„Heimatklang“ aus Holz, Stein und Metall

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 Gruppenbild vorne v. l.: Luis Schrade, Jan Herzog, Lukas Huber, Steinmetzmeister Günther Schrade. Hinten v. l. Lukas Fuetsch, A
Gruppenbild vorne v. l.: Luis Schrade, Jan Herzog, Lukas Huber, Steinmetzmeister Günther Schrade. Hinten v. l. Lukas Fuetsch, Alexander Waltner, Andre Rößner. Nicht auf dem Bild Anna Frommknecht. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Auf Initiative des Arbeitskreises Skulpturenweg und der Gemeinde Maierhöfen wurde 2006 der Skulpturenweg angelegt und seither immer wieder durch neue Kunstobjekte erweitert. Steinmetz Günther Schrade hat nun sieben junge Kunsthandwerker für vier Tage zu einem Symposium zusammengerufen, um den jungen Leuten einerseits ein „Podium“ zu geben, und um andererseits auch auf dem Maierhöfener Skulpturenweg neue Akzente zu setzen und Gästen sowie Kunstliebhabern neue Horizonte zu vermitteln.

Vorgegeben waren die Materialien Holz, Stein und Metall, als Leitthema „Heimatklänge“. Die jungen Kunsthandwerker, alle zwischen 20 und 30 Jahre alt, kennen sich fast alle von ihrem Studium an der Holzbildhauerschule in Oberammergau. „Und der André ging mit dem Luzi gemeinsam zur Steinmetzberufsschule in Ingolstadt und München und der Luzi hat halt beim Günther (Schrade) gelernt, so sind wir all zamkom“, heißt es aus der Runde.

Man habe allerdings, um mitmachen zu können, bei Günther Schrade einen Entwurf einreichen müssen, und der habe dann ja oder nein gesagt. Es sei ein Privileg, hier gemeinsam schaffen zu dürfen: „Tolle Kameradschaft, viel dazugelernt.“ Die „Schwäbische Zeitung“ hat bereits über drei der jungen Kunsthandwerker berichtet: über Lukas Huber aus Bolsternang (Musikeruniform mit Tuba), Luis Schrade (Klangrohr aus Kalkstein), Jan Herzog (Paravent – Raumteiler, fast zusammengefaltet.) Die weiteren Vier sollen jetzt vorgestellt werden.

Alexander Waltner aus Stiefenhofen schuf einen Kuhkopf aus Eichenholz, der auf einer senkrecht stehenden Stahlplatte festgeschraubt wird. Der kaufmännischen Lehre folgte bei ihm die Holzbildhauerlehre. Sein Geld verdient er als Schreiner in Seltmanns, nebenher geht er seinem inneren Drang nach, der Holzbildhauerei. „Des Allgäuers Heimatklang ist die Kuhglocke, was denn sonst?“

Anna Frommknecht aus Maierhöfen schuf die Skulptur „Herztöne“, eine Mutter mit Kind. „Ich hab’ mit den anderen Buben zusammen ein Holzbildhauer-Ausbildung in Oberammergau gemacht und die haben mich zum Symposium eingeladen, obwohl ich jetzt in Heidelberg lebe, um eine Ausbildung zur Hebamme zu machen. Leider bin ich nur noch selten im Allgäu, weil Stadt und Studium mich total fordern“, erzählt Anna. Ein Kind entwickle sich unmittelbar am Herzen der Mutter, neun Monate lang. Mit der Geburt werde der innige Kontakt mit dem Herzton abgebrochen. Wenn die Mutter das Baby an die Brust nimmt, wird es durch den Herzton der Mutter ruhig – für das Kind sind das „Heimatklänge“.

Lukas Fuetsch aus Virgen in Osttirol ist Steinmetz und Steinbildhauermeister und in einer Steinmetz-Dynastie seit Großvaters Zeiten aufgewachsen. Er arbeitet zu Hause in der väterlichen Werkstatt mit, zwischendurch aber auch auf Honorarbasis bei einem Steinmetz-Senior in Salzburg. Er hat aus Laarser Rauchkristall-Marmor eine Klang-Endlosschleife herausgearbeitet. Sie gibt durch Klopfen an verschiedenen Stellen andere Töne ab. Man kann auch durch sie hindurchschauen und kann gerne seine Heimat bewundern.

Andre Rößner aus Neuburg an der Donau betreibt als Steinmetz zuhause eine eigene Werkstatt. Er verheiratet und hat zwei Kinder. „Ich hab’ Hammer und Meißel in der Hand, meine Frau das Nudelholz, und sie macht nebenher auch noch das Büro. Heimatklang im Allgäu? Da hab ich mir einfach eine Landschaft vorgestellt, wenn man diese bewirtschaftet, kommt unten Milch raus.“ Ein Kuheuter sollte es also sein, es wird an einem Wassergraben auf dem Skulpturenweg aufgestellt, „und dann kommt ein Schöpfkübel dazu“. Kinder können so in die Landschaft über dem Euter Wasser hineinschütten, durch die vier Zitzen kommt es unten heraus.

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