Gummistiefel als Klangkörper

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Gumboot-Dance kommt aus Afrika und ist eine Form von Body-Percussion - die Klangkörper sind die Gummistiefel. Sylvia Mograbi au
Gumboot-Dance kommt aus Afrika und ist eine Form von Body-Percussion - die Klangkörper sind die Gummistiefel. Sylvia Mograbi au (Foto: Stefanie Böck)
Schwäbische Zeitung
Stefanie Böck

Na sowas: Ein Kurs mit dem Namen „Gummi-Schuh-Plattln“ steht im Workshop-Programm des Theaterfestivals. Ob das eine Erfindung aus dem Allgäu ist? „Nein“, sagt Tanzlehrerin Sylvia Mograbi und lacht. „Das ist eine afrikanische Form von Körper-Percussion. Arbeiter in den Goldminen um Johannesburg erfanden diesen Tanz als Reaktion auf rassistische Unterdrückung.“ Beim Theaterfestival ist „Gumboot Dance“ einer von 86 angebotenen Kursen, die während des Theaterfestivals von international renommierten Trainern angeboten werden.

Eine davon ist Sylvia Mograbi, eine professionelle Tänzerin aus Erlangen in Franken. Sie lernte in Ghana, im Senegal und im Studiengang „Worlds Arts and Cultures“ an der Universität in Los Angeles vor allem eins: „Afrikanischer Tanz ist keine Frage der Abstammung oder der Kultur, sondern eine Sprache des Körpers, die einfach Spaß macht.“

Auch bei 30 Grad im Schatten in Plastikschuhen bis zum Knie? „Ja, total“, sagt eine atemlose Teilnehmerin aus Wangen, die mit Wollsocken in dem typisch olivgrünen Modell steckt. Schon Elf Sounds beherrschen die zehn angehenden Gummistiefel-Tänzerinnen bereits – und das nach nur vier Stunden. Zum Lockern üben sie Dreier-, Vierer- und Fünferrhythmen. „Bada bim ba, bada bim bim ba“, leitet die zierliche Tanzlehrerin mit der fröhlichen Ausstrahlung die ersten Schritte an – und baut darauf munter auf. Außen klopfen, innen klopfen, Hacken zusammen, vorne klatschen, hinten klatschen, feste stampfen – aus. Alles klar? Nicht sofort, aber nach und nach, Schritt für Schritt geht die Hand-Fuß-Klatsch-Abfolge scheinbar jedem ins Blut über.

Insgesamt fast 900 Teilnehmer

„Also, ich muss mich unheimlich konzentrieren“, sagt eine Lehrerin aus der Nähe von Stuttgart. Ihre gewonnenen Erkenntnisse will sie in Zukunft an ihre Schüler weitergeben und sie dafür diese lässige Sache begeistern. Auch alle anderen Teilnehmerinnen, die bis aus Schleswig-Holstein und Zürich kommen, runzeln konzentriert die Stirn, wenn Sylvia Mograbi ganz locker ellenlange Klopf-Flogen vorplattelt. Am Ende klappt es aber doch - und wie. Ein enormes Geräusch macht vor allem das Stampfen. Da zwischen ruft Mograbi „Eyyy-ja“ oder irgendwas mit „Africa“. Das ist so beeindruckend und mitreißend, dass es den Zuschauern regelmäßig eine Gänsehaut über den Körper jagt.

Beeindruckend sind auch die Zahlen, die das Festivalbüro aus dem Bereich Workshop-Programm in diesem Jahr liefert: 86 angebotene Kurse, 79 kamen zustande, 21 sind ausgebucht. Fast 900 Menschen aus einem Umkreis von über 1000 Kilometern nehmen daran teil. In sämtlichen, verfügbaren Räumen in Isny wird gezaubert, gesungen, geschrieben, improvisiert und gespielt. „Vor allem die Tanzkurse sind dieses Jahr sehr beliebt“, sagt Workshop-Koordinator Anton Drescher vom Theaterfestivalteam.

Besonders stolz ist er auf die beiden Bauchrednerkurse und den neuen Kurs „Wildnis“. Hier üben sechs Teilnehmer das Überleben in freier Natur – vom Teenager bis zum Rentner. „Und die verstehen sich prächtig.“ Ob Gesang, Bogenschießen, Holzbildhauerei, Jonglage, Trommeln oder Salsa – die Kurse verbinden. Das spürt auch Trainerin Sylvia Mograbi, die nach ihrem Kurs noch mit ihren Workshopschülern in der Sonne vor dem Café Werkhaus auf dem Gelände des Stephanuswerks zusammensitzt: „Ich komme sehr, sehr gerne und schon seit neun Jahren nach Isny.“ Sie findet übrigens, dass es eines der schönsten Festivals überhaupt ist. „Einfach weil es so unheimlich offen ist.“

Musik, Tanz, Akrobatik: Die Leiter der Workshops treten heute beim Festival-Variété um 21 Uhr im großen Zirkuszelt in Burkwang auf. Während des Tages präsentieren die Kinder (12.30 Uhr) und die Erwachsenen (18 Uhr) was sie in ihren Kursen gelernt haben. Anschließend ist große Abschlussparty mit DJ Roman im Restaurantzelt.

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