Kopfschütteln beim Politiker-Praktikum

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 Raimund Haser schwingt den Gummihammer beim Parkplatzbau.
Raimund Haser schwingt den Gummihammer beim Parkplatzbau. (Foto: Tobias Schumacher)

Als Politikerpraktikum war sein Besuch angekündigt. Und tatsächlich hat Raimund Haser, hiesiger Landtagsabgeordneter der CDU, für den Isnyer Garten- und Landschaftsbaubetrieb „Gebrüder Edelmann“ jüngst Randsteine gesetzt: Auf dem aktuell in Bau befindlichen Mitarbeiterparkplatz von „Jagdwaffen Blaser“ am Ziegelstadel schwang er den Gummihammer.

Gleichzeitig konnte er sich von der Investitionsfreudigkeit von Firmenchef Jörg Edelmann im niedrigen sechsstelligen Bereich überzeugen: Aus Colmar brachte ein Tieflader einen nagelneuen Liebherr-Bagger direkt auf die Baustelle.

Wie sich praktizierte Politik auswirken kann, das wiederum schilderte Edelmann – den Praktikumsspieß umdrehend – dem Parlamentarier: mitunter schulterzuckend, fast resignierend.

Weibliche Azubis ausgebremst

Beispiele: Im ehemaligen Isnyer Milchwerk, dem heutigen Gewerbehof, den Edelmann mit seinem Betrieb hauptsächlich als Mieter belegt, ist der Aufenthaltsraum für seine rund 40 Mitarbeiter zu klein. Weil es keine getrennten Toiletten gibt, kann er keine weiblichen Auszubildenden einstellen. Als Ersatz könnte direkt neben Edelmanns Büro ein leerstehender Lagerraum umgebaut werden. Der ist bislang nicht beheizbar: „Für 1500 Euro wäre das mit der alten Heizung möglich, laut neuer Energiesparverordnung müsste ich aber 30 000 Euro in eine neue Anlage investieren“, berichtete Edelmann kopfschüttelnd. Haser schüttelte mit.

Beim Rundgang über das Betriebsgelände: ein für den Unternehmer zweiter Verwaltungswidersinn, lokal- wie landespolitischer Natur. Edelmann hat Pläne, den Verkauf von Stauden und Pflanzen auszubauen. Er habe schon länger Interesse geäußert am Gelände der einstmaligen Gärtnerei Lehenberger zwischen L 318 und Dekan-Marquardt-Straße.

Rechtliche Bestimmungen rund um Außenbereich, die Art der gewerblichen Nutzung oder den Status der Firma Edelmann hätten eine mögliche Wiederbelebung des Areals bisher verhindert. Selbst Andreas Haupert, Referent vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau aus Esslingen, wusste keinen Rat. Er begleitete Raimund Haser nach Isny. Beiden blieb nichts als gut gemeinte Ratschläge. Und Kopfschütteln.

Letzteres folgte auch, als Edelmann über Projekte seiner Firma erzählte: So habe er der Stadt Ulm ein Konzept vorgelegt zur Bewässerung von mehr als 100 Stadtbäumen entlang einer Straße. Basis wäre ein Edelmann-Patent gewesen: Schläuche durchziehen unterirdisch Kunststoffkanäle, bringen das Wasser zu den Baumwurzeln.

Weil das rund 10 000 Euro teurer gewesen wäre als eine Lösung des städtischen Tiefbauamtes, sei er nicht zum Zug gekommen, erzählte Edelmann; mit der Folge, dass die Wurzeln nicht zu den Kanälen hin wachsen sondern zu den Randsteinen, weil zwischen ihnen das Wasser ins Erdreich dringt. Nun heben sich die Steine; und im trockenen Sommer 2018 hätten die Stadtgärtner von Baum zu Baum fahren müssen. Zum Gießen. Bei entsprechend hohen Personalkosten.

Hier könnte der Steuerzahler den Kopf schütteln, wie auch bei der staatlich geförderten Renaturierung von Moorflächen in Baden-Württemberg. Edelmann schilderte Haser „das Qualitätsmanagement“ als „Katastrophe“. Die Isnyer Firma hatte vergangenes Jahr im Wurzacher Ried Dämme gebaut, um Flächen wiederzuvernässen. Von ähnlichen Projekten wisse er, dass die Erfolgsquote „unter zehn Prozent liegt, auch wenn ich niemanden anschwärzen möchte“. Seine eigene bezifferte er auf „weit über 90 Prozent“, was die Dichtigkeit der Dämme betreffe.

Nur am Rande streifte Edelmann lokale „Baustellen“: Sein zweijähriges Bemühen und seine Vorschläge, in Isny am Oberen Graben die historischen Brückenbogen unter der Kemptener Straße wieder sichtbar zu machen, was unter anderem an statischen Anforderungen gescheitert sei: „Dabei hält die Brücke seit 400 Jahren“; und auch für die alte Stadtmauer zum Zwinger sei eine Statik gefordert worden.

Dauerbrenner Regionalplan

Weitere Diskussionsfelder waren die Fortschreibung des Regionalplans, speziell der Kiesabbau, die vorgesehene Verknappung von Deponienflächen, die Trennung von Abraummaterial von Baustellen oder die Wiederverwertung von Abbruchmaterial.

Bei diesem Punkt konnte Haser wenigstens über eine Anfrage berichten, die er 2017 als Mitglied des Umweltausschuss im Landtag in Stuttgart ans Umweltministerium gestellt hatte zur – wörtlich – „Berücksichtigung der Verwendung von gütergeprüften Recycling-Baustoffen in Ausschreibungen der öffentlichen Hand“.

Wer die siebenseitige Antwort aus dem Haus von Minister Franz Untersteller (Grüne) durchliest, gelangt zur Einsicht: Politiker- oder auch Beamten-Praktika in der freien Wirtschaft wären öfter wünschenswert.

Raimund Haser, einst Unternehmer, hat das hinter sich. Nicht erst seit dem Besuch in Isny – wo die Edelmann-Mitarbeiter übrigens nicht den Kopf schüttelten, als Hasers Randsteine im Beton saßen.

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