Gelebte Gemeinschaft und aktiver Naturschutz im Schrebergarten

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 Die „Gartenfreunde Ursprung e.V.“ sind stolz auf ihr neues Insektenhotel.
Die „Gartenfreunde Ursprung e.V.“ sind stolz auf ihr neues Insektenhotel. (Foto: Julia Garthen)
Julia Garthen

Etwas versteckt, in zweiter Reihe zur Straße, sind direkt neben dem Gelände der Firma Dethleffs viel Ruhe, sattes Grün, bunte Blumen, Obst und Gemüse und gut gelaunte „Gartler“ zu finden: Seit 1985 besteht die Kleingartenanlage des Vereins Gartenfreunde Ursprung in Isny. Nicht mehr viele – aber dennoch ein paar – Kleingärtner von damals sind heute noch hier und pflegen nicht nur ihre eigenen Parzellen, sondern arbeiten auch zusammen an den Gemeinschaftsplätzen des Areals.

Ein rundum erneuerter Spielbereich

Besonders für den vergangenen Sommer hatten sich die Mitglieder des Vereins einige Veränderungen vorgenommen: „Wir haben zum Beispiel den Spielturm mit Rutsche abgerissen und neu gebaut, weil die Sicherheit für die spielenden Kinder nicht mehr gewährleistet war“, erklärt Manfred Heine, Gerätewart des Kleingartenvereins. 2018 war beschlossen worden, dass das bei den kleinen Besuchern sehr beliebte Spielgerät neu aufgebaut werden muss. Doch wie es manchmal so ist, dauerte die Umsetzung etwas länger. „Weil wir nicht so viel Holz gebraucht haben, mussten wir auf die Lieferung eine ganze Weile warten“, erklärt Heine. „Wir haben Lerchenholz genommen, um den Turm für die nächsten 30 Jahre wetterfest zu machen“, fügt Werner Sutterlitte lachend hinzu, einer der Hauptarbeiter am Turm.

Anita Kaiser, Vorsitzende des Vereins, freut sich – neben der tatkräftigen Arbeit ihrer Vereinskollegen – über die Unterstützung der Stadt Isny: „Wir haben 100 Euro Zuschuss erhalten, um den Turm neu bauen zu können. Das war super!“

Wer weiß, wie der Alltag in einem Kleingartenverein aussieht, kann nachvollziehen, wie wichtig es war, den Spielplatzbereich neu zu gestalten. „Es ist ganz unterschiedlich, wie viele Kinder hier rumrennen, aber eins ist klar: Die kommen an, sagen ’hallo’, und dann sieht man sie den ganzen Nachmittag nicht mehr, weil sie beim Spielen sind.“, erzählt Kaiser.

Auch ein neues Karussell, gespendet und hergerichtet von Ralf Schädler, gab’s kürzlich für die Besucherkinder. Und Beisitzer Lukas Schmid, der praktischerweise beruflich mit Holz zu tun hat, hat sich des Klettergerüsts angenommen und dieses renoviert, außerdem eine Schaukel und eine kleinere Rutsche gespendet. „Gemeinsam sind wir stark“, lobt Sutterlitte.

Auch Bienen haben es hier richtig gut

Der Schriftführer des Vereins besitzt insgesamt acht Bienenvölker, von denen fünf in seiner Parzelle leben und im Bienenstock arbeiten. „Immer mehr Mitglieder legen in ihren Gärten Bienenwiesen an, die den ganzen Sommer nicht betreten werden“, erzählt Anita Kaiser.

Die Liebe zur Natur ist ein Grund, den alle Mitglieder nennen, wenn sie nach ihren Beweggründen für die Pflege eines Kleingartens gefragt werden. „Darum haben wir uns ja auch die Sache mit dem Insektenhotel überlegt“, schließt Kaiser den Kreis. Das liebevoll angelegte kleine „Häuschen“ steht im Zugangsbereich der Gartenanlage und macht alle Besucher auf sich aufmerksam: „Vorsicht! Hier leben und arbeiten Bienen“, steht auf einem kleinen Schild geschrieben.

Geplant wurde der neue Blickfang im vergangenen Mai, im Juni wurde das Fundament gelegt und Ende September war das Hotel fertig zum Einzug. Die Vereinsmitglieder Helmut Albrecht und Peter Eberhardt waren hier die Hauptakteure, denn sie haben nicht nur das Holz, sondern auch ihre Arbeitszeit gespendet. „Das ging ziemlich schnell, aber auch wieder nur, weil wir alle zusammengearbeitet haben: Die einen sind gegangen und haben Zapfen gesammelt, die anderen haben Löcher ins Holz gebohrt, die nächsten haben die Ziegelsteine gespendet.“, erläutert Kaiser die Teamarbeit. In Zukunft wird das Insektenhotel regelmäßig gepflegt werden müssen, auch daran beteiligen sich mehrere Personen.

Naturschutz – auch wenn’s weh tut

Dass die Gartenfreunde nicht nur Naturschutz betreiben, wenn es ihnen gerade passt, wird spätestens klar, als es um größere Insekten geht. Petra Mayer machte diesen Sommer eine Begegnung der etwas anderen Art: In ihrem Geräteschuppen hatten es sich Hornissen gemütlich gemacht. „Mein Mann meinte im Frühsommer plötzlich, dass über der Tür ein Hornissennest sitzt, wir haben gleich bei der Stadt angerufen“, erzählt die Hobby-Gärtnerin.

Eine Hornissenbeauftragte kam vorbei und sah sich das damals noch recht beschauliche Nest genauer an. „Uns wurde geraten, ein Brett über der Tür anzubringen, damit die Tiere ihr Nest nach oben bauen, das haben wir dann auch gemacht.“ Jetzt, einige Wochen später, traut sich das Ehepaar Mayer nur noch in Ausnahmefällen und dick eingepackt in den Geräteschuppen. „Das Hornissennest ist riesengroß geworden und die Insekten spüren ganz genau, wenn wir uns ihnen nähern. Dann sammeln sie sich an der Türe und passen auf, dass wir nicht in ihr Revier eindringen“, erzählt Petra Mayer, die auch auf ihre Enkel in diesem Sommer ein ganz besonders waches Auge warf, um sie vor Stichen durch Hornissen zu schützen. Dass Naturpflege auch unangenehm sein kann, wird an diesem Beispiel deutlich. Doch solange die Tiere im nächsten Jahr nicht wiederkämen, sei die Familie relativ entspannt, sagen die Mayers.

Pläne für die anstehende Gartensaison

Zurück zum Gemeinschaftswesen – denn neben Naturschutz und einem idyllischen Rückzugsort ist der Sinn für Gemeinschaft ein Aspekt, der den Mitgliedern in ihrer Kleingartenanlage besonders gefällt. „Wir machen über das ganze Jahr verteilt einiges zusammen. Zum Beispiel veranstalten wir einen großen Pflanzentausch im Frühjahr und feiern jeden Sommer ein gut besuchtes Fest. Und jetzt, im Herbst, fallen natürlich die sogenannten Hackstunden an, bei denen jedes Mitglied bei der Pflege des Areals hilft.“, erzählen die Hobby-Gärtner.

Langweilig wird es bei den Gartenfreunden Ursprung nicht. „Unsere neuste Idee ist eine Boule-Bahn, die wir auch im Eingangsbereich bauen werden.“, erläutert Kaiser die Zukunftspläne. Wie der Verein sich zeigt, dürfte dieses Projekt ebenfalls rasch bewerkstelligt sein und den Mitgliedern vor allem eins bescheren: Spaß am Leben im Garten.

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