Möglichkeit zum Blutspenden an zwei Tagen in Isny

 Notarzt Wolfgang Dieing koordiniert für den DRK-Ortsverein Isny die Blutspendetermine.
Notarzt Wolfgang Dieing koordiniert für den DRK-Ortsverein Isny die Blutspendetermine. (Foto: Heinz Bucher)
Corinna Blum

Wenn am Donnerstag, 20. Januar, und Freitag, 21. Januar, im Kurhaus am Park die nächste Blutspendeaktion des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stattfindet, ist auch er wieder mit dabei: Wolfgang Dieing, Notarzt aus Isny und Vorsitzender des DRK-Ortsvereins. Mit der „Schwäbischen Zeitung“ hat er darüber gesprochen, wie die Covid-19-Pandemie die Blutspendeaktionen beeinflusst hat und was „Blutkonservenknappheit“ eigentlich bedeutet.

Wolfgang Dieing, es heißt, Blutkonserven sind derzeit sehr knapp. Woran liegt diese Knappheit? Spielt die Covid-19-Pandemie dabei eine Rolle?

Der Begriff „Knappheit“ ist ein bisschen irreführend. Gespendetes Blut sollte möglichst tagesaktuell dem Empfänger zugeführt werden. Das bedeutet, alles, was bei einer Blutspendeaktion an Blut gespendet wird, wird auch in derselben Woche noch benötigt und genutzt. Und das wiederum ist der Grund, weshalb die Lagerräume praktisch immer leer sind – weil Blutkonserven gar nicht mehr groß gelagert werden. Zu Corona: Wegen der Pandemie wurden 2020 in den Krankenhäusern viele OPs und Behandlungen verschoben oder ganz abgesagt, um die Coronapatienten versorgen zu können. In der Folge war der Bedarf an Blut sogar geringer als vor der Pandemie.

Konkret zu Isny: Hat sich Corona auf die Blutspendeaktionen dort ausgewirkt? Sind weniger Menschen zum Spenden gekommen als bisher?

Nein. Tatsächlich haben 2020 und 2021 sogar mehr Leute Blut gespendet als 2019 (siehe Kasten; Anm. d. Red.).

Woran liegt das?

Mit der Pandemie musste man die Blutspendeaktionen komplett neu aufstellen. Für die Aktion im April 2020 wurde in Isny zum Beispiel ein Blutspendezentrum eingerichtet, das einen viel größeren Einzugsbereich hatte als bisherige Blutspendeaktionen. So haben pro Tag rund 140 Leute Blut gespendet, und das vier Tage hintereinander. Und vielleicht spielt es auch mit rein, dass alles mittlerweile über Terminreservierungen läuft. So hat jeder seinen ganz persönlichen Spendetermin, die Leute müssen nicht mehr so lange warten bei der Blutspende, alles wird ein bisschen entzerrt, besser verteilt, das ist für alle angenehmer.

Die Online-Terminreservierung wird also gut angenommen?

Ja. Und für die Organisatoren ist sie sehr praktisch. Wenn man weiß, wie viele Spender kommen, kann man viel besser kalkulieren, wie viele Helfer benötigt werden, wie viel Essen man braucht, wie viele Liegen. Früher war es viel schwieriger, das alles zu steuern. Auch die Blutspendezentrale kann von den einzelnen Terminen sehr genau abschätzen, wie viel Blut bei ihr ankommt. Die Terminreservierung ist wirklich ein Segen.

Welche Altersgruppe kommt in Isny weiterhin am Beständigsten zum Blutspenden, trotz Pandemie?

So pauschal kann man das gar nicht sagen. Es gibt sehr treue Dauerspender, die seit Jahren und sogar Jahrzehnten alle Blutspendetermine ausnutzen. Aber die werden altersbedingt weniger. Toll wäre es, wenn sich junge Leute angesprochen fühlen, zur Blutspende zu kommen. Auch mit dem Hintergrund, dass die Spender ihre Blutgruppe kennenlernen – denn oft kennen sie die nicht. Dabei ist das gerade in Notfallsituationen wichtig. Es ist schon sinnvoll, wenn junge Menschen wenigstens ein, zwei Mal in ihrem Leben beim Blut spenden waren.

Was machen denn diejenigen, die zwar gerne Blut spenden möchten, aber vielleicht nicht so internetaffin sind und die auch keine Familie haben, die helfen kann?

Es gibt natürlich weiterhin die Service-Hotline vom DRK, über die sich die Spender jederzeit telefonisch einen Termin holen können.

Man kann die Leute ja nicht zum Blutspenden zwingen. Welche Anreize und Argumente gibt es, mit denen man bei Verwandten und Freunden vielleicht die Bereitschaft zum Blutspenden wecken könnte?

Ein Blutspender sollte aus persönlicher Überzeugung kommen. Blut zu spenden ist ein soziales Engagement und eine Hilfe für den Nächsten. Jeder sollte sich bewusst sein, dass er oder sie jederzeit selbst in die Not kommen könnte, ein Blutpräparat zu benötigen. Wünschen tut man das natürlich keinem, aber niemand ist davor sicher.

Vor der Pandemie haben wir geworben mit dem Spruch „Eine Stunde kann ein ganzes Leben retten“, weil für alles rund um die persönliche Blutspende eben ungefähr eine Stunde veranschlagt wurde. Seit Corona dauert es dank der Terminreservierung 30 bis 40 Minuten, bis man mit der Blutspende durch ist. Das ist auf jeden Fall ein Anreiz.

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