In 90 Minuten durch drei Jahrhunderte

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Fantastisch an den Tasten: Phong Nguyen hat beim Wertungsvorspiel Bühnenpräsenz, Können und Spielwitz bewiesen und dafür viel Ap
Fantastisch an den Tasten: Phong Nguyen hat beim Wertungsvorspiel Bühnenpräsenz, Können und Spielwitz bewiesen und dafür viel Applaus geerntet. (Foto: Jan Rieken)
Jan Rieken

Was haben Beethoven, Ed Sheeran, Telemann und die „Imagine Dragons“ gemeinsam? Sie alle finden sich auf der „Playlist“ des Vorspielabends, den Schüler aus dem Musik-Neigungskurs der 11. Klasse am Gymnasium Isny im altehrwürdigen Refektorium gestaltet haben.

Elf junge Musiker haben beim zweiten Wertungsvorspiel ein lebendiges Programm aus Klassikern der Klassik, unbekannteren Schätzen und zeitgenössischer U-Musik vorgetragen.

Phong Nguyen war der herausragende Künstler des Abends. Er eröffnete das Konzert am Schimmel-Flügel, trat später noch mit einem Solostück auf und begleitete zwei Mitschüler bei ihren Auftritten. Seine Bühnenpräsenz wurde dabei von seinem Können noch übertroffen, das er gleich zu Beginn beim „Allegro con brio“ aus Ludwig van Beethovens „Sinfonie Nr. 5“ zeigte, gemeinsam vorgetragen mit Carmen Rist in einer Fassung für Klavier zu vier Händen. Diesen weltweit populären ersten Satz aus Beethovens „Schicksalssinfonie“ interpretierte er mit Dynamik und Hingabe: „Con brio“ bedeutet schließlich „mit Feuer“, und das hat der junge Pianist mit seiner draufgängerischen Lebendigkeit entfacht, immer im wunderbaren Kontrast zum besonnen-feinsinnigen Spiel seiner Mitstreiterin Carmen Rist. Auch beim Solo-Part glänzte Phong Nguyen mit technischer Brillanz und voller Hingabe beim „Rondo capriccioso“ (Op. 14, E-Dur) von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die für ein Rondo typischen wiederkehrenden Themen glichen einer heutigen Autobahnfahrt: Erst Vollgas, dann unebenes Gelände wegen einer Baustelle, dann wieder Vollgas und schließlich Stopp-and-Go. Kein Halten dagegen gab es beim Applaus.

In die Fantasy-Welt des „Hobbits“ entführte Jana Durach. Mit ihrem Gesang, begleitet vom eigenen Gitarrenspiel, interpretierte sie „I see Fire“ von Ed Sheeran noch ein wenig balladesker. Das Publikum brauchte vor dem Applaus einen Moment, um ins Hier und Jetzt zurück zu finden, ebenso – auch wenn als „Allegro“ etwas schneller – nach dem „Konzert für Flöte“ in G-Dur von Carl Stamitz, das Carolin Färber mit ihrer Querflöte (am Flügel begleitet von Lucas Reeg) einstudiert hatte. Auch sie war voll eingetaucht in das Stück, dessen perlenden Tönen ihr Spiel eine große Leichtigkeit verlieh. Mit einem eher unbekannten Komponisten hat sich Korbinian Theobald befasst: Auf seiner Trompete interpretierte er das „Allegro“ aus dem „Scherzo für Kornett und Klavier“ des dänischen Trompeters und Komponisten Thorvald Hansen, begleitet von Phong Nguyen am Flügel. Mit aufeinander abgestimmter Garderobe kamen danach Henry Schuler und Tim Metzler auf die Bühne, um als Gitarren-Duo ein klassisches und zwei zeitgenössische Stücke zu spielen: Das „Allegro“ aus Georg Philipp Telemanns „Fantasia I“ in D-Dur schickte die Fantasie der Zuhörer ebenso auf Reisen wie die „Bagatelle“ für zwei Gitarren von Fritz Pilsl. Passend zu den Temperaturen stimmten die Gitarreros zum Schluss aus „Morenito do Brazil“ den „Samba Brazileira“ in D-Dur von Giuseppe Farrauto (1915-1979) an.

Als weiterer Programmpunkt beim Schülerkonzert stand das getragene „Andantino con moto“ aus der „Arabesque Nr. 1“ von Claude Debussy an. Robin Unger bearbeitete den Flügel mit Dynamik und brachte die geforderte Bewegung würdig und getragen auf die Tasten. U-Musik neueren Datums widmete sich Sofie Kirchmann mit ihrer Ukulele: Sie hatte sich das Stück „Demons“ von den „Imagine Dragons“ ausgesucht und als Instrumentalversion vorgetragen. Dem Variantenreichtum der Klarinette hat Carl Baermann mit seinen „Variationen“ ein musikalisches Denkmal gesetzt, charaktervoll interpretiert von Julia Schmid und begleitet am Flügel von ihrem JMS-Klarinettenlehrer Lennard Ellwanger.

Langen Atem hat Maren Franz mit ihrer Querflöte gezeigt: Die „Carmen-Fantasie“ von François Borne war mit knapp 13 Minuten das längste Stück, der Lohn für Ausdauer und Können der längste Applaus des Abends. Auf schier endlose Ton-Salven bekannter Carmen-Melodien, von Maren Franz gut phrasiert durch pointierte Highlights, ließ der Komponist eine Art Frage-Antwort-Spiel zwischen Querflöte und Piano folgen, an dem Phong Nguyen sie harmonisch und mit großem Spielwitz begleitete.

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