Kater nach der Erweckung aus dem Dornröschenschlaf

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Rudi Holzberger (r.) beim Sichten der alten Gästebücher im Adler.
Rudi Holzberger (r.) beim Sichten der alten Gästebücher im Adler. (Foto: Ernst Fesseler)

Hubert Baumeister, seit 2015 Besitzer des historischen Gasthofs „Adler“ in Großholzleute, hat gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ auf die Kündigung des Pächters Peter Strauß reagiert. Er sei einerseits „froh“, dass die Geschäftsbeziehung ende, die seit 1. März 2017 bestanden habe, „jetzt kann’s besser werden“. Andererseits wolle er sich bei Strauß und dessen Frau Theresia „bedanken, dass die Gastronomie vom ersten Tag an lief – zwar nicht alles perfekt, aber der Adler war geöffnet, es gab eine gute Küche, das Ehepaar Strauß hat den Adler wieder hochgebracht“, formulierte Baumeister gegenüber der SZ.

Nun sei ihm „vor allem wichtig, wie’s mit dem Adler weitergeht“. Sein Ziel sei „natürlich die Wiedereröffnung, dass die Erfolgsgeschichte weitergeht“. Dafür wolle er auch Geld in die Hand nehmen: „Wir haben vor, den Saal zu renovieren, der Bauantrag ist gestellt“, sagte Baumeister. Aber, er habe dort „ein Jahr verloren“, weil Strauß „länger als vereinbart Ware aus seiner früheren Gaststätte“ gelagert habe, obwohl der Saal vom Pachtvertrag ausgenommen gewesen sei. Strauß bemängelte: „Es regnet durchs Dach.“

Baumeister sagte, er führe langwierige Verhandlungen zum Saal betreffs Denkmal- und Brandschutz. Die beträfen außerdem den Außenbereich, den er herrichten wolle, auch die Fassade, für deren Instandsetzung er mit einer Malerin in Kontakt stehe. Außerdem sei der Wirtshaus-Ausleger „abgesackt“, an diesem habe „wohl ein Lkw das Posthorn abgefahren, das wollen wir restaurieren“, erklärte Baumeister.

Beide Parteien bestätigten, dass Probleme mit den Bewohnern im Obergeschoss mit ein Grund für die Kündigung war. „Die sind nicht miteinander klar gekommen“, sagte Baumeister über das Ehepaar Strauß und die Mitarbeiter eines Isnyer Betriebs, an die Zimmer vermietet sind. Deren Fahrzeuge hätten Parkplätze vor dem „Adler“ blockiert, monierte Strauß. Baumeister hofft „auf Zustimmung, dass wir hinterm Gebäude in Richtung Feuerwehrhaus einen Parkplatz einrichten dürfen, da sind wir dran“. Der Besitzer bestreitet indes, dass er Mängeln in der Küche und an der Heizung nicht abgeholfen habe. Eine Fachfirma habe „neue Zuleitungen fürs Wasser gelegt, das funktioniert einwandfrei“, und „die Heizung ist ganz neu installiert“ worden.

„Die ist zu schwach“, entgegnete Pächter Strauß, der laut Baumeister persönliche Gespräche über die Situation abgelehnt habe: „Ich soll mich an seinen Anwalt wenden“, gab Baumeister gegenüber der SZ den Wirt wieder. Er selbst habe dagegen „nie einen Anwalt gehabt“.

Generell liege ihm und seiner Frau „der Adler sehr am Herzen“, betonte Baumeister, „wir werden uns noch mehr drum kümmern und müssen in die Zukunft blicken“. Er räumte ein, dass es schwierig sei, „für eine Gastronomie auf dem Land einen Pächter zu finden“. Strauß’ Kündigung sei zwar ein Rückschlag, „aber das gehört zum Leben“, sagte Baumeister, „der Adler hat schon viele Höhen und Tiefen durchlaufen, wir werden das sicher hinkriegen“.

Große Hoffnungen setze er in Rudi Holzberger (siehe „Nachgefragt“ unten), dessen Zeitschrift „Landzunge“ und ein für Herbst geplantes Buch, das auch die Historie des Adlers thematisiert. Der Gasthof jedenfalls ist um eine Geschichte reicher, auf die Strauß lakonisch zurückblickte: „Alle haben mich gewarnt“, sagte der 80-Jährige der SZ zum Ende „seines“ Kapitels.

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