„Integrität von Mensch und Glaube“

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 Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde der langjährige Bolsternanger Seelsorger am Samstag zu Grabe getragen.
Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde der langjährige Bolsternanger Seelsorger am Samstag zu Grabe getragen. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Eine kaum überschaubar große Trauergemeinde hat sich am Samstag von ihrem beliebten Pfarrer und Seelsorger, Pater Werner Vandermeulen verabschiedet, gab ihm ein dankbares Geleit im Trauergottesdienst und auf dem Friedhof. Dort hat nun auch Pater Werner unter dem großen Kruzifixus seinen letzten Ruheplatz gefunden, wie vor ihm alle heimgegangenen Bolsternanger Pfarrer.

Der Trauergottesdienst begann mit dem ökumenischen Kirchenlied: „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh’, mit mancherlei Beschwerden der ew’gen Heimat zu.“ Er wurde zelebriert von Bischof Erwin Kräutler aus Brasilien und Pfarrer Edgar Jans, assistiert von den Isnyer Ruhestandskollegen. Alle Lieder für seine Beerdigung waren von Pater Werner selbst ausgesucht worden, ebenso das Bibelwort, das sich wie ein roter Faden durch das feierliche Requiem zog: „Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde – ich vergesse Dich nicht! Sieh her, in meine Hände habe ich Dich gezeichnet.“ (Jesaja 49. Vers 15)

Pfarrer Jans sagte in seiner Predigt, dass „diese Gewissheit, dass Gott uns nie vergisst“, das Leben des Paters getragen hat. Das Vertrauen in Gottes Liebe und Treue habe er überzeugend vorgelebt und weitergegeben an alle, für die er da war, in der Pfarrgemeinde, als Seelsorger im Krankenhaus und in der Rehaklinik Überruh sowie als Lehrer im Religionsunterricht. Zu viele schöne Erinnerungen an seine Offenheit, seinen Humor, seine Menschlichkeit und sein Glaubenszeugnis habe er hinterlassen, als dass er je vergessen werde.

Johannes Merta, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates in Bolsternang, erzählte im Gottesdienst aus dem Leben des Paters: 1934 in Waasmünster in Belgien geboren, nach der Schulzeit als 20-Jähriger dem Passionistenkloster in seiner Heimat beigetreten, 26-jährig zum Priester geweiht, kurze Jahre in Gemeinden bei Pforzheim und Ludwigsburg – und ab 1970 Pfarrer in der vakanten Gemeinde Bolsternang. „Wahrscheinlich wollte da niemand hin, weil Seelsorge unter Tuberkulosekranken zum Dienstauftrag gehörte“, habe er erklärt, weshalb er ausgerechnet im kleinen Dorf Bolsternang gelandet sei.

Durch seine offene, unkomplizierte Art habe Vandermeulen schnell die Herzen gewonnen. Er sei kein „Pfarr-Herr“ gewesen, sondern eben ein Mensch, ganz nah bei seinen ihm Anvertrauten. Er habe zuhören können, jeden so genommen, wie er ist, nicht besserwisserisch kritisiert, aber ganz gewiss der Liebe Gottes anbefohlen.

Das Pfarrhaus sei der Mittelpunkt des Dorfes gewesen, vor allem auch für die Jugendlichen, dank Tischtennisplatte und Tischfußball im Arbeitszimmer. „Es ist manchmal ausgeartet, aber es war immer schön“, habe Vandermeulen auf die Frage geantwortet, wie er den jugendlichen Tumult denn verkrafte. Er habe mit der Jugend samstags in kurzen Hosen Fußball gespielt und sonntags den Gottesdienst gefeiert. „Unser Pater war halt ein Alternativer“, sagte Merta

Pater Werner sei vermutlich der erste Pfarrer in der Diözese gewesen, der Mädchen als Ministranten zugelassen hat, worauf ihn eine Frau nach der Genehmigung hierfür gefragt und er ihr geantwortet habe: „Ich darf das, weißt Du, ich bin der Papst von Bolsternang!“ Die Frau habe gelacht und nichts mehr gesagt. Die Gottesdienste seien immer feierlich und ermutigend gewesen, „wie eine Tankstelle, mit deren Sprit man gut durch die Woche kam“. Merta dankte auch herzlich Edeltraud Eisenhut, Benedikt Fuchs und Josef Zanker, die sich treu und aufopfernd um den im hohen Alter auf Hilfe angewiesen Pater gekümmert haben.

Heidrun Huber sprach den Nachruf im Auftrag der Chöre und Gemeindegruppen, Großholzleutes Ortsvorsteher Rainer Leuchtle für die politische Gemeinde, zu der Bolsternang gehört: „Pater Werner war für uns durch 40 Jahre wie ein Geschenk des Himmels. Gemeindepfarrer und Fußballer, Seelsorger und Taubenzüchter – und das Geheimnis, dass er für uns alle so beliebt war, war seine Bescheidenheit und seine vorgelebte Integrität von Mensch und Glaube.“

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