Isnyer Traditionshaus wird wiedereröffnet: "Der Hirsch ist auf dem Sprung"

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 Die Bauherren des Hirsch (von links): Frank Kastl, Alexander Kastl, Jürgen Albrecht, Johannes Stolz, Kambiz Khorram, Markus Met
Die Bauherren des Hirsch (von links): Frank Kastl, Alexander Kastl, Jürgen Albrecht, Johannes Stolz, Kambiz Khorram, Markus Metzler, Felix Gölker, Hans Stolz und Ralph Immler (Foto: Jeanette Löschberger)
Jeanette Löschberger

Vor dem offiziellen Eröffnungstermin laden die Bauherren des Hirsch am 18. August zum Tag der offenen Tür ein. Beginn ist um 14 Uhr. Interessierte sind eingeladen die Räumlichkeiten zu besuchen. Auch die noch frei stehenden Büroflächen im zweiten Stock können besichtigt werden.

Wenn die Eröffnung des Traditionshauses Hirsch am Marktplatz Anfang September nach über vier Jahren Projektlaufzeit erfolgreich über die Bühne gegangen ist, liegt hinter den acht Isnyern eine Zeit voller Freude, Spaß und Herzblut einerseits, enormem privaten Arbeitsengagement und einer zu stemmenden Investitionssumme andererseits.

„Der Zeitplan wird eingehalten“, berichtet die Gruppe nicht ganz ohne Stolz. „Dass es uns um die Baufortschritte trotz einiger Unwägbarkeiten nie bange wurde, lag maßgeblich an der Planungsarbeit von Jürgen Albrecht und den immer motivierten lokalen Handwerksbetrieben“, sind sich die Freunde einig. Im Rückblick gab es einige Klippen, die während der Sanierung und der Neubauten umschifft werden mussten. Damit sich alle Isnyer, die das Projekt mit Spannung verfolgt haben, vorab ein Bild machen können, veranstaltet die Gruppe am 18. August von 14 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür.

Unsere Mitarbeiterin Jeanette Löschberger durfte im Vorfeld einen Blick in den Hirsch werfen und erfuhr im Gespräch mit Frank und Alexander Kastl, Kambiz Khorram und Jürgen Albrecht, was in den letzten zweieinhalb Jahren, seit Beginn der Baumaßnahmen, geschehen ist.

Wer hatte die Idee, die Traditionsgaststätte wieder aufleben zu lassen? Wie lief die Bauphase ab?

Kambiz Khorram: Als ich am 15. Januar 2015 in der „Schwäbischen Zeitung“ las, dass die damalige Pächterfamilie Schmid aufhören wird, ließ mich der Gedanke nicht mehr los. Und ich fragte in meinem Freundeskreis, ob sie sich auch die legendäre „Hirschterrasse“ auf der wir schon als Jugendliche das Marktplatzgeschehen genossen, zurückwünschten. Etwa drei Monate später waren alle an Bord und die ersten Ideen entstanden. Das damals entwickelte Motto: „Unser Isny! Unser Hirsch! Unser Stolz!“ ist und bleibt unser Leitspruch und wurde in allen Bauphasen umgesetzt.

Frank Kastl: Auch unser Freundeskreis hat sich mit uns dem Motto verschworen und war bei unzähligen Arbeitseinsätzen helfend zur Stelle. Wenn etwas anstand, das wir selbst machen konnten, genügte eine Rundmeldung und man engagierte und arrangierte sich. Zuletzt bei den Malerarbeiten im Innenbereich und beim Verlegen der legendären Terrasse, die wir bei „Isny macht blau“ zusammen mit dem neuen Pächter des Restaurants zugänglich machen wollen.

Alexander Kastl: Zu Beginn gab es einige staubige Monate zum Entkernen des gesamten Gebäudes. Tonnenweise altes Mauerwerk, Böden, Leitungen und Schüttmaterial wurden, unter Beachtung der Statik und zu trennender Baustoffe, dem Gebäude entnommen. Bis hin zur Skelettierung. Man konnte von unten bis oben über 4 Stockwerke durchschauen, schaudert es uns noch heute beim Gedanken daran. Johannes und Hans Stolz sorgten stets mit Arbeitskraft und genügend „Flüssigem“ dafür, den Strapazen Herr zu werden.

Jürgen Albrecht: Als Bauleiter und Miteigentümer war es mir wichtig das Projekt der neuen praktikablen Nutzung zuzuführen. Barrierefreiheit, Brandschutz, Raumhöhen, Wärmedämmung nach KfW70 Standard und energetische Trennung sind bei einem solchen Sanierungsvorhaben wahrlich eine Herausforderung. Mit pragmatischen und innovativen Lösungen konnte uns Felix Gölker mit seinem „Schloss Isny Sanierungs-Erfahrungsschatz“ hervorragend voranbringen. Getreu unserem Motto haben wir darauf Wert gelegt, lokale Betriebe zu beauftragen. Ihnen gilt unser Dank an dieser Stelle, trotz voller Auftragsbücher, Zeit und Muse mit in das Projekt zu tragen.

Ralph Immler: Des Weiteren und unabdingbar für einen fristgerechten Abschluss der Bauaktivitäten war die bis dato außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den Ämtern der Stadtverwaltung Isny.

Die Außenfassade ist nahezu unverändert, innen findet sich im Restaurant viel Altholz und Stein. Wie war hier das Konzept?

Jürgen Albrecht: Wir wollten die Tradition des Hauses erhalten, deswegen haben wir die Fassade in ihrer ursprünglichen Form erhalten und mit modernen Elementen und Farbgebung verjüngt. Im Inneren des Hauses haben wir die Raumaufteilung deutlich verändert und nach unseren Vorstellungen mit einigen Raffinessen ausgebaut.

Frank Kastl: Der von uns beauftragte Schreiner und Designer für den Innenausbau des Restaurants im Erdgeschoss hat viele Balken, die wir bei der Entkernung des Gebäudes entnommen wieder verwendet. Aus diesem über 150 Jahre alten Holz sind unter anderem die Wandverkleidungen und andere Elemente entstanden, die dem Raum jetzt diesen Charme des modernen Allgäus verleihen. Der „hintere“ Bereich des Gastraums, die ehemalige Küche, ist mit clever gelösten Trennelementen komplett separierbar und wird mit moderner Technik versehen. Das dürfte vor allem für Sitzungen und Festivitäten von Vereinen oder Familien interessant sein.

In der Bar, im Untergeschoss dominieren Sichtbeton, Metallrohre, die Glasfront, ein Holzboden und eine lange Bar den Raum.

Kambiz Khorram: Hier galt es ein Spagat aus „Skandinavisch geradlinig“ und industriellem „Bar-Chic“ zu realisieren. Auch hier haben wir auf ein lokales junges Designerteam für die Raumplanung und innovative Umsetzung gesetzt. In Kombination mit der Freitreppe aus Granit am neu gestalteten Marktplatz, sind wir sicher, dass die Gäste hier gerne sitzen. Übrigens wird das die längste Theke Isnys, ich kenne mal keine Längere (lacht). Aber davon sollen sich die Gäste selbst überzeugen.

Alexander Kastl: Die Bar war eine besondere Herausforderung, war sie doch in dieser Form und Größe anfänglich nicht geplant. Mit unserem Antrag und der Entscheidung des Gemeinderats, der Vergrößerung der Terrasse zuzustimmen, und dem darauffolgenden Abriss, Ausgrabungen und Neubau konnten wir auch hier mit unserem Architekten Felix Halder und den versierten Isnyer Handwerkern zu einer kreativen Lösung kommen.

Das Restaurant soll Anfang September eröffnet werden, die Bar folgt einige Tage später. Nach welchen Kriterien wurden die Pächter ausgesucht?

Kambiz Khorram: Es war uns wichtig auch hier unser Motto umzusetzen. Wir wollten Pächter, die aus der Region sind, sich mit ihr identifizieren und die Tradition des Hauses weiterleben. Das Konzept der Pächter sollte bodenständig, nachhaltig und auf Langfristigkeit ausgelegt sein. So viel sei schon einmal verraten: Das Restaurant wird künftig von der Hirsch GmbH betrieben. In dieser Gesellschaft haben sich Giuseppe Reo, Peter Buhl als Chefkoch und Damian Kamienski organisiert. Im Café/Bar/Lounge Bereich werden Sabrina Heine und Sarah Ziegler zukünftig ihre Gäste empfangen und verwöhnen.

Vor dem offiziellen Eröffnungstermin laden die Bauherren des Hirsch am 18. August zum Tag der offenen Tür ein. Beginn ist um 14 Uhr. Interessierte sind eingeladen die Räumlichkeiten zu besuchen. Auch die noch frei stehenden Büroflächen im zweiten Stock können besichtigt werden.

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