Noble und zugleich historische Situation

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Die nach wie vor ungetrübten Badefreuden am Badsee in Beuren nutzen dieser Tage viele Erholungs- und Erfrischungssuchende.
Die nach wie vor ungetrübten Badefreuden am Badsee in Beuren nutzen dieser Tage viele Erholungs- und Erfrischungssuchende. (Foto: Gisela Sgier)
Redaktionssekretariat

Von einer „historischen Situation“ spricht Uwe Bauer angesichts des über weite Strecken trockengefallenen Oberlaufs der Unteren Argen. „Seit ich hier bin, kann ich mich nicht erinnern, dass es so war“, sagt der Isnyer Wassermeister, beruflich immerhin seit 15 Jahren mit dem nassen Element verbunden. Zwar hätten Zeitzeugen schon Vergleiche zum Jahr 2003 gezogen, als die Argen ebenfalls kaum noch Wasser führte. „Damals gab es aber immerhin noch vereinzelte Pfützen“, erinnert Alexandra Haug. Sie ist im Rathaus für die Gewässer im Stadtgebiet zuständig und weiß, dass „etliche Adelegg-Bäche ausgetrocknet sind, aber das haben wir öfter“, beruhigt Haug.

Berthold Abt vom „Wasser- und Abwasserverband Untere Argen (WAV)“ hebt die Isnyer Ach hervor, „welche sich aus dem Grundwasser speist und selbst bei lang anhaltender Trockenheit immer nahezu gleichbleibend Wasser führt, das kommt auch der Unteren Argen ab der Einmündung der Ach in Unterried zugute.“ Ein wichtiger Punkt für das Isnyer Schmutzwasser: „Der Klärbetrieb wurde an die hohen Abwassertemperaturen und den konzentrierten Zulauf angepasst. Die Schmutzfrachtkonzentration beträgt derzeit fast das Dreifache des Normalwertes“, erklärt Abt.

Deshalb bestehe in den „Belegungsbecken ein höherer Sauerstoffbedarf, den wir durch erhöhten Einsatz der Belüftungsaggregate bedienen“, wofür das Klärwerk „maschinentechnisch entsprechend gut ausgerüstet“ sei, fährt Abt fort. Außerdem werde „der Pressvorgang der Schlammentwässerung von unserem Personal im Tag- und Nachtbetrieb vorgenommen, um weiterhin eine geringe Ammoniumbelastung im Kläranlagenauslauf zu garantieren – insgesamt haben wir die Hitzesituation auf dem Klärwerk gut im Griff“, sagt der WAV-Chef.

Pumpwerke auf Hochbetrieb

Gefordert ist auch der Maschinenpark für die Isnyer Trinkwasserversorgung: „Wir fahren unsere Pumpwerke auf Hochbetrieb – im Verbrauch, der täglich steigt, ist eine Spitze erkennbar, um gut ein Drittel höher als sonst“, erklärt Wassermeister Bauer. Grund sei, dass vor allem in den Ortsteilen Großholzleute, Rohrdorf und Beuren die „Eigenwasserversorgung zur Neige“ gehe, etwa bei Landwirten, die „Hangwasser für den Stall nutzen“.

Gleichwohl sei die Versorgungslage „noch nicht bedenklich oder gar bedrohlich“, unterstreicht Bauer: „Wir sind im Voralpenland in der sehr noblen Situation und können uns glücklich schätzen, dass wir großmassige Grundwasservorkommen unter uns haben.“ Konkret „den großen unterirdischen Trinkwasserspeicher der Argen-Ach-Rinne, allerdings ist der Grundwasserstand um circa 60 Zentimeter unter Normalstand“, schildert Abt.

Laut Bauer wird der Grundwasserpegel in den Tiefbrunnen regelmäßig gemessen, von denen es „in zwei Isnyer Pumpwerken einmal drei und einmal zwei, dazu in jeder Ortschaft separate Vorkommen“ gebe: „Hier können wir messen, dass die Grundwasservorräte erkennbar abgenommen haben.“

Über Appelle zu einem geringeren Wasserverbrauch oder gar eine Rationierung „denken wir bis jetzt noch nicht nach“, sagt Bauer. Allerdings habe er diese Woche, als er am Rohrdorfer Sportplatz vorbeigefahren sei, der gewässert wurde, „schon den Gedanken gehegt, ob das sein muss“. Damit sich die Wasserreserven erholen, „bräuchten wir eine Woche Komplettregen“, schätzt Bauer abschließend.

Ungetrübtes Badevergnügen

Angesichts der andauernden Hitze und des Wassermangels bislang ebenfalls noch ungetrübt ist das Badevergnügen in den Seen rund um Isny. Am Beurener Badsee nehme das Gesundheitsamt einmal im Monat Proben, zuletzt diesen Montag, schildert Alexandra Haug mit Blick auf das Blaualgen-Problem, von dem zuletzt der Leutkircher Stadtweiher und das Moorbad in Herlazhofen betroffen waren. Der Badsee sei zwar warm, das Wasser aber immer noch „geschichtet“, in der Tiefe also kühler, daher habe das Gesundheitsamt „keine Veranlassung gesehen, dass eine Prüfung auf Algen notwendig gewesen wäre“, sagt Haug.

Auch mit Verweis auf die „Sichttiefe“ im Wasser: Erst eine merkliche Trübung würde Algen-Verdacht aufkommen lassen. „Wir konnten zum Glück heuer noch keine Eintrübung feststellen“, sagt Guido Wolf, Angestellter der Freizeitanlage in Beuren, zur Wasserqualität und zum blaualgenfreien Badevergnügen der Sonnenanbeter, Schwimmer und Plantscher, die in den vergangenen Tagen das Naturbad frequentierten, das südländische Klima genossen, sich erfrischten oder unter den großen Bäumen auf der Liegewiese Schatten suchten.

Vom Grundwasser gespeist wird auch der Baggersee in Burkwang. Und „obwohl der Wasserspiegel deutlich zurückgegangen ist“, wie Gewässerwächterin Haug diagnostiziert, sei „die Sichttiefe top“, es drohe auch dort keine Algengefahr. Vom Gesundheitsamt nicht kontrolliert werde der Hengelesweiher in Großholzleute: „Das ist kein Badegewässer“, sagt Haug, dessen Wasserstand dagegen „immer noch genug“ sei, weil übers Wehr nichts mehr in den Bach ablaufe, der trocken liege. „Und vom Bewuchs war’s schon schlimmer“, ergänzt Haug.

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