„Ich kenne weltweit keinen Berg wie sie“

Lesedauer: 4 Min
Bergexperten unter sich: (von links) Günter Wöllhaf, Landesleiter der Bergwacht Württemberg, Pressesprecher Raimund Wimmer, Berg (Foto: Rau)
Redaktionsleiter

Die Bergwacht Württemberg feiert heuer ihr 75-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass hat die Bergwacht Isny den Allgäuer Bergfilmer Gerhard Baur zu einem Filmabend eingeladen. Wer ein bisschen was für Berge übrig hat, würde am liebsten gleich losziehen, nach dem Film „Die Höfats, der einmalige Berg“. Es sei sein erster schwieriger Berg gewesen, erzählt Gerhard Baur, „und ich hab richtig Schiss gehabt“.

Aber sie ist auch ein besonders schöner Berg mit ihren fast 1000 Meter abfallenden Flanken und den Grashängen, die das Besteigen so schwierig machen, erklärt Baur, der als der weltbeste Bergfilmer gilt. Er zeigt die verschiedenen Facetten der Höfats mit ihrer Blumenvielfalt, mit ihren geologischen Besonderheiten, und er lässt auch die Menschen zu Wort kommen.

„Kaltes Blut und harte Knie“ seien an diesem Berg notwendig, sagt im Film der Bergsteiger Josef Enzensberger. Die Bergwacht, die ursprünglich mehr eine Naturschutzorganisation gewesen sei, hat in den 30er-Jahren das Edelweiß beschützt, und heute noch gibt es oben eine Schutzhütte, in der Bergwachtler Dienst tun. Aber die Menschen haben auch gearbeitet an diesem Berg. Bauern machten dort unter schwierigsten Bedingungen ihr Heu, Schafe und Ziege weideten. Und so ist auch Baur überzeugt, dass die eigentliche Erstbesteigung durch irgendeinen namenlosen Hütebub erfolgte.

Als ganz anderer Berg zeigt sich der Eiger, in dessen berüchtigter Nordwand schon mehr als 50 Bergsteiger zu Tode kamen. Mit seinem Film „Eiger Nordwand – durch das Tor des Scheiterns“ lässt Baur die Besteigung durch zwei Allgäuer Schüler 1983 wiederaufleben, deren neun höllische Tage in der Wand den Zuschauern an die Nieren gingen. Holger Wendel und Thomas Burger waren während ihres Aufstiegs in einen Wettersturz geraten und mussten dort ausharren.

Der Filmemacher befand sich damals am Eiger, wo er das Drama einer früheren Besteigung verfilmte. Letztlich verdankten die jungen Männer, die keinem gesagt hatten, wo sie klettern wollten, Baur das Leben. Er hatte ihr verlassenes Biwakzelt gefunden. „In der Not haben wir am Berg immer die Hoffnung, dass die Bergwacht hilft“, sagte Baur, über deren Dienst sollten sich daher auch mehr Bergsteiger Gedanken machen. „Es sind oft Kleinigkeiten, die zu Tragödien führen“, aber noch mehr Unfälle würden beim Wandern passieren.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen