Lebt der Mensch so weiter, ist die Erde am Ende

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Walter Schmid

Zum 29. Mal hatte Buchhändlerin Diemut Mayer an sieben Tagen vor Allerheiligen im Isnyer Kurhaus ihr Bücherparadies ausgebreitet. „Eine Heidenarbeit – aber es lohnt sich, damit die Leute wenigstens ein Mal im Jahr mitkriegen, welche Schätze in meinem Laden stecken, anzusehen und auch zu kaufen sind“, blickt sie mit einem Augenzwinkern zurück. Ein Höhepunkt 2019 war dabei die gut besuchte Lesung der Isnyer Autorin Dagmar Eger-Offel. Sie präsentierte ihr neues, zweites Buch: „Gibt es eine Moral für die Zukunft?“

Brigitte Blaschko, wie Eger-Offel Mitglied im Verein „Literatur im Fenster“, stellte den Zuhörern eingangs die Autorin vor – Studium der Literaturwissenschaften, Studium Bildung und Medien, Dozentin an der Frauenakademie Ulm in den Fachbereichen Literatur und Philosophie – und fasste in wenigen Sätzen den Inhalt der Neuerscheinung zusammen: „Wir müssen von der durch Generationen verinnerlichten Grundhaltung ’Wettbewerb und Eigennutz’ hin zu einer Haltung ’Kooperation und Gemeinwohl’ finden“, die alte Wachstumsphilosophie tauge nicht für die Zukunft. Eine Fürsorge-Logik müsse ins Zentrum menschlichen Denkens rücken.

„Die Fridays-for-Future-Bewegung hat uns wachgerüttelt“, war dann Eger-Offels erste gelesene Zeile. „Wenn unsere Kinder streiken, wenn sie nicht mehr in die Schule gehen, die sie vorbereiten soll auf eine Zukunft, die wir uns für sie ausgedacht haben – sollten wir diesen Entwurf für ihre Zukunft nicht noch einmal überdenken?“ Ein Paradigmenwechsel sei gefordert, von den jungen Menschen auf der Straße eingeklagt, von der Politik mit Bauchweh eingeräumt, von der Wirtschaft nach den Gesetzen des Marktes beiseite geschoben. Der Fokus müsse auf Mitmenschlichkeit, Recht und Gerechtigkeit, Natur und Umwelt gerichtet werden.

Der Aufbau des Buches orientiert sich an der Entwicklung eines gesellschaftstheoretischen Bewertungsinstrumentes auf der Basis der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte einschließt, ebenso wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Die Welt werde von einem anthropozentrischen Standpunkt aus betrachtet, das heißt: Der Mensch stehe so sehr im Mittelpunkt seiner Umwelt, dass er die Dienstbarkeit zum Beispiel der Ressourcen als voll umfänglich verfügbar betrachte. „Gäbe es eine allgemeine Erklärung der Tierrechte, würden wir uns ganz schön umschauen. Gäbe es Rechte für den Planeten, wären wir plötzlich in der Defensive“, konstatierte die Buchautorin.

Den Schlussteil ihrer Lesung führte Eger-Offel im Gespräch mit den Zuhörern, wobei es um den Schlüsselbegriff der Verantwortung ging. In diesem liege der Anspruch auf Antworten, und diese wiederum würden auf den Dialog mit zukunftsrelevanten, wissenschaftlichen Erkenntnissen verweisen mit den politischen und wirtschaftlichen Institutionen und Handlungsträgern. Kurz: Es gehe um die Sorge um die Zukunft der Kinder und Kindeskinder heutiger Generationen. Wenn der Mensch so weiterlebe und wirtschafte wie bisher, sei das Budget aufgebraucht, die Welt am Ende.

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