Pranger soll zu „gedanklichem Stolperstein“ werden

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 Auf der südwestlichen Ecke des mittelalterlichen gräflichen Amtshauses und späteren Rathauses kam der markante Pranger zum Vors
Auf der südwestlichen Ecke des mittelalterlichen gräflichen Amtshauses und späteren Rathauses kam der markante Pranger zum Vorschein. Welchen ihm angemessenen Platz soll er bei der Neugestaltung des Marktplatzes einnehmen? (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Bei den Grabungen im Bereich des Isnyer Marktplatzes haben die Archäologen, welche „tiefschürfend“ um Blaserturm, Hallgebäude und unter dem Marktplatzasphalt viele Monate nach den historischen Wurzeln der Stadtgründung gesucht haben, auch den sogenannten Pranger entdeckt und geborgen.

Der markante Felsblock an der südwestlichen Ecke des im Mittelalter marktbeherrschenden gräflichen Amtshauses, auf dessen Grundmauern im 16. Jahrhundert auch das imposante Rathaus thronte, ließ bei den Archäologen keinerlei Zweifel aufkommen, dass es sich bei diesem Fund, exakt in der Mitte des Marktplatzes, um den städtischen Gerichtsplatz handelt.

Entsprechend der historischen Bedeutung dieses Felsbrockens war auch die Beachtung durch die Bevölkerung groß. Schlaglichtartig stellte man sich den Delinquenten vor, der vom Stadtrichter verurteilt war und nun Stunden oder Tage auf dem Stein stehend und angekettet zur Schau gestellt ausharren musste.

Vielzahl und Vielfalt an Ideen

Offensichtlich war es nie eine Frage, ob dieser historische Pranger überhaupt einen ihm angemessenen Platz auf dem neu zu gestaltenden Marktplatz bekommen soll. Lässt sich doch an ihm zumindest die „Niedere Gerichtsbarkeit“ in der Reichsstadt Isny sichtbar illustrieren, erklärte Oswald Längst eingangs zur Diskussionsrunde im Arbeitskreis Heimatpflege. Ein Vielzahl und eine Vielfalt an Ideen sei bereits in verschiedenen Arbeitsgruppen zusammengetragen worden. Ein realer Stolperstein mitten auf dem Marktplatz soll es jedenfalls nicht sein, allenfalls ein „Stolperstein“ der zum Nachdenken einlädt. Angedacht war zum Beispiel die Positionierung unter oder vor den Rathausarkaden.

Dieser Standort könnte auch der Startpunkt für Stadtführungen sein – mit freier Sicht zu Marktplatz, Blaserturm, Hallgebäude und in die Bergtor-, Wassertor- und Obertorstraße. Oder soll er doch, weniger dominant, am oder hinter dem Blaserturm positioniert werden – drumherum würde das historische Katzenkopfpflaster verlegt, das in diesem Bereich bei den Grabungen freigelegt wurde?

AK will Platzierung an historischem Standort

Nach dem neuesten Planungsstand werden ja die Grundmauern des Amtshauses/Rathauses durch zwei parallel laufende Metallbänder im neuen Bodenbelag angedeutet, an deren südwestlicher Ecke dann auch ein Täfelchen im Plaster eingelassen sein müsste mit dem Hinweis auf den ursprünglichen Ort des Prangers. Angesprochen wurde auch, ob an originaler Stelle mit farblich abgesetztem Plasterbelag in der Größe des originalen Steins und mit zusätzlicher Beschriftung, auf den Pranger hingewiesen werden könnte. Der Stein selber jedoch in der „zweiten Reihe“ hinter dem Blaserturm.

Was soll nun den Vorrang haben, so fragte man sich in der Diskussionsrunde des Arbeitskreises. Entweder die gegenwarts- und zukunftsorientierte oder die unverwechselbare historische Nutzung des Marktplatzes? Die Mitglieder des Arbeitskreises, gemeinsam mit den heimatgeschichtlich Interessierten, ließen die verschiedenen bereits diskutierten Varianten Revue passieren und kamen zum gemeinsamen Beschluss: Dieses einmalige, original erhaltene historische Dokument Pranger sei es wert exakt an seinem historischen Standort platziert zu werden, jedoch in der Weise, dass er zum „gedanklichen Stolperstein“ wird, nicht zum realen. Gegebenenfalls müsste über ihm auf Pflasterebene eine Glasplatte verlegt werden?

Die beiden Vorsitzenden, Oswald längst und Rudi Daumann versprachen, eine Stellungnahme des Ak Heimatpflege zu verfassen und ans Rathaus weiterzuleiten.

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