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Die Besucher der Andacht am Ostermorgen auf dem Friedhof mussten auch dieses Jahr wieder in der Aussegnungshalle feiern.
Die Besucher der Andacht am Ostermorgen auf dem Friedhof mussten auch dieses Jahr wieder in der Aussegnungshalle feiern. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Seit Jahren laden die Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in ökumenischer Gastfreundschaft am frühen Ostermorgen zu einer Andacht auf den Friedhof ein. Vor allem Familien, die in der vergangenen Zeit einen lieben Menschen zu Grabe tragen mussten, sind dabei. Wetterbedingt ist es manchmal eine kleine österliche Gemeinde. Auch dieses Jahr trieb das miserable Aprilwetter die Gläubigen in die Aussegnungshalle hinein.

Wenn Trauernde am Ostermorgen auf den Friedhof kommen, dann suchen sie zumindest eine tröstliche Nachricht für ihre Toten und auch für sich selber. Der übliche Wunsch „fröhliche Ostern“ ist dann zu wenig und auch der Osterhase ersetzt nicht die Botschaft von einer Auferstehung. Den Karfreitag zu akzeptieren fällt nicht schwer, sagte Pfarrer Ziegler in seiner Ansprache, hätten doch die meisten Menschen auch ihr kleines oder großes Kreuz, ihren Schmerz zu tragen. Schwieriger sei es die Osterbotschaft von einer Auferstehung für sich anzunehmen. Alle, die sich damit schwer tun, seien in guter Gesellschaft mit den Jüngern damals und auch mit den Frauen, die Jesus vergeblich im Grab suchten, nur ein leeres Grab vorfanden.

„Gibt es denn eine Hoffnung für die Verstorbenen?“ so fragt der Pfarrer in seiner Andacht. Man schreibe doch gerne Nachbarn oder Verwandten bei einem Todesfall einen Kondolenzbrief mit schwarzer Umrandung. So einen fürsorglichen Kondolenzbrief schreibt auch der Apostel im Evangelium: „Wir wollen Euch nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen die keine Hoffnung haben.“ Der Apostel wolle damit Hoffnung schenken. In wenigen Sätzen verbinde er Menschenschicksale über die Jahrtausende mit dem Schicksal Jesu. Doch das könne im Kopf nicht jeder nachvollziehen. Für ihn sei es jedoch der Prüfstein seiner Theologie und seines Glaubens gewesen. Dieser „Kondolenzbrief“ nehme Menschen in ihrer Trauer und mit ihren vielen „Kreuzen“ die sie auch zu tragen haben, ernst. Es dauere etwas, bis sich in traurigen Menschen Freude ausbreitet. Aber das sei eben auch wahr: „der Ostermorgen nimmt Menschen tröstend in den Arm – auch heute unter uns.

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