Karl Immlers Rücktritt als Gemeinderat

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Karl Immler
Karl Immler
Schwäbische Zeitung

Karl Immler ist nach dem Bürgerentscheid gegen das neue Stadttor als Gemeinderat von Isny zurückgetreten. Sein entsprechender Brief an Bürgermeister Rainer Magenreuter im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

ich habe etwa drei Jahre das Stadtratsmandat gerne ausgeführt. Da in der derzeitigen Besetzung des Stadtrates jeder sein Fachwissen eingebracht hat und nicht parteipolitisch der „Gegner“ niedergeknüppelt wurde, war dies eine fruchtbare Zeit für Isny. Ich konnte den Stadtrat davon überzeugen, dass es sinnvoller ist, sich vorab für einen Toparchitekten ein zu setzen und das vielleicht erhöhte Honorar aus den ersparten Kosten des Wettbewerbs zu finanzieren. Es gelang mir mit der Verwaltung und dem Gemeinderat, einen Nobelpreisträger der Architektur zu einem Engagement für Isny zu begeistern. Obwohl mir klar war, dass die Zusammenarbeit mit einem so renomierten Künstler nicht einfach sein wird, habe ich in der Gewissheit eines außerordentlichen Ergebnisses für diesen Weg gekämpft. Hierfür übernehme ich die volle Verantwortung.

Seit langem sind alle Fraktionskollegen für jeden Bürger über Telefon, Handy, Fax, E-Mail erreichbar gewesen. Die CDU hat auf der Homepage ein Diskussionsforum eingerichtet und einen Blogg. Die CDU hat öffentliche Veranstaltungen dem Bürger angeboten, damit er seine Meinung einbringen kann. In den Sitzungen des Gemeinderates mit diesem Thema waren nur wenige Zuhörer anwesend. Diese Verweigerung der Masse habe ich nicht verstanden. Dass hieraus nun sogar der Vorwurf kommt, dass der Gemeinderat intransparent sich verhalten habe, empfinde ich als unkorrekter Angriff.

Tausend Mal habe ich und der Gemeinderat erklärt, dass der Turm nicht über den Stadtsäckel finanziert wird. Wenn trotzdem von den Torgegnern weiterhin diese Ängste geschürt worden sind, heißt dies tausendfach: „Gemeinderat Du bis ein Lügner“. Dies muss ich mir nicht geben. Im alltäglichen Geschäftsleben würde ich spätestens nach der zweiten Lügenbehauptung die Verhandlungen abbrechen.

Ich war der Meinung, dass man mich für meine Kompetenz in allen Geldfragen gewählt hat. Warum man mir mit 72 Prozent diese nun abspricht, obwohl ich in den drei Jahren keinen ernsthaften Fehler „beichten“ muss, verstehe ich nicht. Auch in diesem Bereich gilt für mich Klasse vor Masse. Mir sind zehn Minuten Rat von Herrn Josef Ackermann lieber, als zehn Jahre Finanzberatung durch Rolf Schmid, Frau Leeb oder Herr Steiner. Wenn die Mehrheit der Isnyer Bürger dies anders sieht, dann kann man trotzdem von mir nicht erwarten, dass ich für das Ergebnis den Kopf hinhalte. Auf der Suche nach Sponsoren bin ich zu den größten Privatbankiers und bis zum Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gefahren. Da dies der Sache nicht dienlich gewesen wäre, habe ich auch diese Aktion nicht auf dem Marktplatz verkündigt, zum Glück, da sich die Mäzene nun düpiert vorkommen würden. Sie würden ja bei einer Veröffentlichung ihrer Adressen einen Ansturm der Presse und der Bittsteller auf die „freigewordenen Gelder“ sich erwehren müssen.

Um die Stadt vor Schaden zu bewahren, habe ich die Kosten so weit wie möglich verifiziert. Ich habe eine vorläufige Statik auf meine Kosten machen lassen und damit konnte ich erkennen, dass die Kostenschätzung des Büros Zumthors im Bereich von +/- 5 Prozent war. Um das Kostenrisiko der Glasziegel ein zu grenzen war ich 2 mal 2 Tage auf meine Kosten unterwegs. Mit dem Ergebnis hieraus wären Überraschungen ausgeblieben.

Um die Isnyer Künstler voran zu bringen war ich bereit, dass seit Jahren leerstehende und zum Verkauf stehende Gebäude „Appretur“ auf Erbpacht zu erwerben, zu sanieren ohne städtisches Geld und verbilligte sechs Künstlern zur Verfügung zu stellen. Ich bin es leid, mir hierfür Mauscheleien von den Zumthorgegnern unterstellen zu lassen. Jemand, der wie Herr Steiner 20 Jahre im Stadtrat war, weiß, dass persönliche Angelegenheiten nicht öffentlich zu behandeln sind. Ich hoffe, dass die Gegner bald ein Renovierungsobjekt anpacken und die Verhandlungen für alle öffentlich im Ratssaal durchgeführt werden. Ich habe deshalb den Notartermin abgesagt.

Um der Isny Oper und der Jugend für Open-Air-Veranstaltungen zu helfen, hatte ich der Stadt angeboten auf deren Grund im Bereich Appretur ein Amphitheater mit etwa 300 Plätzen in geschliffenen Granit zu bauen. Da unser Engagement so mit Füßen getreten wird, haben wir auch dies abgesagt.

Drohungen aus dem Gegnerbereich, dass sie in der Entwicklung Altstadt Süd uns ebenfalls mit einem Bürgerentscheid kommen werden, haben mich bewogen, unsere Projektentwicklungsarbeit dort ein zu stellen. Ich könnte es nicht verantworten, wenn ein Bürgerentscheid zum Beispiel sich gegen (TG-) Parkplätze ausspricht. Eins uns Eins bleibt zwei und dieses Ergebnis ist nicht verhandelbar. Kunden verhalten sich nicht nach Wunschvorstellungen.

Wenn meine Familie in den letzten 20 Jahren die einzigen waren, die Stadtsanierung gemacht haben und keines unserer Objekte leer steht, hatte ich gehofft, dass nachgewiesene Kompetenz uns nach den Notwendigkeiten arbeiten lässt.

Das ehrabschneidende Verhalten der Zumthorgegner lässt eine weitere Mitarbeit im Gemeinderat nicht zu. Ich bin kein Masochist der den Buckel hinhält wenn jemand seinen Frust oder Neidkomplex ausleben will.

Ich hoffe auf eine Rest Fairness, dass ich in Isny wenigstens noch die Stadtsanierung unseres Geburtshauses Wassertorstraße 7/9 durchführen kann. Noch halte ich auch am Projekt der „Immler Großfamilienstiftung“ in Isny fest. Ich habe zwar Probleme, zu verstehen, wenn Stadträte einer Fraktion sich in der Haushaltsplanberatung für die Unterstützung von Familien und Kindern einsetzen und dann mehreren hundert Personen verweigern wollen, dass diese kostenlos wohnen können.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich meine Gesundheit dieser vergifteten Atmosphäre nicht länger aussetzen will und ich deshalb mit sofortiger Wirkung meinen Posten als Stadtrat zurückgebe. Da ich über 62 Jahr alt bin, sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt.

Die Kinder von Herrn Zumthor haben angesichts der Information aus dem Internet ihren Vater gefragt: „Papa warum tust Du dir dies in Isny an - es gibt doch so viele Städte wo Du herzlich willkommen bist?“ Narren und Kinder sagen die Wahrheit!

Ich wünsche Ihnen und dem Stadtrat die Kraft, positiv unsere Heimatstadt weiter zu entwickeln. Viele Mitbürger haben versprochen, hieran mit zu arbeiten. Für mich galt und gilt auch in Zukunft: „es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Hoffentlich können Sie bald positive Überraschungen vermelden.

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