Meisterklasse von Neo Rauch aus Leipzig erkundet die Radierung

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Eine Vernissage in entspannter und unkomplizierter Atmosphäre. Hier die Gäste bei der Begrüßung. (Foto: Bernd Guido Weber)
Schwäbische Zeitung
Bernd Guido Weber

Die Radierung, also das Ritzen, Ätzen von Linien und Flächen auf eine Stahlplatte, ist eine alte Kunst. Erfunden, um Werke per Handabzug reproduzierbar zu machen. Dies ist heute nicht mehr nötig, auch deswegen hat die Radierung ein leicht angestaubtes Image. Der Leipziger Maler und Professor Neo Rauch ließ seine Meisterschüler ein halbes Jahr im „Atelier für Radierung Ondrej“ in Leipzig experimentieren, um neue Positionen im Tiefdruck zu erkunden. Die Ergebnisse sind in der Städtischen Galerie im Schloss Isny zu sehen. Bei der Vernissage am Samstag erläuterten die jungen Künstler ihre Arbeiten.

Wie kommen Meisterschüler aus Leipzig nach Isny, zudem Studenten von Neo Rauch, der in der internationalen Kunstwelt wegen seiner fantastischen neorealistischen Riesenbilder einen Ruf wie Donnerhall genießt? Karin Hoser, Leiterin des Kulturamtes Isny, hat aus ihrer Zeit in Leipzig noch gute Kontakte. Auch in die Spinnerei, einem riesigen Kreativ- und Kunstareal. Dort werken neben Neo Rauch, dem Begründer der „Neuen Leipziger Schule“ Hunderte anderer Künstler, auch die Grafikedition von Maria und Vlado Ondrej ist dort zu Hause.

Eine Ausstellung großformatiger Bilder in Isny scheiterte an den hier zu engen Räumlichkeiten. So holte Karin Hoser die 16 Radierungen der Meisterklasse ins Allgäu. Werke in diversen Stilen, in unterschiedlicher Qualität. Wobei die Meisterschüler unisono feststellen: Die Radierung erfordert einen ungemeinen Aufwand, oft 15 bis 20 Arbeitsstufen. In der Zeit, in der eine Platte entsteht, wären drei Bilder entstanden.

Die Radierung habe aber zurück zum Zeichnen gebracht, zur genauen Vorstellung vom Malen. „Über die Reduktion kommt man anders auf den Punkt“.

Die Vernissage in der Galerie im Schloss – dort, wo früher Friedrichs Hechelmanns Skulpturenausstellung war – ist erfreulich entspannt und unkompliziert. Hiesige Künstler sind gekommen, und zahlreiche Interessierte. Bernhard Klein aus Kißlegg „bespielt“ zusammen mit dem kleinen Marek, Sohn von Maria und Vlado Ondrej, den Raum mit Kinderinstrumenten, später greift er auch zur Tuba. Karin Hoser begrüßt, stellt die Künstler vor.

Dann sprechen die Meisterschüler über ihre Arbeiten, berichten von den technischen Herausforderungen, auch von der intensiven Zusammenarbeit mit Neo Rauch.

Rauch ist seit 2005 Professor in Leipzig, leitet aber seit diesem Jahr keine Fachklasse mehr. Als Honorarprofessor betreut er seine Meisterschüler jedoch weiterhin. Und der Projekttitel „Die Schwarze Zunge“? Stammt von Neo Rauch.

Druckerschwärze ergreift Besitz

In seinem Vorwort schreibt er, dass die Druckerschwärze in sehr seltenen Fällen völlig Besitz von Körper und Seele des Zunftgenossen ergreife. „Nur seine schwarze Zunge legt nach außen hin Zeugnis ab von seiner inneren Verdunklung“. Doch keine Bange, düster-schwarz sind nur wenige der Drucke. Und Vlado Ondrej merkt an, er sehe in den schwarz-weißen Werken Farbtöne.

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