Gipfelspielwiese mit Panorama-Postkarten

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Ursula Winkler und Jürgen Tischer wollen Lust machen auf die Adelegg als nördlichste Ausläufer der Alpen.
Ursula Winkler und Jürgen Tischer wollen Lust machen auf die Adelegg als nördlichste Ausläufer der Alpen. (Foto: Stefanie Böck)
Stefanie Böck

Der Schwarze Grat, die „Aussichtsterrasse des württembergischen Allgäus“, wird dieses Jahr am Pfingstmontag, 21. Mai, gebührend gefeiert: Die kinderfreundliche Gipfelwiese auf dem beliebten Aussichtsberg bietet an diesem Tag Wander-, Natur- und Kunstfreunden ein ungewöhnliches Programm.

Wer sich über die Tobel, durch die Wälder, über die Alpwiesen oder über die Kurzstrecke auf zum Aussichtsturm macht, trifft oben nicht nur auf ein atemberaubendes Panorama, sondern auch auf eine ungewöhnliche Outdoor-Ausstellung. „Der Künstler Eugen Felle hat hier vor über 100 Jahren viel gezeichnet – und damit einen Grundstein für den Fremdenverkehr im Allgäu gelegt“, erzählt Ursula Winkler, die für die Isnyer Museen ein großes Projekt über die Vogelschau-Perspektive leitet, das von der Bundeskulturstiftung im Fonds Stadtgefährten gefördert wird.

Für den Pfingstwandertag zum Schwarzen Grat hat sie aus den Motiven von Eugen Felle riesige Postkarten mit ungewöhnlichen Ansichten des Gebiets anfertigen lassen. Arrangiert rund um den Aussichtsturm lassen sich die Österreichischen und die Schweizer Alpen, der Bodensee und die Allgäuer Alpen genau studieren. Dabei wird schnell klar: Früher sah es hier ein bisschen anders aus. Da war das Gebiet rund um den Schwarzen Grat noch ein Geheimtipp. Heute sind vielseitige Wander- und Spazierwege für Wanderer und Radfahrer gut gekennzeichnet, der Aussichtsturm ist öffentlich, viele Waldstücke aufgeforstet und weitgehend unberührt.

Jürgen Tischer vom Schwäbischen Albverein weiß sofort, warum sich der bekannte Postkartenmaler gerade hier oben so wohl gefühlt hat: „Man sieht extrem viel – ohne, dass man weit in die Berge fahren muss.“ Aus Liebe zur Adelegg organisieren die Isnyer Kirchen seit über 30 Jahren immer am Pfingstmontag einen Berggottesdienst mit Begleitung des Posaunenchors am Aussichtsturm. Dieses Jahr bietet der Panoramawandertag neben zwei geführten Touren mit Panorama-Stopps auch einen Shuttle-Bus, Aktionen am Gipfel und Gespräche zur Geschichte des Höhenzugs im Kreuzthal an (Programm siehe Kasten).

Gemeinsam mit den Städtischen Museen Isny und der Isny Marketing GmbH will der Schwäbische Albverein Lust machen auf die Adelegg als nördlichste Ausläufer der Alpen und dem höchsten Berg Württembergs. „Hier findet man Ruhe, Kraft und Natur pur“, sagt Tischer. „Das gibt Energie – egal ob man Genusswandern oder eine sportliche Trainingstour am Abend machen will.“ Kraft gibt der Berg auf jeden Fall – das wusste man auch schon zu Zeiten des Postkartenmalers Eugen Felle.

Als die Glasmacher noch das Holz für ihre Öfen aus den Wäldern der Adelegg holten, lockten die großen Wiesen im Sommer und die Schneehänge im Winter die Gäste ins Allgäu. Heute nutzen viele Wanderer zu allen Tages- und Nachtzeiten die besonderen Stimmungen auf dem Berg: zum Sonnenaufgang, bei Vollmond, zur Mondfinsternis. „Das ist immer ein Erlebnis“, sagt der Isnyer Wanderführer Tischer, der das Gebiet rund um den Schwarzen Grat schon von Kindesbeinen an kennt und gerne präsentiert. „Viele reisen seit Jahren extra an Pfingsten nach Isny, um den Berg genau in diesen Tagen zu erleben.“ Er selbst freut sich heuer vor allem auf eins: „Eugen Felle persönlich zu begegnen.“

Wie das geht? Zwischen den überdimensionalen Postkarten wandelt der Künstler wie anno dazumal – freilich im historischen Kostüm und mit weiteren Panorama-Experten dieser Zeit. Das dürfte auch viele Kinder freuen. Dazu hält die Gipfelspielwiese einen Mini-Turm zum Klettern und Geräte zum Toben bereit. Wer es ruhiger mag, kann das Panorama-Puzzle machen. Für vierbeinige Gäste gibt’s sogar eine extra Leckerli-Station. Ehrensache – schließlich war auch Eugen Felle ein großer Hundefreund.

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