Geschäftsführer eines Altenhilfezentrums sucht händeringend nach Schutzkleidung: „Es geht um Leben und Tod“

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Geschäftsführer des Altenhilfezentrums Isny sucht händeringend nach Schutzkleidung
Geschäftsführer des Isnyer Altenhilfezentrums fordert Virustests für Mitarbeiter und Bewohner und sucht dringend Atemschutzmasken.

Wer dem AHZ in Isny FFP2-Atemschutzmasken zur Verfügung stellen kann, erreicht Geschäftsführer Frank Höfle unter Telefon 07562 / 7097811 oder per E-Mail: frank.hoefle@ahz-isny.de

Frank Höfle, Geschäftsführer des Altenhilfezentrums Isny (AHZ), empört sich angesichts der Corona-Pandemie seit Wochen über „die Inkompetenz unserer Behörden“. Er fordert vom Gesundheitsamt „dringend Testmöglichkeiten für Mitarbeiter und Bewohner von Pflegeheimen“, wenn sie Erkältungssymptome aufweisen – bislang vergeblich.

Vor allem aber bittet er um Hilfe: „Unser Pflegepersonal braucht dringend Atemschutzmasken!“, steht seit dem Wochenende auf der AHZ-Website. Über herkömmliche Kanäle seien die sogenannten FFP2-Masken aktuell nicht zu bekommen, schildert Höfle. Aber „ohne diese Masken ist die Gefahr enorm groß, dass wir unsere Bewohner beziehungsweise Patienten infizieren.“ Mit jedem Tag, der verstreiche, „an dem wir die Pflege ohne geeignete Schutzausrüstung ausüben, steigt das Risiko, dass Menschen ihr Leben verlieren.“

Schutzmaskenlieferung im Landkreis „noch nicht eingetroffen“

Franz Hirth, Pressesprecher des Landratsamtes Ravensburg, erklärt auf SZ-Nachfrage den Maskenmangel mit dem „weltweit wie bundesweit pandemiebedingten, sprunghaften, den durchschnittlichen Bedarf um sicher mehr als den Faktor zehn übersteigenden Nachfrageanstieg“.

Da die Wirtschaft nachfrageorientiert produziere, „hat niemand Vorräte für einen derart exorbitanten Bedarf gebildet“. Hirth versichert: „Das Landratsamt wird die von der Bundes- und Landesregierung in Aussicht gestellten Lieferungen lokal verteilen“, im Landkreis seien sie bis Donnerstag „jedoch noch nicht eingetroffenen“.

Für Höfle ein „Treppenwitz“: Er verweist auf eine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu „Prävention und Management von Covid-19-Erkrankungen in der stationären und ambulanten Altenpflege“, die vor zwei Tagen „um eine wichtige Schutzmaßnahme ergänzt“ worden sei. Angesichts der Pandemie sei „bei der Versorgung vulnerabler Patientengruppen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aus Aspekten des Patientenschutzes angezeigt“.

Die „Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft “ ergänzte: „Dies ist die klare Empfehlung, dass zumindest das medizinische (und dies umfasst auch das pflegerische) Personal in der allgemeinen Versorgung von Bewohnern in Pflegeeinrichtungen einen Mund-Nasen-Schutz zu deren Schutz tragen sollte.“

Über 100 Mitarbeiter könnten das Virus einschleppen

Also auch die Mitarbeiter im Haus St. Elisabeth in Isny – Küchen-, Betreuungs-, Verwaltungs- und vor allem die Pflegekräfte: „Über 100 Leute, die hier arbeiten, die tagtäglich ein und aus gehen“, schildert Höfle. Sie könnten das Virsus Sars-CoV-2 einschleppen, „aber wir kriegen dieses Scheunentor nicht zu“.

Am Montagnachmittag gab es beim Thema Atemschutz eine erste, vermutlich aber nur vorläufige Entspannung: Kurzfristig orderte Höfle gemeinsam mit einer zweiten Pflegeeinrichtung im Landkreis direkt in China 20 000 Masken: „Liefertermin ist nächste Woche – beruhigt bin ich aber erst, wenn sie in Isny sind.“

Für hygienische Pflege nicht ausreichend

Die chinesischen Einwegmasken versprächen laut Angebot „80 Prozent Filterung“, was die Situation ein wenig entspannen könne. Allerdings funktioniere Altenpflege „mit engem Kontakt, wenn etwa ein bettlägriger Mensch gelagert werden muss, dafür bräuchten wir geeignetes Schutzmaterial, um hygienisch rein zu pflegen“, unterstreicht Höfle. Diese Vorgaben erfüllten die chinesischen Produkte nicht zur Gänze.

Seine Mitarbeiter und er berieten inzwischen nahezu täglich, wofür sie FFP2-Masken verwenden, die noch im Haus sind. „Sie gehen bald zur Neige, wir halten die Masken derzeit unter Verschluss, damit wir sie im Falle der Infizierung eines Bewohners zum Schutz unserer Mitarbeiter einsetzen können – und gegen eine weitere Verbreitung des Virus im Haus.“ Höfle setzt nun seine Hoffnungen auf Betriebe in der Region, die ihre Produktion herunterfahren und FFP2-Atemschutzmasken aktuell nicht benötigen: „Wir sind für jede Hilfe dankbar!“

Jedes Gespräch über eine Maske dreht sich um Leben und Tod

Denn im Grunde drehe sich jedes Gespräch über den Einsatz einer Maske auch um Leben und Tod der Bewohner von St. Elisabeth. Umso mehr, seit am vergangenen Wochenende bekannt geworden war, dass in einem Altenpflegeheim in Würzburg neun Bewohner nach einer Sars-CoV-2-Infektion starben und sich 15 weitere sowie 23 Pflegekräfte infiziert haben.

Einem solchen Horrorszenario in Isny vorzubeugen, darum kämpft Höfle seit Wochen. Schon am 10. März hatte er St. Elisabeth für externe Besucher geschlossen (SZ berichtete) und deshalb massiven Ärger mit der Heimaufsicht bekommen. Der setzte sich fort, als er sich weigerte, hauseigene Mitarbeiter, die er aufgrund von Erkältungssymptomen in 14-tägige Quarantäne schicken musste, durch Leiharbeiter von auswärts zu ersetzen.

Schon Tage vor entsprechenden Verordnungen reagiert

Bereits eine Woche früher als von den Behörden angeordnet, schloss Höfle auch die ambulante Tagespflege im AHZ und weitete das Betretungsverbot auf externe Therapeuten wie Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten aus. „Entsprechende Verordnungen seitens der Landesregierung kamen jeweils erst Tage später“, schildert Höfle. Seit vergangenem Freitag hat er die Räumlichkeiten der Tagespflege als Quarantänestation vorbereiten lassen – in der Hoffnung, sie nie zu benötigen.

Seine Empörung bündelte Höfle am 19. März, zwei Tage vor Bekanntwerden der Würzburger Todesfälle, in einer „Brand-E-Mail“ ans Gesundheitsamt, sie liegt der SZ vor: „Es gelingt uns kaum noch Mitarbeiter, die Symptome aufweisen, auf Corona testen zu lassen. Wir können aber nicht jeden Mitarbeiter, der im Verdacht steht, infiziert zu sein, 14 Tage nach Hause schicken.“

Kontakt zu infiziertem Tanzlehrer

Um mehr Gewissheit zu erlangen, verlangt Höfle „unmittelbar“ Tests aller Bewohner und Mitarbeiter und nennt als Beispiel eine Mitarbeiterin, die einen Tanzkurs besucht hatte, dessen Lehrer positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde. Bis heute liege ihm kein Testergebnis vor, das ihn die Mitarbeiterin unbesorgt einsetzen ließe, bemängelt Höfle. Ein zweiter Mitarbeiter, der mit Erkältungssymptomen ans Elisabethenkrankenhaus nach Ravensburg geschickt worden sei, sei an der Teststelle gar abgewiesen worden.

Pressesprecher Franz Hirth widerspricht der Darstellung, das Gesundheitsamt in Ravensburg lehne Corona-Tests ab oder verweigere sie. „Die Grundlage dieser Behauptung ist nicht nachvollziehbar und fachlich falsch. Eine Verweigerung ist schon deshalb nicht möglich, da unverändert Diagnose- und Therapiefreiheit besteht.“ Die Tests erfolgten „in eigener Verantwortung weisungsungebunden durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte“.

Gesundheitsamt stimmt „Priorisierung“ ab

Das Gesundheitsamt kommuniziere laut Hirth aber „selbstverständlich die fachlichen Empfehlungen des RKI“ und stimme sich „in Fragen der Priorisierung, so sie denn notwendig ist, mit der Kreisärzteschaft ab“. Zusammenfassend seien „Testungen, ebenso wie Masken, kein Allheilmittel“, da die aktuell verfügbaren Testmethoden „immer nur eine Erkrankung bestätigen, niemals sicher ausschließen“ könnten.

Da die Zeitspanne zwischen der Infektion mit Sars-CoV-2 und dem Ausbruch von Covid-19 laut Hirth 14 Tage betrage, sage ein Test „am Tag drei nichts darüber aus, ob der Betroffene nicht am Tag fünf oder sieben oder 14 doch noch erkrankt. Fazit des Gesundheitsamtes sei: „Kranke Mitarbeiter sollten keine Hochrisikogruppen betreuen.“

Kunden und Patienten in der „Hochrisikogruppe“

Eine Argumentation, die Höfle erzürnt: „Im Landkreis Ravensburg wird so gehandelt, als wenn man einen Feuerwehrmann ohne Schutzausrüstung in ein brennendes Haus schickt“, vergleicht er mit Blick auf Mitarbeiter ohne Testergebnisse. „Wie soll ich die jetzt einsetzen?“ Der Altersdurchschnitt der Bewohner in St. Elisabeth und bei Patienten, die ambulant vom AHZ betreut werden, liege bei über 83 Jahren: „Die sind alle zur Hochrisikogruppe zu rechnen, für die eine Covid-19-Infektion tödlich enden könnte.“

Zuletzt prangert Höfle die generelle Sichtweise auf die aktuelle Krise an. In Politik, Gesellschaft und Medien stünden wirtschaftliche Risiken viel zu sehr in Vordergrund: „Die Sorgen um die Hochrisikogruppen in unserer Gesellschaft kommen mir zu kurz. Es gilt jetzt, diese Gruppen zu schützen und nicht erst dann zu reagieren, wenn das Coronavirus in die Altenheime Einzug gehalten hat“, warnt Höfle. Und befürchtet, dass genau das passiert.

Wer dem AHZ in Isny FFP2-Atemschutzmasken zur Verfügung stellen kann, erreicht Geschäftsführer Frank Höfle unter Telefon 07562 / 7097811 oder per E-Mail: frank.hoefle@ahz-isny.de

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