Isnyer Geschichte leicht lesbar und kompakt

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Schwäbische Zeitung

(sz) - Religionskonflikt, Wohnungsknappheit, verbesserungswürdige Verkehrsanbindung, Tourismus: Geschichte wiederholt sich. Auch in Isny und manchmal schneller als erwartet, teilt die Stadt weiter mit. Nachzulesen sei das im unterhaltsam geschriebenen Buch „Isny im 19. und 20. Jahrhundert“ von Sylvia Greiffenhagen und Gesa Ingendahl. Dieses ist ab sofort in den Isnyer Buchhandlungen und an der Rathauspforte zum Sonderpreis von 14,80 Euro zu bekommen.

Wer heute das Wort Religionskonflikt in den Mund nimmt, meint üblicherweise die Schwierigkeiten zwischen Muslimen und Christen, heißt es in der Pressemitteilung. Dabei lasse sich auch vor der eigenen Haustür einiges dazu finden, man müsse dafür nicht allzu weit zurückblicken – „Katholiken sind Stadt-Unterschicht“, wie die Autorinnen ein Kapitel überschreiben. Die katholischen Gartenhäusler mussten demnach im 18. Jahrhundert außerhalb der Stadtmauern leben, niedere Arbeiten verrichten und fronen.

Mit der Integration Isnys 1903 ins Königreich Württemberg, das Katholiken volle Siedlungsfreiheit zugestand, hatten die Protestanten in „ihrer“ Stadt Mitglieder der katholischen Kirche zu dulden. „Stadtkatholiken“ zählten aber lange noch zu den Armen und im Gemeinderat waren die Katholiken noch bis ins 20. Jahrhundert hinein unterrepräsentiert. Die Freude darüber, dass Isny 1874 einen Eisenbahnanschluss nach Leutkirch bekommen hat (die Strecke nach Kempten wurde erst 1909 eingeweiht), war bald getrübt. „Fahrplanausdünnung“ ärgerte die Isnyer laut Stadtverwaltung schon ab 1879 – wem komme das nicht bekannt vor?

Ein weiteres spannendes Thema sei der „Fremdenverkehr“, der mit dem Bahnanschluss Fahrt aufnahm. In Isny gründete sich ein Verschönerungsverein und kurz darauf ein „Gegenverein“ zur „Hebung des Fremdenverkehrs“. Da kommt Eugen Felle ins Spiel, dessen 150. Geburtstag Isny kommendes Jahr mit einer Ausstellung begeht. Viele seiner Postkartenmotive dienten der Werbung und er illustrierte unter anderem einen Fremdenverkehrsprospekt. Der Erfolg aller Anstrengungen scheine nicht zur Zufriedenheit der Isnyer ausgefallen zu sein, heißt es.

Wohnungsnot gehört wohl auch zu den wiederkehrenden Problemen einer Stadt: Nach dem Zweiten Weltkrieg platzte Isny aus allen Nähten. Etwa 1100 Heimatvertriebene wollte der damalige Bürgermeister in Isny „ein menschenwürdiges Dasein“ als „gleichwertige Bürger der Stadt“, sichern – was nicht einfach war.

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