Laut, fromm, emotional, wunderbar

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 Zu den Darbietungen von „Pop & Poesie... und zwischen den Zeilen Gott“ strömten mehr als 600 Besucher in die Kirche St. Maria.
Zu den Darbietungen von „Pop & Poesie... und zwischen den Zeilen Gott“ strömten mehr als 600 Besucher in die Kirche St. Maria. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Wenn alle Bänke der St.-Maria-Kirche besetzt sind, kann der Mesner die Besucherzahl gut abschätzen. Wenn jedoch auch in den Fluren kein Stehplatz mehr zu haben ist, dann wird’s schwierig. Womöglich waren es 600 Besucher. Die Veranstaltung „Pop & Poesie... und zwischen den Zeilen Gott“ bot Gottesdienst, aber eben ganz anders, und sprengte den traditionellen Rahmen total. Eindrückliche Bilder, emotionale Lichteffekte, ausgesuchte Lieder mit nachdenkenswerten Texten über Frieden und Krieg, Armut, Hunger, Wohlstand, Gottes bedrohte Schöpfung, Umweltzerstörung, Klimakrise, Krankheit, Sterben, Tod. Geboten wurde zudem Mitreißende Musik: laut, emotional, fromm, wunderbar.

„Wir muten euch heute Abend einiges zu. Steffi und wir alle hier vorne sind überzeugt davon, dass unsere Themen heute einfach dran sind“, meinte der evangelischen Pfarrer Stefan Ziegler in der katholischen Kirche gleich zu Beginn. Steffi, wer ist sie eigentlich? Stephanie Bauer ist eine leidenschaftliche Musikerin aus Eisenharz, die gleichgesinnte, talentierte Leute um sich schart. Instrumentalisten, Projektchor und jede Menge Tontechniker, um gemeinsam Musik zu machen, Menschen zu begeistern, zu berühren, Herzen aufzuschließen, zum Nachdenken anzuregen, den Blick auf das Leben und auf die Welt zu weiten. „Wir haben doch alles. Wir könnten doch endlich zufrieden, dankbar sein. Etwas weitergeben von dem was uns geschenkt ist. Wir könnten uns engagieren, Gutes tun. Aber bitte konkret“, so Bauer.

Oder Michael Jacksons Earth Song zur Zerstörung des Planeten. „What about us – was ist los mit uns“, sang er schon vor mehr als 20 Jahren. „Es scheint so, als würden wir Menschen nichts dazulernen“, beklagt Stefan Ziegler. „An was messen wir eigentlich Schöpfungsbewahrung? In Euro oder Dollars? In PS und Luxus? Oder doch besser in Leid oder Freude, in Hass oder Empathie, Liebe, Zuwendung?

Jochen Rimmele führte zu Liedern von Herbert Grönemeyer ein, der in Liedern den Tod seiner Frau verarbeitet. Oder Lieder von Eric Clapton über den Tod seines kleinen Sohnes. „Lieder mit tiefer Melancholie und Traurigkeit, aber auch großer Dankbarkeit. Weil sie wohl geahnt haben, dass es hinter der Tür Frieden ohne Tränen gibt.“ Und Rimmele zitierte das letzte Buch der Bibel, Offenbarung 21: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Denn das Erste ist vergangen. Sieh ich mache alles neu.“

Das Lied „Warum tanzen wir nicht“ der Band „Könige und Priester“ war wohl weniger eine Aufforderung zum Tanz, vielmehr, um sich bewusst zu machen, was letztendlich wichtig ist auf der Straße unseres Lebens. „Als ob Gott und den Nächsten zu lieben zwei verschiedene Dinge wären, die sich beliebig trennen lassen. Warum versteckt sich die Freude fast verschüchtert hinter Zäunen?“

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