Holzheys Bilder im Refektorium gerettet

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Restauratorin Andrea Kappes bei der Arbeit. (Foto: Rau)
Schwäbische Zeitung
Barbara Rau

Ein wichtiger Schritt für ihre Lebensdauer ist getan, die Leinwandbilder im Refektorium des Isnyer Schlosses werden weitere Jahrzehnte überdauern. Zwei Restauratorinnen haben rund 200 Stunden an der Konservierung der Bilder aus dem Barock gearbeitet.

Das Refektorium bietet einen ansprechenden und würdigen Rahmen gerade für klassische Konzerte. Aber es ist auch ein sparsam einzusetzender Rahmen, denn zu viele Veranstaltungen tun dem Raum nicht gut. Die klimatischen Schwankungen, die sie mit sich bringen, schaden besonders den Leinwandbildern. Sabine Gölker muss als Vorstandsmitglied der „Friedrich Hechelmann und Schloss Isny Kunst- und Kulturstiftung“ einerseits mit den Mitteln haushalten, andrerseits durch Vermietung aber auch Geld verdienen.

Weil sie um die Bilder bangte, hatte sie mit Jochen Ansel, Restaurator am Regierungspräsidium Stuttgart beraten, was zu deren Sicherung in einem ersten Schritt getan werden sollte. „Der Feuchtigkeitsanstieg bei Veranstaltungen ist schlimm, die Heizung aber noch schlimmer“, sagt Ansel.

Sowohl die Deckenbilder, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen, als auch die großen Wandbilder sind auf Leinwand gemalt, was nicht sofort auffällt. Erkennen lässt es sich an der Krakelee, einem maschenartigen Netz von Rissen und Sprüngen auf der Oberfläche, typisch gerade für alte Ölbilder. Leinwand aber bewegt sich bei Feuchtigkeitsunterschieden und wenn die Malschicht spröde wird, kann sie abblättern.

Keine größeren Schäden

Die Restauratorinnen Monika Kneer aus Munderkingen und Andrea Kappes aus Rottweil haben hoch oben auf der Leiter stehend oder auf einem Gerüst liegend, kleinere Fehlstellen ausgeglichen und „verhindert, dass das Klima die Malschicht weiter angreift“, wie Monika Kneer es nennt. Es war eine Grundsatzentscheidung, die Bilder an Ort und Stelle zu konservieren, ohne sie abzunehmen. „Das ist nur bei großen Schäden nötig“, sagt Ansel – und die gab es im Isnyer Schloss glücklicherweise nicht. So haben Kneer und Kappes nur sehr vorsichtig gereinigt und Fehlstellen gekittet. Kappes übermalte die weißen Kittstellen mit Aquarellfarbe. Abschließend wurde ein dünner Kunstharzfirnis aufgetragen. „Typische Barockmalerei, gehobene Mittelklasse, gehobene Qualität“, sagt Kneer über die Bilder, die nun frischer wirken, klarer in den Farben und nicht mehr so dunkel.

Der Maler und Freskant Johann Michael Holzhey (1729 bis 1762) hat sie gemalt. 200 Gulden bekam er seinerzeit dafür, wie Georg Paula im Buch „Reichsabtei St. Georg in Isny“ schreibt. Holzhey, „von Grönenbach aus dem Kemptischen“, war auch mit der Ausmalung der Stiftskirche St. Georg betraut gewesen. Vier seiner Bilder im Refektorium zeigen – passend für ein Benediktinerkloster - Szenen aus dem Leben des Heiligen Benedikt.

Die jeweils gegenüber hängenden zeigen analoge biblische Ereignisse, führt Paula aus. Dass die Bilder alle sehr dunkel wirken, liege auch daran, dass Barockbilder auf dunkler Grundierung gemalt wurden, erläutert Kneer. Und frühere Reinigungen hätten die sich ohnehin verändernde Grundierung – rot wird zu erdfarben - noch stärker herausgearbeitet. Deutlich erkennbar sind in den Deckenbildern Linien, die wie Falze wirken. „Das sind Nähte“, sagt Kneer. Die Leinwandbahnen seien nicht breit genug gewesen, sie mussten aneinander genäht werden. Weil sie dupliert, also mit Leinwandbahnen auf der Rückseite gedoppelt wurden, drückte es die Nähte durch.

Die Konservierung kostet rund 12600 Euro. „Wir freuen uns ganz besonders darüber, dass die Stiftung im vorigen Jahr aus dem Volksbank Adventskalender 1500 Euro bekommen hat“, sagt Sabine Gölker. Außerdem ist sie sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung durch das Landesdenkmalamt und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg, über deren Höhe sie noch keine Auskunft geben kann. Denn diese fördern die Baumaßnahmen 2012 und 2013, zu denen auch die Sanierung des Innenhofs gehört, insgesamt.

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