liegt aber auf bayerischem Hoheitsgebiet.

Isnyer Polizeibeamte und Vertreter des Ordnungsamtes im Rathaus suchten am Mittwochmorgen die Realschule auf mit Fotos der verunreinigten Familienspielwiese, woraufhin der Konrektor „eine Ansprache“ an die Schüler richtet. Seitens der Polizei sei in Aussicht gestellt worden, dass von einer Anzeige abgesehen wird, wenn die Schüler die Familienspielwiese bis zum Mittag aufräumen und der städtische Bauhof nicht involviert werden muss. Dieser Aufforderung sind die Schüler gründlich nachgekommen. „Die Familienspielwiese war noch nie so sauber wie nach der Aktion“, zitierte eine Pressesprecherin in Konstanz am Freitag auf Nachfrage einen Beamten des Polizeipostens in Isny.

In den „Sozialen Medien“ wurde derweil Kritik geäußert an der Berichterstattung der SZ, weil der Grund nicht genannt wurde, warum die Schüler den Ort ihrer Party so vermüllt verlassen hätten. In einer nur für Mitglieder zugänglichen Facebook-Gruppe initiierte augenscheinlich eine Mutter mit folgendem Text eine längere Unterhaltung.

Zitat: „Was die SZ mal wieder nicht schreibt: Die Schüler, die in der Gemeinschaft ihre letzte Prüfung gefeiert haben, waren friedlich und hätten vermutlich von sich aus auch die Flaschen beseitigt (schon weil ich es dem Schülersprecher gesagt hätte), wären nicht am Abend junge Männer auf der Spielwiese aufgetaucht, die die übrigen Feiernden angegriffen haben! Ich wurde zur Hilfe gerufen, bin hoch gerast und habe mein Kind und die Freunde eingeladen. Krankenwagen, Polizei – alles war da! Ein Schüler verletzt ins Krankenhaus! Die Schläger (keine Jugendlichen) waren weg, wurden nicht von der Polizei aufgegriffen! Und ich hätte niemals geduldet, dass jemand von den Schülern (die alle geflüchtet sind, welche noch da waren) nochmal auf die Spielwiese gegangen wäre um aufzuräumen. Ich habe darauf bestanden, sie alle mitzunehmen! Das war kein Spaß, verdammt! Und die Polizei wusste das auch ganz genau. Sie waren Vorort! Am nächsten Morgen waren schon um halb neun die ersten Schüler oben und haben alles aufgeräumt! Trotz bösem Kater und dem Schreck in den Knochen! Weiß ich alles zufällig aus allererster Hand, und ich finde es ärgerlich, dass davon nichts erwähnt wird! Hauptsache unsere Jugend waren wieder die Blöden... Find’ ich nicht gut.“ – Zitat Ende.

Erklärung dazu: Steht über einer Meldung in der SZ „Polizeibericht“, ist die Quelle die Pressestelle des Polizeipräsidiums in Konstanz. Beamte des Polizeipostens in Isny und des übergeordneten Reviers in Wangen sind gegenüber der Presse nicht auskunftsberechtigt. Wenn im Polizeibericht, der täglich an Redaktionen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Konstanz verschickt wird, Details fehlen, hat das zumeist „ermittlungstaktische“ Gründe.

Eine Berichterstattung über den „Polizeibericht“ hinaus ist der SZ nur möglich, wenn Augenzeugen der Redaktion – auf Wunsch jederzeit vertraulich – ihre Beobachtungen schildern; etwa wie jüngst beim Audi, der in den Baggersee bei Burkwang geschoben wurde (Neues siehe unten).

Oder wie ein Spaziergänger, der diesen Mittwochvormittag die vermüllte Familienspielwiese gesehen hat: „Ich bezweifle, dass die Schüler das nachts in der Dunkelheit noch hätten aufräumen können“, erklärte er zum obenstehenden Foto, das er der SZ zur Verfügung stellte. Darüber hinaus sei in einem Bachlauf ein Einkaufswagen und ein Bierkasten gelegen, in der Wiese seien Chipstüten und anderer Müll verteilt gewesen. Auch habe er mehrere leere Wodkaflaschen gesehen und sich gefragt, ob die feiernden Realschüler alle bereits über 18 Jahre alt sind.

Laut Pressestelle in Konstanz hatten Beamte des Polizeireviers Wangen die Schüler schon zu Beginn der Feier am Dienstag gebeten, den Müll wieder aufzuräumen, wegen der Körperverletzung kämen Personen mit Wohnsitz in Isny in Betracht. Zum Stand der Ermittlungen war am Freitag bei der Polizei in Lindenberg leider niemand erreichbar.

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