Riesen-Überkopf-Schaukel von der Wiesn

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Klaus und Ronny Grubart sind humorvolle Menschen. Kaum ein Satz der beiden Isnyer Schausteller, der nicht von einem Lachen begleitet wird, wenn sie von ihren Fahr- und Vergnügungsgeschäften erzählen, mit denen Vater und Sohn in vierter Generation fast das ganze Jahr über von Volksfest zu Volksfest reisen.

Vor ihrem Heimspiel, dem Isnyer Kinder- und Heimatfest, werden die Lachfältchen um ihre Augen aber jedes Mal noch ein bisschen tiefer und die Mundwinkel ziehen sich noch etwas weiter nach hinten: Rundum Vorfreude „auf eins der schönsten Kinderfeste überhaupt“ herrscht in der Familie. Und ein geradezu kindliches Vergnügen schwingt mit, wenn Klaus und Ronny erzählen, welche neuen Fahrgeschäfte sie den Isnyern präsentieren können.

Dieses Jahr ist es zuvorderst der „Flip Fly“, eine „Riesen-Überkopf-Schaukel, die pro Runde zwölf Passagiere in 24 Meter Höhe mächtig durcheinander wirbelt. „Die kommt aus München und war ein Highlight auf dem Oktoberfest“, sagt Klaus Grubart und grinst. Er ist jedes Mal stolz, wenn ihm gelingt, eine Wiesn-Attraktion auf den Festplatz am Rain zu bekommen, denn es sei sehr schwer, große Schausteller für einen verhältnismäßig kleinen Rummelplatz zu begeistern, weil die Kosten der aufwändigen Fahrgeschäfte natürlich mindestens gedeckt werden müssen.

Was die Isnyer laut Grubart „schon ewig nicht mehr“ hatten, ist eine Geisterbahn. 2018 ist das Warten vorbei, ein kleines, historisches Gruselkabinett hat aufgeschlagen: „Die Geisterbahn ist über 100 Jahre alt“, erzählt ein Helfer, der am Mittwochnachmittag den Eingangsbereich säubert. Totenkopfschädel und Skelette zieren die Außenwände, deren Bemalung in „Airbrush-Technik“ kommt deutlich aktueller daher. Doch der Mitarbeiter zeigt auf die eisernen Schienen: „Die sind aus einem Salzbergwerk.“ Sein Chef habe die Geisterbahn vor elf Jahren gekauft, nicht wissend, wie alt das Innenleben ist. Das sei erst zum Vorschein gekommen, als Lack an den Gondeln abgeplatzt sei: „Mindestens vier Schichten haben wir drunter entdeckt.“ Klaus Grubart ist glücklich, dass solch ein Geschäft noch auf Tour ist: „Große Geisterbahnen, die zwei- oder dreistöckigen, passen bei uns nicht auf den Platz.“

Hinterm Hackschnitzel-Heizkraftwerk ist das Flugkarussell „Disco-Flyer“ aufgebaut. „Vor circa vier bis fünf Jahren war es das letzte Mal da“, erinnert sich Grubart senior, der bei beliebten Fahrgeschäften bewusst „mindestens drei Jahre Luft“ lässt, bevor er sie wieder nach Isny holt, um sowohl für Abwechslung als auch für Sehnsucht zu sorgen.

Nicht so allerdings bei seiner firmeneigenen Attraktion, dem „Tornado“, dem 3 D-Überkopf-Fahrgeschäft mit Blitz, Donner und Regensturm. „Letztes Jahr stand er auch schon am Rain, in der Firma läuft er im sechsten Jahr, die Leute lieben das Programm, mit den Effekten heben wir uns ab – auf den Tornado setze ich so lange, bis ich merke, das Interesse ebbt ab“, sagt Grubart. Zur Beliebtheit trage auch die Dauer einer Fahrt bei: vier bis fünf Minuten. Wenn er von den Gästen, die ab acht Jahren mitfahren dürfen, höre, „ich will Tornado fahren – dann geht das runter wie Öl“. Mit dieser Anschaffung habe er „Glück gehabt“, was sich auch an den Anfragen auswärtiger Volksfeste zeige: „Der Tornado steht demnächst in Saulgau, die fragen wieder und wieder an.“

Auf die Qualität des Vergnügens legt der Organisator des Rummels am Rain auch bei auswärtigen Schaustellern Wert, die er engagiert, dass keine Fahrten verkürzt werden, dass sie „nicht sieben oder acht Euro“ kosten. Als Richtpreis will Grubart „noch möglichst lange um die fünf Euro halten“.

Ein Betrag, bei dem Sohn Ronny erst einmal lacht, dann aber doch grübelnd kalkuliert. Für einen niedrigen sechsstelligen Betrag hat er vergangenen Herbst ein „6 D-Kino“ gekauft. „Normalerweise steht sowas in Freizeitparks, der Europapark hat letztes Jahr sowas gebaut“, erzählt der Junior über einen Lkw-Anhänger, dessen Innenleben es in sich hat: „Man sitzt auf beweglichen Sitzen, setzt eine 3 D-Brille auf, und erlebt dann animierte Filme“. Tagsüber kindergerecht, abends Erwachsenen-Action, zu der es schneit, regnet, stürmt, Seifenblasen aufploppen, Feuereffekte speien. „Man hat das Gefühl, als sei man in dem Film mit drin“, schildert Ronny Grubart – stolz darauf, „eine der ersten Anlagen dieser Art in unserer Region anzubieten“.

Ganz abseits der Fahrgeschäfte hat Klaus Grubart 2018 zwei weitere Besonderheiten arrangiert. „Neben unserem üblichen Softeis gibt zum ersten Mal Kugel-Eis vom Soravia.“ Mit der Isnyer Eismanufaktur mit italienischen Wurzeln sei er eine Partnerschaft eingegangen – nicht nur fürs hiesige Kinderfest: „Wir nehmen das Eis mit auf andere Festplätze.“

Zweites „Special“: Am Süßwarenladen „Almhütte“ oben auf dem Festplatz vor dem Hackschnitzelkraftwerk gibt es zum ersten Mal überhaupt ein speziell fürs Kinderfest gebackenes Lebkuchenherz mit Zuckerguss-Schrift in den Stadtfarben Grün-Rot. „Das gab’s noch nie, aber was die Wiesn kann, können wir Allgäuer schon lange“, scherz Klaus Grubart im Bewusstsein, doch ein wenig zu übertreiben. 150 Herzen hat er backen lassen, an 400 habe er anfangs auch mal gedacht. Aber daran, dass sich das Geschäft unterm Strich doch auch lohnen muss, denken die Grubarts in diesen Tagen genauso. Kindlicher Spaß hin, Lachfalten her.

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