Hans-Christian Hauser inszeniert „Der Vetter aus Dingsda“ herzerwärmend

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Verliebt geht es zu beim „Vetter aus Dingsda“.
Verliebt geht es zu beim „Vetter aus Dingsda“. (Foto: Johannes Müller)
Alisa Heutmann

Zum zweiten Mal in Folge war Auftakt des Isny Opernfestivals schon im Frühjahr. Erfreulich viele Zuhörer verließen die Wärme ihres Zuhauses und kamen zur Operette „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke ins Kurhaus am Park, wo sie mit leichten und herzerwärmenden Themen und aufmunternden Klängen kurz vor der Karwoche belohnt wurden.

Hans-Christian Hauser gelang – trotz einer Bearbeitung für lediglich ein Quartett mit Klavier, Fagott, Klarinette und Flöte – eine vollklingende, orchestrales Begleitung zu kreieren, mit einer breiten Palette an Klangfarben. Die Musiker spielten meisterhaft und einfühlsam – und mehr noch: Für diese Aufführung erschien es geradezu angemessen, dass keine weiteren Musiker mitwirkten, da einige der weiblichen Singstimmen so zart erklangen, dass die Gefahr bestanden hätte, sie zu übertönen. Ein störender Faktor war deshalb ein Piepton, der entweder von der Technik oder einem Hörgerät verursacht wurde.

Rhythmisch war die Musiktheater-Compagnie untereinander sehr gut abgestimmt. Musik und Bewegungen ergaben zusammen eine Einheit mit punktuellen Akzenten, Choreografie und die wenigen eingesetzten Requisiten trugen zur humorisistischen wie zur dramatischen Wirkung bei.

Die gesungenen und gesprochenen Textpassagen der Männer waren für die Zuhörer leicht verständlich. Besonders ausdrucksstark spielte Tenor Stefan Hör die Hauptrolle des August Kühbrot, die Nuancen in seinem Gesichtsausdruck und die Stimme überzeugten das Publikum gleichermaßen.

Das entzückendste Schauspiel des Abends lieferte Sopranistin Nora Paunescu in der Rolle des Hannchens. Verena Barth – in der Rolle der Julia – zeigte in gleicher Stimmlage ihre Stärke als Sängerin in den langen Tönen, in einer längeren Textfolge verlor sich die Resonanz ihrer Stimme ein wenig.

Das Bühnenbild von Ilona Amann ist leider als enttäuschend zu bezeichnen: Im Versuch, es minimalistisch zu gestalten, ging es in der Ausführung wegen der Verzierungen eher im Landhausstiel verloren. Vorteilhaft dagegen die Podeste unter Fensteröffnungen, sie konnten von den Sängern vorteilhaft genutzt werden.

In der Gesamtbetrachtung ist zwischen den drei Akten nicht zu unterscheiden, Hauser gelang mit der Inszenierung, den Eindruck eines einzigen Handlungsstranges zu vermitteln. Die Aufführung bestätigte einmal mehr, dass sich das Isny Opernfestival in den zurückliegenden Jahren erfolgreich zu einem Startplatz für junge und talentierte Musiker und Sänger auf Hochschulniveau etabliert hat. Die Besetzung nahm das Publikum ins Geschehen mit hinein, wurde positiv aufgenommen, was in den Gesichter der Zuschauer rundum abzulesen war.

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