Neuer Imam in Isny

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 Erst vor kurzem eingeflogen: Imam Abdullah Mercimeköglu.
Erst vor kurzem eingeflogen: Imam Abdullah Mercimeköglu. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Für alle Muslime ist der Freitag der „Tag der Zusammenkunft“. Er ist wichtiger als alle anderen Tage. Für Männer ist der Besuch des Gebetshauses (Moschee) am Freitag Pflicht, für Frauen ist die Teilnahme freiwillig. Wie an jedem Tag sollen fünf Gebete verrichtet werden: um 7, 13, 15, 17 und um 19 Uhr. Das freitägliche Mittagsgebet um 13 Uhr sei das allerwichtigste, sagt Öskoc Neclet, Vorsitzender der Moschee-Gemeinde. Am vergangenen Freitag war es für die Isnyer Muslime das erste Hauptgebet mit ihrem neuen Imam Abdullah Mercimeköglu.

Eine halbe Stunde vor dem offiziellen Beginn hielt der Neue einen Vortrag als Glaubensunterweisung über die Propheten – von Adam bis Mohammed. Alle Propheten, einschließlich Jesus, seien für sie gleich wichtig. „Sie alle sind unsere Brüder“, erklärt der Imam später beim Tee. Während der Unterweisung füllt sich der Raum komplett. Auch einige Syrer, Afghanen und Schwarzafrikaner sind dabei. Drei kleine Buben langweilen sich, krabbeln durch die eng auf dem Boden sitzenden Männer, schlafen dann aber irgendwann in einer Ecke ein. Die Schuhe stapeln sich vor der Tür im Flur.

Alle sitzen oder knien auf dem Teppichboden. Frauen haben keinen Zutritt. Sie verrichten ihr Gebet parallel auf einem ausgerollten Teppich in der Küche. Ein Vorsänger beginnt das Gebet singend mit der Anrufung des Gottesnamens, arabisch Allah. Murmelnde Gebete aller, kniend oder stehend, folgen. Dann steigt der Imam das Treppchen hoch zur Predigt über einen Vers aus dem Koran. Danach knien alle gemeinsam, verneigen sich mit dem Gesicht bis zum Boden in Richtung der heiligen Stadt Mekka, und verrichten still das am Freitag so wichtige, persönliche Gebet. Es schließt sich der Imam als Vorsänger an und beendet damit den offiziellen Teil.

Wer schnell wieder zur Arbeit muss, nur kurz in seiner Mittagspause zum Gebet eilte, verlässt schnell den Raum. Am Ausgang darf sich jeder aus einem Korb eine Art Fasnetsküchle mitnehmen. Drinnen beten einige alleine weiter. Andere gehen hinüber in den Vereinsraum zum Tee. Dort ist auch der neue Imam zum Gespräch bereit.

Der Imam leitet zwar die Versammlungen ausschließlich in türkischer Sprache, ist jedoch auch der deutschen Sprache einigermaßen mächtig. Er sei bereits zwei Jahre in Kempten und vier Jahre in Lindenberg Leiter der dortigen Gemeinden gewesen. Zwischendurch sei er allerdings wieder für drei Jahre in der Türkei eingesetzt gewesen und jetzt von der Religionsbehörde Diyanet nach Isny geschickt worden. Seine Ehefrau sei in Kempten geboren und aufgewachsen und spreche perfektes Deutsch. Die Tochter studiere nach einer Pharmazie-Assistentenausbildung an der NTA Isny nun Apothekerin an der Uni München, der Sohn Informatik in Augsburg, erzählt der überaus freundliche und gesprächsbereite Imam.

Der Gemeindevorsitzende Öskoc Neclet musste nach dem Mittagsgebet auch schnell wieder zur Arbeit, kam aber gleich nach Feierabend nach Schweinebach, um sich um die Baufortschritte im neuen Gemeindedomizil zu kümmern. Es ist die ehemalige Tanzbar und spätere Disco Hecht, direkt hinter der neuen Tankstelle und vor dem kürzlich abgebrannten Anwesen Bader. „Endlich heraus aus der Enge und dem Provisorium in der Rainstraße. Das gibt der Gemeinde Auftrieb“, sagt Neclet. Viele Männer würden nach Feierabend und am Wochenende ehrenamtlich mithelfen. Jeder könne etwas beitragen. „Handwerksbetriebe zu engagieren können wir uns nicht leisten“, gesteht er ganz offen. Die Adventskalenderspende der Volksbank von 1000 Euro hätte natürlich gut getan und alle sehr gefreut.

Wände wurden herausgenommen, andere hochgemauert. Uli Immler aus Gründels, ein Freund von Neclet, hat im zukünftigen rituellen Waschbereich alte Leitungen freigelegt und legte fest, was noch brauchbar ist. Die Möglichkeiten im neuen Gemeindezentrum seien großartig. So wird es einen großen Gebetsraum für die Männer und einen kleineren für die Frauen geben, sowie für Kinder ein Raum zur Hausaufgabenbetreuung und zur religiösen Unterweisung am Wochenende durch den Imam. Es werden Räume für die rituelle Waschung und getrennte WCs für Männer und Frauen eingerichtet. Ein rollstuhlgerechtes Klo ist auch vorgesehen.

Küche, Clubraum mit Theke, Tischkicker und Billardtische – das Erdgeschoss des Wohnhauses bietet Platz genug. In der ersten Etage wird dann der Imam mit seiner Familie wohnen. Die in der Türkei bestellte komplette Möblierung einschließlich Gebetsteppich ist bereits eingetroffen und staubgesichert verwahrt. „Wir hoffen sehr, dass wir dann im Frühsommer ein großes Einweihungsfest feiern können“, meint Öskoc Neclet freudestrahlend.

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