Kernsanierung am Gasthof Hirsch beginnt

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Die Kernsanierung beim Hirsch steht unmittelbar bevor, kündigt das Investoren-Team an (v. l.): Felix Gölker, Johannes Stolz, Ra
Die Kernsanierung beim Hirsch steht unmittelbar bevor, kündigt das Investoren-Team an (v. l.): Felix Gölker, Johannes Stolz, Ralph Immler, Jürgen Albrecht, Alexander und Frank Kastl, Markus Metzler und Kambiz Khorram. Fotos: Jeanette Löschberger (Foto: Tobias Schumacher)
Schwäbische Zeitung

Die Investoren, die das frühere Hotel „Hirsch“ sanieren wollen, freuen sich über die Genehmigung ihrer Bauanfrage und den Start des Vorhabens. Einer der Knackpunkte war wie berichtet der Übergang von Marktplatz und Hofstatt zum Außenbereich der geplanten Bar im Untergeschoss. „Diese Fragen sind nun alle geklärt“, erklärten die seit Schulzeiten befreundeten Bauherren. Unter dem Motto „unser Isny, unser Hirsch, unser Stolz“ soll das Projekt in den nächsten Tagen starten. Die Schritte, die sie bis zur Eröffnung der Gastronomie Anfang 2019 planen, schildern Kambiz Khorram und Jürgen Albrecht im Interview mit SZ-Mitarbeiterin Jeanette Löschberger.

Die Hirsch-Terrasse ist legendär. Mit der Umgestaltung des Marktplatzes zum Mittelpunkt der Stadt soll sie an prominenter Stelle wiedererstehen.

Kambiz Khorram: Die Terrasse ist einer der Gründe, die uns veranlasst haben, in das Objekt als ein bürgergetriebenes Projekt nicht nur finanzielle Mittel sondern auch Zeit, Energie und Leidenschaft zu investieren. Die Absicht, von Isnyern für Isnyer etwas zurückzugeben, hat oberste Priorität. Nur zu gerne erinnern wir uns an unsere Jugend auf der Terrasse zurück. Einige von der Brauerei Stolz gebraute Köstlichkeiten konnten wir in der gemütlichen, lustigen und attraktiven Toplage Isnys genießen. Dieses Gefühl wieder zu erlangen, ist erklärtes Ziel, nachdem die gesamte Immobilie über Jahre in Substanz und Akzeptanz etwas ins Hintertreffen geraten war.

Das Haus hat ein geschichtsträchtiges Ambiente. Werden bauliche Elemente erhalten bleiben? Wird die Fassade verändert?

Jürgen Albrecht: Bezüglich der Fassade sind wir natürlich an die Vorgaben und Regeln des Denkmalamts und der Altstadtsatzung gebunden. Mit Architekt Felix Halder und seinem Team seines Büros „Planformat“ haben wir ebenfalls dem Isnyer Gedanken Rechnung getragen und ihm die künstlerische Hoheit zur Außengestaltung gegeben. Da wir im Freundeskreis mit dem Hirsch eine Kernsanierung anstelle eines Neubaus beschlossen haben, werden wir ein energieeffizientes, den statischen und brandschutztechnischen Richtlinien entsprechendes Konzept umsetzen. Lediglich kleine Teile im Hauptgebäude sowie der Terrassenanbau, und somit die Bar im Untergeschoss, werden als Neubau ausgebildet. Unser Ziel ist es, in Bar und Restaurant ein Ambiente schaffen, das Generationen übergreifend Anklang findet und den Hirsch zu alter Größe führt: ein Magnet inmitten der Stadt, für Gäste und Bürger jeglichen Alters gut zu Fuß und sogar per Rollstuhl erreichbar.

Die Baustelle in der Südlichen Altstadt hat große Probleme wegen des Wassers. Wie sieht es beim Hirsch aus? Ist noch alles trocken?

Kambiz Khorram: Im Moment ist alles trocken. Sofern wir mit der Tiefgaragen-Grundwasser-Verdrängung ein Problem bekommen sollten, werden wir im Untergeschoss eine „Pool Bar“ einrichten und für junge Gäste Schwimmflügel am Eingang austeilen. Spaß beiseite: Wir gehen davon aus, dass die Stadt planerisch dafür Sorge trägt, dass in unmittelbarer Nachbarschaft die Bestands- und Neuimmobilien nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier geht es nicht nur um uns als Hirsch, sondern um alle Eigentümer in der Südlichen Altstadt.

Der Hirsch war zuletzt eine gut bürgerliche Gaststätte. Inwieweit können Sie zur „Wirte-Frage“ schon etwas sagen?

Kambiz Khorram: Wir sind in Gesprächen mit mehreren Interessenten, die unserem Gremium ihre Konzepte vorgestellt haben. Unsere Vorgaben zielen in Richtung „frisch, regional, modern, Allgäu“. Alle Vorschläge, die wir erhaltenen haben, gehen in diese Richtung, und eine Entscheidung wird nun zeitnah herbeigeführt.

Jürgen Albrecht: Der zukünftige Pächter von Gastronomie im Erdgeschoss und Bar im Untergeschoss wird im Sinne des Konzepts früh in die Umsetzung der Sanierungs- und Neubauarbeiten eingebunden. Es muss Spaß machen – für Pächter und Verpächter – langfristig. Das ist unsere Devise.

Wie soll das Konzept für die Gastronomie aussehen?

Jürgen Albrecht: An erster Stelle soll Qualität stehen. Außerdem ist uns ist wichtig, dass im Restaurant Regionalität dominiert. Darüber hinausgehende Vorgaben möchten wir einem künftigen Pächter nicht machen. Wir sind für alles Interessante und Innovative offen. Des Weiteren möchten wir im Zuge der Gastraumgestaltung eine Möglichkeit bieten, Versammlungen oder größere Gesellschaften abhalten zu können – zurzeit aus unserer Sicht ein Defizit in der Isnyer Innenstadt.

Kambiz Khorram: Die Bar, Lounge, das Café im Untergeschoss soll konzeptionell so gestaltet werden, dass auch hier Qualität in Bezug auf Getränke und Speisenauswahl im Vordergrund steht. Wir wollen mit unserem Pächter Gäste und Bürger ansprechen, die sich mit dem derzeitigen Angebot nicht angesprochen fühlen und/oder gegebenenfalls eine Ausweichmöglichkeit zum derzeitig gut genutzten Angebot suchen. Aufgrund der exponierten Lage sehen wir hier einen Pächter, der mit kontinuierlich wechselnden Aktionen und Events das Interesse von Gästen dauerhaft sicherstellt. Wir versprechen uns, ein Zugpferd zur Belebung des Marktplatzes zu sein.

Kernstück des Gebäudes wird die Gastronomie im Erdgeschoss und die Bar im Untergeschoss. Was ist in den oberen Stockwerken untergebracht? Haben Sie schon an Wohnraum gedacht? Oder Gästezimmer?

Kambiz Khorram: Wir haben uns ernsthaft und lange mit dem Konzept in den Obergeschossen beschäftigt. Für Gästezimmer sehen wir das Objekt für einen Pächter als nicht tragfähig. Lediglich circa 15 Zimmer stünden nach Sanierung und Umgestaltung mit Aufzug, Treppenhaus, behindertengerechten WCs und weiterem zur Verfügung. Zu wenig, um wirtschaftlich einen Hotelbetrieb sicherzustellen. Dies wurde uns von allen Interessenten bestätigt.

Jürgen Albrecht: Mit dem Bettenhaus vom „Bären“ und der Umsetzung des „Barfüßer“-Konzepts stehen unseres Erachtens Gästezimmer in ausreichender Menge in der Stadtmitte zur Verfügung. Wohnungen stehen derzeit ebenfalls nicht zur Diskussion. Unser Gesamtkonzept sieht eine rein gewerbliche Nutzung der Immobilie vor. Es werden also im ersten und im zweiten Stockwerk nach den neuesten energetischen und technischen Vorgaben umgesetzte Büroräumlichkeiten generiert, die als Ganzes oder in Teilen zu mieten sein werden. Vorausschauend sind alle derzeitigen Büros planerisch so umgesetzt, dass auch einer Umnutzung in zehn bis zwanzig Jahren nichts im Wege stehen würde. Langfristig sind wir also flexibel.

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