Sage noch einer, Bluesrock ist „out“

Lesedauer: 5 Min
Babette Caesar

Das 35. Isnyer Theaterfestival hat am Freitagabend noch einmal musikalisch in die Vollen gegriffen: Drei Stunden boten die Münchner Band „The Whiskey Foundation“ und im Anschluss Jesper Munk mit Band als Hauptact satten Rock und Blues. Schlicht „Amazing“ – toll – ist das passende Wort für die beiden Sets, die das Zelt füllten und die Luft zum Vibrieren brachten. Was den Bluesrock heute ausmacht und lebendig hält, machten die beiden Auftritte mehr als deutlich.

Dieser Abend gehöre den Strom-Gitarren, erklärte Franz Schmid vom Programm-Team des Festivals den Besuchern, die dicht gedrängt in der Arena auf „The Whiskey Foundation“ warteten; auf Julian Frohwein, Pascal Fischer, Franz Klein und Janis Gursky an Piano und Orgel, Schlagzeug, E-Gitarre und Bass mit Sänger, Gitarrist und Mundharmonikaspieler Murat Kaydirma.

Der umjubelte Support hatte sein mittlerweile drittes Album „Blues and Bliss“ im Gepäck, das Rockhymnen der 1960er- und 1970er-Jahre auf Touren bringt und im 21. Jahrhundert ankommen lässt. Das sind keine simplen, wenngleich oft gut gemachten Cover-Songs. Das sind virtuose Neuverpackungen von Anleihen an einen Jim Morrison und The Doors oder an die unvergesslichen Gitarren-Gigs eines Carlos Santana.

Ausschnitthaft blitzen altbekannte Melodien auf, um sofort wieder abzutauchen in selbst Komponiertes. Das schwelgt zwischen Herz- und Schmerzfeeling und einem aufgeladenen, schweißtreibenden Sound. „Eine schöne Familie“ nennt Frontmann Kaydirma seine Band, die 2013 mit „Take the Walk“ debütierte. Seine Reibeisenstimme mag an eine wie die von Joe Cocker erinnern, ist aber längst zu einem eigenen Charakteristikum geworden. Berauschend schön ist die Langzeitversion auf Jim Morrisons „The End“ mit einem lyrisch selbstvergessenen Klavierpart und Übergriffen ins Psychedelische. Manchmal glaubt man sich tatsächlich zurückversetzt in die Zeit der großen alten Rock-Hasen.

Mit Jesper Munk, geboren 1992 in München und mittlerweile nach Berlin umgezogen, betrat ein anderes Kaliber das Parkett. Von vielen als Wunderkind gefeiert, der dem Südstaaten-Blues zu neuem Auftrieb verhelfe, wandelt der Deutsch-Däne jetzt mit dem aktuellen Album „Favourit Stranger“ auf ungewohnteren Spuren aus Jazz und Soul.

Image auch optisch verändert

In weißem Trägerhemd und karierter Hose, mit Oberlippenbärtchen und kurzgeschorenen Haaren hat er auch optisch sein Image verändert. Mutig könnte man seinen Solo-Start zu Beginn nennen, nach dem Hype, den „The Whiskey Foundation“ entzündet hatte. „Ich fang’ jetzt mal an, euch einzustimmen auf ein etwas ruhigeres Set“ – ja, Jesper Munk ist ein ehrlicher Mensch. Doch vor allem ein Sänger, der sich dicht vor zwei Mikrofonen positioniert und sein begnadetes Organ bis in Falsetthöhen schraubt.

Während sich das Zelt langsam wieder füllte, blieb es mit Keyboarder Robbie Moore, Bassist Taylor Savvy, Gitarrist Knox Chandler und Drummer Michael Fromme nicht lange ruhig. Munks Timbre verleiht seinem Auftritt das Image eines Lonely Man, der dabei sehr erotisch und sehr verletzlich wirkt. Schwermut im Wechsel mit genussvoller Leichtigkeit haftet seiner Performance an, die zupacken kann, dass einem die Ohren klingeln.

Auch, wenn die Akustik nicht immer ideal war, so doch im Gitarrenduett mit dem US-amerikanischen Knox Chandler oder neben Keyboarder Robbie Moore, mit dem er gegen Schluss eine gewaltige, psychedelische Klangkulisse entfachte. Minutenlang schwebend wie in Trance und elektrisierendem Zeitraffer.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen