„Ohne Jugend keine Feuerwehr“

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Markus Güttinger, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Isny, hat im Gemeinderat seinen Jahresbericht vorgelegt.
Markus Güttinger, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Isny, hat im Gemeinderat seinen Jahresbericht vorgelegt. (Foto: Archiv/Walter Schmid)

Wie groß das Vertrauen der Stadträte in die Kompetenz von Markus Güttinger ist, wurde einmal mehr deutlich in der Gemeinderatssitzung am Montag: Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr legte seinen Jahresbericht vor – samt Vorausschau auf „Ersatzbeschaffungen 2020 bis 2024“.

Demnach benötigt die Wehr ein neues Löschfahrzeug (LF 20), ein Tanklöschfahrzeug (TLF 20) und ein Fahrgestell für einen Wechsellader. Der Gemeinderat muss die Finanzierung bewilligen. Was anstandslos geschehen dürfte, da auf Güttingers Erklärung, Neuanschaffungen seien allemal günstiger als Reparaturen an den rund 30 Jahre alten Fahrzeugen, kein Stadtrat eine Rückfrage äußerte.

Vielmehr unterstrichen die Wortmeldungen aller drei Stadtratsfraktionen die Wertschätzung des Gremiums: „Wir wissen, was wir an euch haben, Investitionen in die Sicherheit sind uns sehr wichtig“, sagte Claus Zengerle im Namen der Freien Wähler. Ein „Danke“, gemünzt auf die Arbeit im Jugendbereich, setzte er außerdem hinter seine Überzeugung, dass die Feuerwehr „junge Menschen heranzieht und vielen von ihnen Freizeit und Zukunft gibt“.

Güttinger hatte zuvor an die Einweihung des Jugendraums am Feuerwehrhaus Anfang Mai erinnert: „Die Jungfeuerwehr wurde 35 Jahre lang hin und her geschoben, für den Jugendraum war es höchste Zeit, denn ohne Jugend könnte keine Feuerwehr existieren“, betonte der Kommandant; verbunden mit der überschlägigen Schätzung, dass 70 Prozent der Feuerwehrleute aus der eigenen Jugend hervorgegangen sind.

Insgesamt zähle die Isnyer Wehr derzeit 165 Mitglieder, neun davon sind Frauen. Wobei die Zahl laut Güttinger nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass „wir im Tagesbereich Riesenprobleme haben – wir müssen in naher Zukunft eine Lösung finden“, appellierte er an Gemeinderat und Stadtverwaltung. Für die Bereitschaft stünden „maximal 20 Leute“ zur Verfügung. Zwar gäbe es theoretische Angehörige auswärtiger Feuerwehren, die in Isnyer Firmen arbeiten. Doch um auf diese tagsüber bei Einsätzen zurückgreifen zu können, „müssten sie mit den Isnyern proben“, unterstrich Güttinger – was wiederum Engagement in der Freizeit bedeuten würde.

Diese Punkte griff die SPD-Fraktion auf: Peter Clement dankte „fürs Ehrenamt bei Tag und Nacht das ganze Jahr hindurch“. Erhard Bolender wollte das auf die Betriebe ausgedehnt wissen, die Mitarbeiter für die Feuerwehr freistellen: „Auch die Arbeitgeber müssen wir honorieren.“

Peter Manz hob in seinem „Respekt und Dank für die Leistung“ seitens der CDU-Fraktion eine Auflistung hervor, die Güttinger im Jahresbericht gezeigt hatte – die Übungsstunden, die ein Aktiver abzuleisten hat, bis er seine Grundausbildung absolviert hat und als vollwertiges Mitglied einsatzbereit ist: „In der Öffentlichkeit ist nicht klar, dass das rund 240 Stunden plus weitere für Zusatzqualifikationen sind“, sagte Manz. Parteikollegin Silvia Ulrich pflichtete bei, auch mit Blick auf die Neuanschaffungen: „Ich weiß, ihr macht alles im Ehrenamt, deshalb investiere ich lieber in die Feuerwehr.“

Güttinger fasste zusammen, dass die Isnyer Wehr über Fachberater, Kreisausbilder, sieben Höhenretter und 25 Personen in der Gefahrgutgruppe verfüge, die regelmäßig gemeinsam proben. Wichtig war ihm auch: „Wir haben selber Ausbilder.“ Auch für den Führerschein für Lkw unter 7,5 Tonnen. Bei größeren Fahrzeugen existiere eine Kooperation mit Fahrschulen, da immer weniger junge Menschen den Lkw-Führerschein besäßen, den sie früher von der Bundeswehr mitgebracht hätten. 95 mal absolvierten Isnyer im vergangenen Jahr die Tauglichkeitsprüfung in der Atemschutz-Übungsstrecke in Lindenberg. Bei 24 Proben kamen rund 1500 Übungsstunden zusammen, hinzugerechnet werden Lehrgänge und Fortbildungen.

Für den Berichtszeitraum listete Güttinger 164 Einsätze auf, „letztes Jahr so hoch wie zuletzt 2013“. Die Wehr rückte zu 21 Brandeinsätzen, 74 mal für technische Hilfe, sechs sonstigen und 54 Fehl- beziehungsweise „Täuschungsalarmen“, die Peter Clement wunderten: Ob sie nicht „zu ökonomisieren“, also vermeidbar wären? Güttinger pflichtete zwar bei: „Die Einsätze ärgern einen.“ Doch die Zahl der Brand- und Rauchmelder steige kontinuierlich, und er rücke lieber einmal zu viel aus, etwa, weil eine Spinne den Alarm ausgelöst hat, als einmal zu wenig: „Der Schaden wird durch Rauchmelder begrenzt“, war dem Kommandanten wichtig zu unterstreichen.

Zuletzt wies Güttinger auf Clements Zusatzfrage darauf hin, dass Sperrungen des Felderhaldetunnels nicht in der Verantwortung der Isnyer Wehr lägen, sondern vom Straßenbauamt anberaumt würden: „Diese Zeiten dürfen wir nutzen, um im Tunnel zu üben – müssen tun wir nur alle zwei Jahre.“

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