Lucy Müller – Ausbildungsberaterin und Lebensretterin

Lesedauer: 6 Min

Im November 2019 hat Rüdiger Walzer eine weitere, neue und wichtige Etappe vermeldet: Ab sofort kann sein Verein „Wir helfen sehen“ in Uganda auch die vor Ort so wichtige Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen: „Wir ermöglichen zwei jungen Leuten aus einem Slum in Kampala, eine Augenoptikerausbildung zu absolvieren.“

Die Organisation „Entwicklungshilfe deutscher Augenoptiker“ hat nahe der Stadt Masaka ein Ausbildungszentrum gegründet. Dessen Absolventen sollen nach einer neunmonatigen Ausbildung unter deutscher Leitung in der Lage sein, „ein eigenes Optik-Business umzutreiben und dadurch ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten – und natürlich sollen sie später die Menschen in den Slums von Kampala und Jinja mit Brillen versorgen“, skizziert Walzer die Perspektiven für seinen Verein.

Optiker-Ausbildung für zwei Slumbewohner

Mit auf den Weg gebracht hat die Kooperation Lucy Müller, Studentin an der Fachhochschule für Augenoptik in Aalen. Die aus Winnenden stammende 26-jährige Optiker-Gesellin, die in Waiblingen gelernt hat, absolvierte seit dem 3. September ihr Praxissemester für „Wir helfen sehen“ in Uganda. „Vom Casting der Bewerber Brenda und Simon über deren Ausstattung mit Schulutensilien bis zur Reise nach Masaka hat Lucy alles vor Ort gemanagt“, berichtet Walzer. Er hofft, dass die beiden jungen Ugander in rund einem Jahr so weit sind, „dass sie für unseren Verein Brillen für die armen Menschen aus den Slums herstellen, sich damit selbst eine Lebensgrundlage schaffen, zur Wertschöpfungskette vor Ort beitragen und anderen Menschen helfen, gut zu sehen“.

Bevor Brenda und Simon ihre Ausbildung begannen, hatte sich Lucy Müller im November ein Bild von der Schule in Masaka gemacht, berichtet Walzer: „Sie konnte nur Gutes berichten. Wir stehen in engem Kontakt mit den deutschen Lehrern an der Optikerschule und verfolgen ständig die Entwicklung unserer Azubis. Sie werden sehr gelobt, und Brenda soll später sogar noch eine pädagogische Ausbildung erhalten und dann vielleicht auch als Lehrerin an der Schule fungieren. Natürlich unterstützen wir die Ausbildung auch finanziell.“ Insgesamt sei er „sehr zuversichtlich, dass sich aus diesem Projekt etwas Nachhaltiges entwickeln wird und wir noch vielen jungen Menschen in Uganda eine Ausbildung als Optiker ermöglichen werden“, fasst Rüdiger Walzer zusammen.

Wohlbehalten zurückgekehrt nach drei Monaten

Lucy Müller ist am 3. Dezember wohlbehalten von ihrem dreimonatigen Engagement in Afrika zurückgekehrt, während dem die Fachhochschülerin auch alle bisherigen Aktivitäten von „Wir helfen sehen“ vor Ort weiter voranbrachte: „Gemeinsam mit den Projektmanagern unserer Partner-Organisation ,22 Stars’ hat sie jede Menge geleistet“, lobt Walzer im Weihnachtsbrief an die Unterstützer seines Vereins.

An mehreren Schulen habe Müller bei Hunderten von Kindern die Sehfähigkeit getestet, Messungen durchgeführt und – wenn notwendig – Brillen angepasst. Kinder, bei denen sich Auffälligkeiten zeigten, begleitete sie zum Augenarzt oder in eine Augenklinik. Und außerdem habe Müller „vielen älteren Menschen in den Slums von Kampala und Jinja mit Lese- und Sonnenbrillen geholfen“.

Entzündung durch Heilkräuter: Auge verloren

Gar lebensbedrohlich war der Fall einer jungen Frau, die in einem Steinbruch durch einen Splitter schwer am Auge verletzt worden war: „Sie hatte kein Geld für einen Arzt und ist zu einem ,Witch-Doctor’ gegangen, der ihr vermeintliche Heilkräuter aufs Auge gelegt hat – es hat sich entzündet, erst fünf Tage später kam sie zu uns, das Auge war nicht mehr zu retten und musste operativ entfernt werden, sonst wäre die junge Frau gestorben“, berichtet Lucy Müller im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“.

Sie begleitete die Patientin, die mittlerweile ein Glasauge hat, während der gesamten medizinischen Versorgung. „Die Operation und das Glasauge wären für sie unbezahlbar gewesen, unser Verein hat den Großteil der Kosten übernommen“, ergänzt Rüdiger Walzer. Am betreffenden Steinbruch mahne inzwischen ein großes Plakat die Arbeiter, unbedingt die von „Wir helfen sehen“ ausgeteilten Schutzbrillen zu tragen. „Lucy Müller hat mit Tatkraft und Leidenschaft Hervorragendes geleistet“, lobt der Isnyer Optiker seine studentische Unterstützerin – zumal die sich bereit erklärt habe, auch das Ausbildungsprojekt mit Brenda und Simon weiter zu begleiten.

Meist gelesen in der Umgebung

Mehr zum Thema

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen