Mit Zufriedenheit ist das Leben schon gewonnen

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 Peter Clement übergibt der Jubilarin die Grüße von Bürgermeister Rainer Magenreuter und Ministerpräsident Winfried Kretschmann.
Peter Clement übergibt der Jubilarin die Grüße von Bürgermeister Rainer Magenreuter und Ministerpräsident Winfried Kretschmann. (Foto: Walter Schmid)
Schwäbische Zeitung
Walter Schmid

Im kleinen Kreis hat Elisabeth Seriot gesund und munter am 27. April ihren 90. Ehrentag gefeiert. Der Wohnzimmertisch ist noch gut gefüllt mit Grußkarten und Blumensträußen. Aber leider seien viele der Allernächsten schon gestorben und dann müsse man halt zufrieden sein mit denen, die noch da sind und mit dem, was noch geht und was man noch selbst erledigen könne. Der Lebensradius werde halt Jahr für Jahr ein bisschen kleiner. Realistisch betrachtet ist bei der Jubilarin aber noch sehr viel möglich. Allein kann sie ihre Einkäufe tätigen, Kochen und ihre Wohnung in Ordnung halten. „Mit Zufriedenheit ist das Leben schon gewonnen“, sagt die Hochbetagte.

Peter Clement besuchte Frau Seriot gleich nach dem Wochenende und überbrachte die schriftlichen Glückwünsche mit Blumen von Bürgermeister Rainer Magenreuter und auch eine Urkunde mit dem Wunsch des Wohlergehens und der Bitte um den Segen Gottes, übermittelt durch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Elfriede, geborene Netzer – ein Isnyer Urgestein – ist am Annaplatz mit zwei weiteren Geschwistern aufgewachsen. Der Vater bei Springer, die Mutter bei Dethleffs, den damals größten Arbeitgebern in der Stadt. Der Bruder sei freiwillig zur Wehrmacht in die Marine gegangen. „Ein feiner Kerl wenn er in Uniform nach Hause kam.“ Aber er hätte so arg hochdeutsch geschwätzt, dass man ihn kaum mehr verstanden hätte. Sie selber hätte ihr Pflichtjahr in der Landwirtschaft auf einem Hof in Friesenhofen absolviert. Wenn aber Fliegerluftkämpfe angekündigt waren, sei sie schnell zu Fuß oder mit dem Rad nach Isny gefahren um nach der Mutter zu sehen.

Ein junger Schlosser, ein Schlesier, kam Ende der 40er Jahre aus der Gefangenschaft, konnte nicht zurück in seine Heimat, hat bei Schlagentweiths Arbeit gefunden und blieb deswegen hier in Isny. „Den hab ich 1955 geheiratet“, aber leider seien sie ohne Kinder geblieben, haben stattdessen bald ein Haus gebaut, gespart und abbezahlt. Sie selber hätte lebenslang in der „Heizmotorenfabrik“ gearbeitet, der Ehemann lebenslang bei Schlagentweith. Den eigenen Ehemann vor einigen Jahren auf den Friedhof bringen zu müssen, das sei halt das Schwerste in ihrem Leben gewesen. Sich an dem Kleinen und Wenigen noch freuen, so wie der Bürgermeister in seinem Gruß empfiehlt, das mache sie täglich. „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.“ Die kleinen wunderbaren Lebensbegleiter gibt es: drinnen ist es der Wellensittich, mit dem sich die Jubilarin unterhalten kann, draußen sind es viele liebe Nachbarn.

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