Geballte Wissenschaft witzig dargestellt

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Wissenschaftler im Wettstreit: Markus Berg (von links), Nils Rexin, Viktoria Ganß und Eduard Heindl
Wissenschaftler im Wettstreit: Markus Berg (von links), Nils Rexin, Viktoria Ganß und Eduard Heindl (Foto: Schmid)
Walter Schmid

Seit zehn Jahren gibt es das Format des Science Slam, den Wettstreit unter einigen hochkarätigen Wissenschaftlern. Ihre Aufgabe ist es, dem Laien-Besucher ein komplexes Forschungsthema so verständlich wie möglich darzulegen – in nur zehn Minuten.

Die Besucher beurteilen die Darbietung. Nachdem Science Slams bisher in den großen Universitätsstätten Europas mit einem Riesenerfolg veranstaltet wurden, fand jetzt auch in der Naturwissenschaftlich-technischen Hochschule Isny (NTA) auf Einladung von Isny Marketing, Science Slam Bodensee-Oberschwaben und der Zeitschrift GEO ein solcher statt.

Der Andrang von Besuchern war überraschend: Schüler und Studenten der NTA, Dozenten und Professoren, Familien mit ihren großen Kindern, die vor ihrem Schulabschluss stehen und sich für eine Ausbildung beziehungsweise Studium entscheiden müssen.

Durch die knapp zweistündige „Vorlesung“ führten galant zwei junge Moderatorinnen: Vera Engelbart und Katy Bayer. Vor Beginn wurde die Reihenfolge der jungen Wissenschaftler ausgelost, die dann ihr hochkomplexes wissenschaftliches Thema so verständlich und interessant wie möglich darstellen sollten.

Dann wurden im Hörsaal zehn Schilder verteilt, auf denen in Kommunikation mit den Umsitzenden die Bewertung eingetragen werden sollte, sowohl in sachlich-fachlich verständlicher Hinsicht, als auch in kreativ-emotionaler Hinsicht.

Der Laie stellt sich den Unterricht im Lehrsaal gewöhnlich so vor: Vorne steht der Professor und redet, erklärt, unterstützt vertiefend sein Thema mit Schaubildern via Power Point. Er hat eine oder gar mehrere Stunden Zeit. Nach Möglichkeit wird er durch Fragen seine Studenten einbeziehen. Die Science Slamer in der NTA waren nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Sprachgenies. Sie redeten schnell, schließlich tickte die Uhr. Auch die blitzschnelle Power-Point-Bildfolge, meist witzig und erheiternd, glich eher einem olympischen 100-Meter-Lauf, weniger einem erhellenden Lehrpfad.

Erste Kandidatin ist Chemikerin

Die erste Kandidatin in der Reihe der Slamer war die junge Lebensmittelchemikerin Viktoria Ganß mit ihrem Thema: Fettreif – für die Akzeptanz der Problemzone der Schokolade.“ Erkenntnis fürs Publikum: Wer die Fettpolster um den Bauch akzeptiert, darf auch abgelaufene Schokolade gerne in Mengen genießen.

Der Informatiker Nils Rexin startete den Versuch, einen Liebesbrief an seine Freundin Eleonor mittels Textvorschlägen aus dem Internet zu verfassen. Weil ihm eigene Ideen aus Herz und Bauch fehlten, wollte er vorhandenes Wissen nutzen. Rexin verhedderte sich jedoch in den Handlungsvorschriften, die ihm der Algorithmus vorgab.

Markus Berg ist Wissenschaftler in der Abteilung Netzwerktechnologie am Institut für Rundfunktechnik in München. Sein Arbeitsfeld: Störungen in der Ton- und Bildübertragung zu vermeiden. Die Erkenntnis: Bagger von Leitungen fernhalten, denn Bagger sind Spezialisten im Kappen von Übertragungskabeln.

Eduard Heindl, Physiker und Informatiker beschäftigt sich in seinem Vortrag mit der Notwendigkeit eines Bauzauns für einen Planeten der 1300 Lichtjahre entfernt von unserer Erde liegt. Nachweislich sei in dieser Region so viel Hitze, Energie und Staub unterwegs, dass nicht zu befürchten sei, dass sich der „Außerirdische“ an die irdischen Energiereserven heranmachen würde. Ein schützender Bauzaun sei nicht nötig.

Markus Berg gewann den Science Slam knapp mit der Erkenntnis: Eine störungsfreie Übertragung verkraftet eher einen Kabelsalat als einen Bagger.

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