Kurzfristig zu Willi Hehl nach Wilhelmshaven

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 Willi Hehl an der Gitarre und seine „Schlicktown Singers“ unterstützen bei ihrem Gastspiel in Isny 2013 Sänger Andy Ruepp (r.)
Willi Hehl an der Gitarre und seine „Schlicktown Singers“ unterstützen bei ihrem Gastspiel in Isny 2013 Sänger Andy Ruepp (r.) beim „Isny-Song“. (Foto: Archiv: Michael Panzram)

Wenn mehr als 25 kurzentschlossene Isnyer zusammenkommen, können sie Willi in Wilhelmshaven besuchen – zusammen mit der Stadtkapelle und Bürgermeister Rainer Magenreuter. Die statten vom 26. bis 29. September Willi Hehl einen „Gegenbesuch“ ab, nachdem dieser vor sechs Jahren mit seinem 2005 gegründeten Shanty-Chor „Schlicktown Singers“ einen gefeierten Auftritt im Allgäu hatte. Zuletzt dirigierte er 2018 „besuchsweise“ in seiner Geburtsstadt bei der Zunftfeier am Kinderfestmontag die Isnyer Stadtjugendkapelle, deren Mitbegründer und erster Dirigent er einst gewesen ist.

Ausgestattet mit seiner musikalischen Grundausbildung im Allgäu, hat Hehl in den vergangenen fünf Jahrzehnten die deutsche Küste „im Sturm“ erobert, der verstorbene erste Bürgermeister der Stadt Wilhelmshaven, Fregattenkapitän Fritz Langen, habe ihn einmal die „musikalische Allzweckwaffe der deutschen Marine“ genannt, führt Willi Hehl in seinem Lebenslauf an.

Weil eine andere Musikkapelle abgesagt habe, wurden kurzfristig Zimmer frei im Vier-Sterne-City-Hotel-Wilhelmshaven, schildert Hehl am Dienstag in einem Telefonat mit der „Schwäbischen Zeitung“. Konrad Schüle hat sich daraufhin bereit erklärt, mit seinem Busunternehmen „Schüle Reisen“ noch eine „Sonderfahrt“ zu organisieren. „Es wäre toll, wenn für die Isnyer Stadtkapelle noch ein Fan-Bus zustande käme“, versucht Hehl aus dem hohen Norden, Appetit auf den Spontan-Ausflug zu machen.

Auf dem Programm stehe ein Besuch bei der Marine in Wilhelmshaven, verspricht Hehl, außerdem feiere die Stadt am letzten Septemberwochenende ihr 150-jähriges Stadtjubiläum, und der Hafen ist Schauplatz des „Jade Saling Cups“ mit zahlreichen Großseglern. „Ein tolles Programm – und ich würde mich persönlich um die Allgäuer Gruppe kümmern“, bietet Hehl seine Dienste als „Fremdenführer“ an für den Fall, dass genügend Isnyer die Reise antreten.

Der gebürtige Isnyer lebt seit 51 Jahren in Wilhelmshaven. Nach seinen, wie er sagt, „ersten musikalischen Gehversuchen“ beim langjährigen Stadtkapellmeister Erwin Hug wurde Hehl mit der Gründung der Isnyer Stadtjugendkapelle deren erster Dirigent, bis er 1968 in die Bundesmarine eintrat. Im Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg und an der Musikhochschule in Köln wurde er von Emil Schamberger, damaliger Solo-Fagottisten des „Gürzenich-Orchesters“ der Stadt Köln, zum Fagottisten ausgebildet.

Hehl musizierte 25 Jahre im Marinemusikkorps Nordsee in Wilhelmshaven, leitete dort den Shanty-Chor der Marinekameradschaft, war Bandleader der „Atlantik-Showband“, ehrenamtlicher Ausbilder des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmshaven sowie des Mädchenspielmannszuges der Wache Bant.

1970 gründete er ein Blasorchester, das unter dem Namen „Willis Blasmusik“ bundesweit musizierte. Als Fagottist konzertierte Hehl in verschiedenen Kammermusik-Besetzungen. Fünf Jahre lang oblagen ihm Einsatzplanung und Koordination der Marinemusikkorps Nord- und Ostsee in Wilhelmshaven und Kiel.

Fagott und Trompete seien seine „große Liebe“ gewesen, schreibt er in seinem Lebenslauf weiter, bis er Brigitte Hasselmann und deren beide Kinder, Iris und Heinz-Dieter kennenlernte: 1979 heiratete Hehl die „junge, bildhübsche“, verwitwete Chefin des „Ostfriesischen Zoos“ in Leer/Logabirum, der im Norden weithin als Ausflugsziel bekannt war unter dem Namen „Onkel Heini“. Mit der Ehe übernahm er dort auch die Verantwortung für einheimische wie exotische Tiere – Löwen, Tiger, Schimpansen, Eisbären, Elefanten und andere mehr.

Am 1. Oktober 1998 wurde Hehl musikalischer Leiter des „Seemannschores der Marineversorgungsschule“ List auf Sylt, der später, nach 40-jährigem und über 200 Konzerten im In-und Ausland sowie einer Abschlusstournee quer durch die Bundesrepublik mit einhundert jungen Matrosen im Rahmen einer Umstrukturierung der deutschen Marine nach aufgelöst wurde. Vom damaligen Bundesminister der Verteidigung, Peter Struck persönlich, wurde Willi Hehl 2003 in den Ruhestand versetzt. Im November 2005 gründete er schließlich die „Schlicktown Singers“, den Shanty-Chor aus Wilhelmshaven, dessen Chorleiter und erster Vereinsvorsitzender er bis 2013 war, nur ein Gastauftritt war jener in Isny. Heute ist Hehl als DJ und Entertainer mit Oldies und Goldies unterwegs und organisiert „als heimliche Leidenschaft“ Benefiz-Veranstaltungen.

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