Isny landet bei bundesweitem Fahrradklimatest weit vorne

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 Ein Beispiel für die Radlerfreundlichkeit in Isny – die Fahrradschutzstreifen auf der CD-Spange.
Ein Beispiel für die Radlerfreundlichkeit in Isny – die Fahrradschutzstreifen auf der CD-Spange. (Foto: Archiv: Stadt Isny/Rau)
Jeanette Löschberger

Als Schulnote hat Isny eine Drei-Minus im deutschlandweiten Vergleich des Fahrradklimatest erhalten und ist damit bei den Städten mit weniger als 20 000 Einwohnern auf Platz 22 von 186 teilnehmenden Gemeinden gelandet. Sie wird positiver als im Durchschnitt (3,8) der Vergleichsgruppe bewertet. „Ein möglicher Grund hierfür ist die Infrastruktur für Fahrradfahrer, die in den letzten Jahren durch städtische Bemühungen stark verbessert wurde“, vermutet Katharina Schrade, die oft mit Kindern und Fahrradanhänger im Stadtgebiet unterwegs ist.

Etwa 170 000 Teilnehmer beantworteten im Herbst 2018 im Internet 32 Fragen rund um das Thema Fahrradfahren in Deutschland – zum Beispiel: Werden Radwege von Falschparkern freigehalten; wie ernst genommen und sicher fühlt man sich auf dem Rad; oder: werden Radwege im Winter geräumt. Ziel des Tests ist es, Städte für Fahrradfahrer freundlicher und sicherer zu gestalten. Dabei sollen politische, soziale und verkehrsrechtliche Entscheidungsorgane hinterfragt und animiert werden, sich dort zu verbessern, wo schlechte Noten gegeben wurden, .

Als Mutter und Lehrerin weiß Schrade: „In Isny ist es üblich, dass Kinder mit dem Rad zur Schule fahren – die Ergebnisse der Zusatzfragen zur Familienfreundlichkeit des Fahrradklimatests und die Nutzung der Radstellplätze vor dem Gymnasium zeigen es. Unterstützt wird dies durch eine verbesserte Radinfrastruktur die Rad-Schulwege, großzügige und teils überdachte Abstellmöglichkeiten und die Bemühungen der Schulen.“ Knapp die Hälfte der Befragten vergab hier für Isny Note eins oder zwei.

Positiv bewerten Isnyer Radler, dass das Stadtzentrum gut zu erreichen und zügiges Radfahren möglich ist, Radfahren in Isny Spaß macht und in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan wurde. Robert Blaser-Sziede, Vorsitzender des „Allgemeinden Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC)“ in Isny bewertet dies: „Aus Sicht der ADFC-Ortsgruppe zeigen die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests, dass wir mit dem Radverkehrskonzept einen Schritt in die richtige Richtung gegangen sind.“

Angst vor zu schnellen Autofahrern

Dennoch gebe es viel zu tun, ist sich Blaser-Sziede überzeugt: „Es gibt es noch viele Bereiche mit einem hohen Unfallrisiko für Radfahrer.“ Grund dafür seien unter anderem die geringe Akzeptanz von Radfahrstreifen und Schutzstreifen auf der Fahrbahn von Hauptverkehrsstraßen. Obwohl bei Nutzung der Fahrbahn deutlich weniger Unfälle passieren würden, trauten sich viele Radler nicht auf die Straßen. „Häufig ist zu beobachten, dass auch erwachsene Fahrradfahrer Gehwege benutzen, die für Radler nicht frei gegeben sind. Dort gefährden Radler die Fußgänger und werden von abbiegenden Kraftfahrzeugen oft nicht wahrgenommen“, sagt Blaser-Sziede.

Dem ADFC liegen detaillierte, anonymisierte Antworten aus der Umfrage vor. Daraus gehe hervor: Laut Aussage vieler Radfahrer unterschiedlicher Altersklassen fahren Pkw, Lkw und Traktoren häufig mit zu geringem Abstand (der verbindliche Überholabstand beträgt 1,50 Meter) beim Passieren und Einscheren und mit hohem Tempo an Radfahrern vorbei. Zudem scheint die Befugnis der Radfahrer, auf Fahrradstraßen (Kfz-frei) wie im General-Moser-Weg, nebeneinander fahren zu können – wodurch Kfz bei Bedarf ihr Tempo verringern müssen – nicht allen Kfz-Fahrern bekannt zu sein.

Negativ wurde von den Isnyer Radfahrern häufig die Breite der Radwege und Radschutzstreifen bewertet. Bürgermeister Rainer Magenreuter ist dies bekannt: „Die Breite der Radwege ist leider oft von verschiedenen Zwängen abhängig. Wir werden uns sicher nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern arbeiten an einer weiteren Stärkung des Radverkehrs in unserer Stadt.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Falschparker-Kontrolle, die mit einer glatten Vier von Isnyern Radlern bewertet wurde. „Dafür haben wir erst kürzlich eine zweite Person mit 50 Prozent eingestellt, sodass wir auch die zugeparkten Radwege jetzt häufiger kontrollieren können“, hofft Magenreuter auf Verbesserung in diesem Punkt.

Die Förderung der Akzeptanz der Radfahrer als Verkehrsteilnehmer (bewertet mit 3,1) bleiben weiterhin wichtige Aufgaben für die Radverkehrsförderung in Isny. Die erstmalige Teilnahme Isnys an der Aktion „Stadtradeln“ in diesem Jahr von 12. Mai bis 1. Juni kann einen wichtigen Beitrag hierfür leisten und für den Stellenwert des Radfahrens stärken. Als bekennender Vielradler freut sich auch Magenreuter schon auf die Aktion, bei der sich schon einige Isnyer angemeldet haben. Katharina Schrade hofft auf damit eine weitere Verbesserung des Fahrradklimas in Isny zu schaffen.

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