„Jedes Leben hat Sonnen- und Schattenseiten“

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 Max Kolb, der Musikus im St. Elisabeth, (von links) und Sibylle Lenz, in Vertretung des Bürgermeisters, gratulierten Kreszentia
Max Kolb, der Musikus im St. Elisabeth, (von links) und Sibylle Lenz, in Vertretung des Bürgermeisters, gratulierten Kreszentia Knittel an ihrem Ehrentag. (Foto: Walter Schmid)

Im Kreis der Wohngruppe St. Georg des Seniorenheims St. Elisabeth hat Kreszentia Knittel munter und zufrieden ihren Ehrentag begangen – mit Sekt, Weihnachtsbredle und Liedern, begleitet von Max Kolb auf dem Akkordeon. Sibylle Lenz besuchte die Jubilarin an deren 90. Geburtstag, nahm mit Interesse an der Feierstunde teil und überbrachte als Vertreterin der Stadt deren Glückwünsche und jene des Ministerpräsidenten. Und Bürgermeister Rainer Magenreuter schickte der Jubilarin eine Karte mit einer Lebensweisheit: „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu entdecken.“

Gabi Schwenk, die Leiterin der Betreuung im Haus St. Elisabeth, konnte bestätigen, dass Knittel auf dem besten Weg sei, diese Weisheit zu leben, trotz ihres hohen Alters: Drinnen und draußen unterwegs mit dem Rollator, Blumen gießen und trockene Blätter abzupfen, mithelfen im Haus, wo es geht, teilnehmen an den Angeboten der Betreuung. „Frau Knittel ist eine, die durchs Haus geht mit offenen Augen“, sagte Schwenk.

Kreszentia Knittel ist in Urlau bei Oma und Opa auf einem „kleinen Hof“ aufgewachsen. „Die Hofstelle hatte keine Namenstradition und war deshalb im Dorf einfach der kleine Hof“, erinnert sich die Jubilarin. Der Opa habe im ersten Weltkrieg ein Bein verloren, konnte deshalb in der Landwirtschaft nur sehr eingeschränkt mithelfen. So sei die Arbeit an der Oma und ihr, der Enkelin, hängengeblieben. Trotz seiner Behinderung sei der Opa in Urlau Gemeindepfleger und zum Beispiel für den Winterdienst mit dem Bahnschlitten verantwortlich gewesen. Er hatte zu organisieren, dass genügend Pferdegespanne und ausreichend Männer da waren. Der Opa als Kriegsversehrter sei auf dem Bahnschlitten gesessen und habe die Pferde gelenkt. Schneeräumen sei damals eine schwere, stundenlange Arbeit, für Kinder aber ein Vergnügen gewesen, denn sie durften auch draufsitzen, um den Bahnschlitten zu beschweren, „damit er nicht oben drüber rutscht, sondern nach beiden Seiten den Schnee wegräumt“.

Kreszentia Knittel erzählt außerdem, ihre erste Ehe sei nicht die glücklichste gewesen und der Wunsch nach eigenen Kindern sei leider unerfüllt geblieben. Gearbeitet habe sie fast ihr ganzes Leben lang in der Urlauer Käserei. Die zweite Ehe, die sie erst im Älterwerden eingegangen sei, sei dagegen sehr glücklich verlaufen. Aber leider sei ihr lieber Mann nach wenigen Jahren verstorben: „So hat das Leben halt seine Sonnen- und seine Schattenseiten, und das gilt wohl für jedes Leben“, meinte die lebenserfahrene Jubilarin. Von der Tochter des zweiten Mannes werde sie bis heute treu und liebevoll begleitet. Als es zu Hause nicht mehr anders ging, habe sie sich auch um einen Heimplatz gekümmert. „Zuerst in St. Franziskus und jetzt im Haus Elisabeth bin ich gut versorgt – es fehlt an nichts.“

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