Großfamilienstiftung Immler auch in Isny

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Die Großfamilienstiftung Immler realisiert auf der Wiese vorne und links hinter den Wohnblocks am Rotenbacher Weg in den nächst
Die Großfamilienstiftung Immler realisiert auf der Wiese vorne und links hinter den Wohnblocks am Rotenbacher Weg in den nächsten Jahren Wohnhäuser samt Infrastruktur für kinderreiche Familien und Senioren. (Foto: Tobias Schumacher)
Schwäbische Zeitung

Für das Neubaugebiet im Mittelösch hat der Gemeinderat die ersten Weichen gestellt: Bei nur einer Enthaltung (Otto Ziegler, SPD) fasste das Gremium den Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss im beschleunigten Verfahren für den Bebauungsplan der „Großfamilienstiftung Immler“. Sie will, „dem Stiftungszweck entsprechend“, nördlich und östlich der Wohnblocks am Rotenbacher Weg in den kommenden Jahren bis zu 18 „hochwertige Häuser für kinderreiche Familien sowie Senioren“ bauen, wie es in der Tischvorlage für die Stadträte hieß.

In dem Mehr-Generationen-Projekt beträgt die symbolische Haus-Miete einen Euro, Häuser mit ähnlichem gemeinnützigen Hintergrund hat die Isnyer Stiftung bereits in Durach bei Kempten und in Schemmerhofen bei Biberach errichtet.

Eingedenk des bundesweiten Echos, das die Gründung der Stiftung im Jahr 2004 einst ausgelöst hatte (unter anderem eine Reportage im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“), verlief die Aussprache im Gemeinderat völlig emotionslos. Es ging ausschließlich um technische Details der Erschließung: Ob Regenwasser-Gräben und Retentionsflächen Probleme für die angrenzende Tiefgarage der Wohnblocks bereiten oder ob „aufgeständerte“ Photovoltaikanlagen erlaubt sind (was beides nicht der Fall sein soll; letzteres allenfalls auf Flachdächern); weiter zu den Dachformen (Pultdächer sind ausgeschlossen) oder den Straßenbreiten.

In der Vorplanung stellte sich als Problem heraus, dass entlang der östlich verlaufenden Umgehungsstraße L 318 eine der Isnyer Hauptwasserleitungen die Erde durchzieht. Würden Lärmschutzwall und -wand, wie ursprünglich angedacht, geschwungen ausgeführt, wären der Stiftung vier Bauplätze verloren gegangen. Der Gemeinderat stimmte deshalb einem geradlinigen Bau zu; dies auch, damit die Leitung für allfällige Reparaturarbeiten zugänglich bleibt. „Die Lärmschutzwand mutet später wie eine Hecke an“, sagte Markus Immler zur möglichen Bepflanzung. Er stellte den Bebauungsplan der Stiftung in Vertretung des verhinderten Büros „Planwerkstatt“ aus Kressbronn im Gremium vor. Als Stadtrat der Freien Wähler nahm er an Diskussion und Abstimmung nicht teil, weil befangen.

Ein weiterer Punkt waren zwei Straßenanschlüsse zwischen dem Stiftungs-Areal und der nördlicheren Mittelösch-Bebauung, die von der Stadt geplant wird und für die Hans-Peter Hummel anmerkte: „Es gibt im Moment unterschiedliche Entwurfs-Stände, jener der Stadt ist noch handzeichnend.“ Beide Parteien zeigten sich überzeugt, dass die „Andock-Punkte“ einvernehmlich realsiert werden können.

Markus und Annkathrin Immler, die Kinder von Karl Immler, der mit seinem Bruder Jakob die Stiftung einst gegründet hatte, betonten im Rathaus und nach der Beschlussfassung auch im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“, dass sie der Stadtverwaltung sehr dankbar seien für die gute Zusammenarbeit: „Wir sind glücklich, dass wir beginnen können“, sagte Annkathin Immler.

Der Ratsbeschluss hält fest, dass sich das sich „ideal für die Realisierung der Stiftungsziele“ eigne dank Naturschutzgebiet Schächele, Kindergarten in einem Kilometer Luftlinie, nahen Einkaufsmöglichkeiten und „attraktiven Arbeitgebern in Laufdistanz“. Die Flächen am Lärmschutzwall entlang der L 318 dienten der Naherholung mit hoher Aufenthaltsqualität, die Stiftung will hier einen einen Mehrgenerationen-Treffpunkt samt Spielplatz und Besucherstellplätzen für Pkw errichten. Die Erschließung samt Kanalisation, Versorgungsleitungen und „entschleunigten“ Straßen und Gehwegen übernimmt die Stiftung.

Seit 2005 war die Familie Immler auf Baugrundsuche für ihr Vorhaben, zunächst in Isny, später in weiteren Kommunen. Annkathrin Immler erinnerte im Gespräch mit der SZ an viele Enttäuschungen: Private Grundbesitzer hätten nach Anfrage der Stiftung utopische Quadratmeterpreise geäußert und Gemeinden versucht, kontaminierte oder in Hochwasser-Risikogebieten liegende Gelände mit Gewinn zu verkaufen. Markus Immler betonte im Rat rückblickend auf die jahrelange Suche im gesamten süddeutschen Raum: „Das Projekt in Isny umzusetzen, fällt vor Ort leichter.“

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