„Manchmal muss man halt tollkühn sein“

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Die Teilnehmer am Science Slam bei der nta (von links): Thomas Bissinger, Andy Blessing, Gewinner Matthias Mader, Theresa Lang u
Die Teilnehmer am Science Slam bei der nta (von links): Thomas Bissinger, Andy Blessing, Gewinner Matthias Mader, Theresa Lang und Ulrike Neumann. (Foto: Jeanette Löschberger)
Jeanette Löschberger

Wenn die jungen Forscher, Wissenschaftler und Absolventen beim Science Slam Bodensee-Oberschwaben so richtig loslegen, bleibt kein Auge trocken. Und, um eine Allgäuer Weisheit zu zitieren: „ Man kommt nie dümmer heim, als man fort ist“. Die Themen des Abends kamen aus den Bereichen Physik, Biologie, Medizin und Wirtschaftsinformatik.

Dabei sind alle Hilfsmittel erlaubt, ob Bildpräsentation, Live- Experimente oder Requisiten. Wer das Publikum überzeugt, gewinnt den Slam – ein in einen Glasblock gelasertes Gehirn und ein Abonnement des Sponsors „Geo“. Angezeigt wurde die Bewertung von zehn, mit Bewertungstafeln ausgestatteten, Zuschauern. Und das war an diesem Donnerstagabend zahlreich erschienen, darunter auch viele junge Menschen.

Rund 200 Zuhörer

Rund 200 wissbegierige Menschen im großen Hörsaal der nta Isny, wollten beispielsweise wissen, wie Matthias Mader, gestandener Bayer, es schaffen möchte, Insekten mit Hilfe von Licht zu belauschen. Diesen äußerst gelungenen und lehrreichen Vortrag, „gespickt mit Konjunktiven“, denn bisher hatte der Forscher noch kein Glück, quittierte das Auditorium mit sagenhaften 97 von 100 Punkten bei der EQ-Note (Unterhaltsamkeit des Vortrags). Zusammen mit der Informationsvermittlung (IQ-Wert: 84 Punkte) erreichte er die höchste Punktzahl an diesem Abend. Nahe am Leben war schon Maders Einführung in das Thema: „Wenn i an Zwetschgendatschi iss, is glei a Weps do. Und dann kommen mehra. Woher wissen die, dass der Datschi guat is?“. Im Laufe der Erklärung erfuhr das Publikum, wie ein Laser und die Raman-Spektroskopie funktioniert. Allerdings hatte Mader mit dem Bau seiner Apparatur noch keine Erfolge, er werde aber am „Montag wieder erhobenen Hauptes ins Labor gehen“, verspricht er guten Mutes. Denn: „Manchmal muss man auch tollkühn sein“.

In nur zehn Minuten mussten auch die weiteren Aspiranten auf den Preis ihr aktuelles Forschungsprojekt möglichst unterhaltsam und informativ rüber bringen. Der Wissensdurst des Publikums war groß. Dadurch fielen die Überleitungen der Moderatorin, Vera Engelbart, medienpädagogische Referentin, manchmal etwas langatmig aus.

„Machen Algen schlank?“

Die Gewinnerin des letzten Jahres, Ulrike Neumann, hatte sich in ihrem Forschungsprojekt den „Ernährungswissenschaftlern zum Fraß vorgeworfen“. „Machen Algen schlank?“, war eine der Fragen, die sie sich zu Beginn der Untersuchungen stellte. „Man bekommt nicht immer das Ergebnis, das man sich wünscht“, gab sie zu, denn bei ihren ersten Versuchen wurde eine ganze Reihe ehemals schlanker Mäuse zu dicken Mäusen. Erst nach weiteren Testreihen, kam sie zu der Einsicht: „viel Algen machen auch dick“. Die Westernstyle-Diät, die vor allem aus viel Fett, Salz und Zucker besteht, macht uns krank. Algenpräparate in der richtigen Dosierung können immerhin helfen wieder gesünder zu werden. Auf Nachfrage aus dem Publikum, wie denn Algen schmecken, gab sie zu: „ungefähr so, wie Aquarium riecht“. Mit einer Punktverteilung 85/85 erreichte sie den zweiten Platz.

Dem harten Losglück nach, musste Quantenphysiker Thomas Bissinger den Abend eröffnen. Sein Thema: Zufälle bei aktiver Materie. Mit reichlich einführendem Bild- und Videomaterial zeigte er, dass Kanarienvögel meist nach rechts ausweichen, wenn sie aufeinander zufliegen. Aus dieser Erkenntnis reduzierte er den Vogel auf einen Pfeil, der in den folgenden Erklärungen möglichst schadlos mit anderen Materieteilchen in der Masse interagieren soll. Viele Fragezeichen bei den Zuhörern am Ende, aber ein unterhaltsamer Vortrag bescherten ihm 78 und 90 Punkte.

Der Neuropsychologe Andy Blessing beschäftigt sich beruflich mit der Hirnleistung. Dass diese bei Demenzkranken nachlässt, aber oft doch nicht ganz gelöscht ist, erklärte er anhand einer Bilderserie mit hohem Unterhaltungsfaktor. Zu großen Teilen sprachen die Bilder wahrscheinlich eher die Männer an. Schnelle Autos, leicht bekleidete Frauen und zugegebenermaßen auch ein Foto, dass nur zum Entertainment und nicht der Sache diente. Immerhin mit 77 und 80 Punkten, anerkannten die Zuhörer seinen Vortrag.

Selbsttest „Bierkonsum“

Das Schlusslicht, sowohl bei der Punktzahl als auch in der Reihe der Vorträge, war die Wirtschaftsinformatikerin Theresa Lang. Sie forschte im Rahmen ihrer Bachelorarbeit über die „Verhältnismäßigkeit“. An diesem Abend versuchte sie dem Publikum die Begrifflichkeit am Beispiel eines Selbsttest „Bierkonsum“ näher zu bringen.

Der Gewinner des Abends, Matthias Mader gab nach Überreichung des Glasblocks gleich eine Zugabe seines Wissens und erklärte, wie das „Gehirn“ in das Glas gelasert wird. Ein paar Striche an der Tafel und die Zuhörer konnten die Technik der „2-Photonen-Polymerisation“ mit auf den Nachhauseweg nehmen.

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