Musiknacht Isny: „Vom Regen nie abhalten lassen“

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Jan Rieken

In mittlerweile 15 Städten organisiert Dirk Schuhmacher mit seiner Agentur „Dark Fairy Entertainment“ Musik- und Partynächte, in Isny inzwischen zum fünften Mal. In sechs Gastronomien, von Café über Pub und Kneipe bis Club, hat es am Samstag Livemusik unterschiedlichster Couleur gegeben. Selbst das miserable Wetter hielt die Besucher nicht davon abhalten, von einer Location in die nächste zu wechseln – oder sich durch den nächtlichen Regen zur Abschlussveranstaltung ins Kurhaus aufzumachen.

Für den Organisator aus Bad Wildbad ist die Musiknacht fest an einen eigenen Auftritt gekoppelt: Schuhmacher, selbst Musiker und Inhaber zweier Kneipen, ist seit Beginn seines Engagements in Isny auf das „Parkhausstüble“ abonniert – Isnys kleinste Kneipe mit den gleichzeitig besten Parkmöglichkeiten, wie es ein früherer Werbeslogan sinngemäß auf den Punkt gebracht hat. Für maximal 30 Gäste gibt es vor dem Haus immerhin mehr als 100 Parkplätze.

Dirk Solo“ hat zum fünften Mal unter Beweis gestellt, dass er nicht nur Dreh- und Angelpunkt der Musiknacht, sondern ein echter Geheimtipp ist. Der Dauerregen war für ihn kein Thema: „Die Isnyer haben sich noch nie vom schlechten Wetter abhalten lassen.“ Sprach’s, und machte sich an die Arbeit: Nicht etwa „Land unter“, sondern „Down Under“ von Men at Work bildete den Auftakt für einen vielgelobten Auftritt, bei dem das Publikum gleich von Anfang an voll dabei war.

In der Überruh entstanden

Dass gute Musik auch dann funktioniert, wenn Begeisterung und Spielwitz größer sind als die Bühnenerfahrung, haben „Canta Luigi“ mit internationalen Klängen im Eiscafé Soravia gezeigt. Das vierköpfige Ensemble um den Brasilianer Luiz Monzillo, das aus einer monatlichen Musiksession in der Überruh hervorgegangen ist, sorgte unter dem Motto „Songs zum Mitmachen“ mit einer Vielzahl an Musikstilen und Sprachen für südländisches Urlaubsfeeling – dankbar unterstützt von den Besuchern, die nur allzu gerne bereit waren, mit bunten Eiswaffeln und ebenso bunten Cocktails dem nasskalt-windigen Regenwetter mental zu entfliehen.

Eine ähnlich abwechslungsreiche Reiseroute in Richtung Rock, Pop und Folk – allerdings mit Kölsch statt spanisch – nahm das „Widmann Duo“ im Café Kurhaus am Park, nur anfangs mit einer eher kleinen „Reisegruppe“. An den Musikern lag es nicht, wovon sich im Laufe des Abends eine wachsende Zahl von Zuhörern gerne überzeugte. Die Musiker aus Fellbach fanden schließlich Gehör mit Songs von Rio Reiser, Bruce Springsteen und Queen oder gekonnt und gefühlvoll vorgetragenen Blues, Balladen und sogar Mundart von BAP.

Derweil ging es im Schwarzen Adler rockig zur Sache. „NeverHalfSix“ bewiesen, dass sie unter Covermusik mehr verstehen als möglichst originalgetreues Nachspielen. Mit völlig eigenen Interpretationen haben die Musiker bekanntes Liedgut mit dem Siegel „Classic Rock“ versehen und damit das volle Haus zum Kochen gebracht – unter anderem mit Versionen von Beatles-Songs.

Im Pub geht der Punk ab

In Pat Murphy’s Irish Pub lag es allein an der Lautstärke der „Raw King Rats“, dass die Location im Laufe des Abends nicht völlig überfüllt war. Mit Rock’n Roll und Rockabilly brachte das Trio den Saal im Obergeschoss zum Toben, unterstützt durch musikalische Anleihen aus Punk und Ska sowie später durch Sängerin Andrea „Anna“ Grötziger.

Die optische Bestnote mussten sich die Musiker aus dem Raum Immenstadt allerdings mit Katharina Gauder teilen: Mit floralen Elementen im Haar feierte die Tochter eines Spargel- und Erdbeerbauern in Begleitung einer gutgelaunten Entourage ihren Junggesellinnen-Abschied. Beim Spargelverteilen in der Fußgängerzone setzte sie mit einer gelungenen Mischung aus Fleurop-Botschafterin und Shakespeares „Puck“ dem tristen Wetter-Szenario den ultimativen Hauch vom „Sommernachtstraum“ entgegen.

Im absoluten Heimspiel-Modus haben „Erwin & the Tigers“ im Eberz die Weichen für eine ausgelassene Party bis in die frühen Morgenstunden gestellt. Bereits gleich zu Beginn hatte es das Publikum im Untergeschoss fast genauso kuschelig wie die fünf Musiker auf der Bühne. Auch im Kurhaus-Saal bei der Abschluss-Party hielt „DJ Shorty“ die Betriebstemperatur der überwiegend jüngeren Musiknächtler bis zum Morgengrauen erfolgreich am Siedepunkt.

Zwei Wirtshäuser mehr

Von den teilnehmenden Gastronomen hat Dirk Schuhmacher bereits am Tag danach ein positives Feedback erhalten: Sie hatten „durchweg volle Hütte“ und freuen sich seinen Angaben zufolge auf die nächste Auflage der Musiknacht. Der Organisator sieht Isny vom „allgemeinen Kneipensterben“ nicht betroffen. Im Gegenteil: Mit „Hirsch“ und „Barfüßer“ wirll er 2020 mindestens zwei Wirtshäuser mehr in der Altstadt bespielt. Und bei Petrus legt er sicher auch ein gutes Wort ein.

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