Fluchttreppe im „Go In“ soll noch vor der Wahl kommen

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 Mark Siebler (Bildmitte), CDU-Stadtverbandschef und als Rechtsanwalt auch in Jugendstrafsachen involviert, freute sich nach eig
Mark Siebler (Bildmitte), CDU-Stadtverbandschef und als Rechtsanwalt auch in Jugendstrafsachen involviert, freute sich nach eigenen Worten, unter den Anwesenden „keinen zu kennen“. (Foto: Mayer)
Jan Rieken

Etwa 30 Jugendliche und Jungwähler haben am Dienstag vergangener Woche im „Go In“ die Gelegenheit genutzt, „für sich herauszufinden, was man wählen soll.“ So brachte Tristan Boura, einer von acht Vorständen des Jugendhauses und Moderator dieses Abends, das Ziel der Podiumsdiskussion auf den Punkt, bei der mehrere Kandidaten der vier bei den Kommunalwahlen antretenden Gruppierungen Rede und Antwort standen.

Als Hauptwunsch kristallisierte sich heraus, bei allen Fraktionen und der Stadtverwaltung Gehör zu finden, um Probleme jedweder Art schnell und auf kleinem Dienstweg klären und aus der Welt schaffen zu können. Nur ein Beispiel, das Boura und Co-Moderator Felix Reinalter anführten: Die fehlende Fluchttreppe für die „Teestube“ im ersten Stock, wo sich aus Brandschutzgründen aktuell nur maximal 15 Personen gleichzeitig aufhalten dürfen – auf Abhilfe warte man schon mehrere Jahre.

Kandidaten stellen sich vor

Zunächst stellten sich die Kandidaten samt Wahlprogramm für die Gemeinderatswahl vor, die Reihenfolge wurde ausgelost: Edwin Stöckle nannte als SPD-Ziele Bildungsgerechtigkeit und Klimaschutz, er setze sich ein für eine gebührenfreie Ganztagesschule, bindend für alle bis 15.30 Uhr. Seine Fraktion habe eine Modellschule in Friedrichshafen besucht und Anregungen bekommen, „wie sich Schule mit Leben füllen lässt – durch gemeinsame Aktivitäten wie Kochen, Betriebsbesichtigungen und Projektarbeit“, erläuterte er. Mit ihm auf dem Podium saß Vanessa Napoleoni, mit 24 Jahren eine der jüngsten Gemeinderatskandidatinnen in Isny.

Für die „offene Liste“ der Grünen (bislang nicht im Gemeinderat vertreten) präsentierte Martin Hermann die Ziele: Projekte auf den ökologischen Grundgedanken des Notwendigen zu beschränken, nannte der Diplom-Sozialarbeiter als „grüne Ideen, die „dem Allgemeinwohl und nicht Einzelinteressen“ dienen sollen. Vordringliches Anliegen: „Eine grüne Innenstadt zum Wohlfühlen mit einer Verkehrsplanung, bei der Fußgänger und Radfahrer wichtiger sind als das Auto.“ Zustimmung dafür kam hier aus der Ecke der „Fridays for Future“-Bewegung.

Marc Siebler, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, stellte sich als Rechtsanwalt vor, der „auch im Jugendstrafrecht“ tätig ist: „Vor diesem Hintergrund freue ich mich ganz besonders, keinen der hier Anwesenden zu kennen“, bemerkte er und erntete Gelächter. Er lobte die vereinsgetragene Arbeit im „Go In“ und versprach, sich für eine Verdopplung der städtischen Förderung von derzeit 20 000 auf 40 000 Euro einzusetzen. „Erst, wenn es keine Anlaufpunkte gibt, kommt man auf dumme Gedanken“, fasste er seine Erfahrung aus zahllosen Verhandlungen vor Jugendstrafkammern zusammen.

Für Dominik Lubrich (26), Christian Laib (37) und Stefan Stehle (30) von den „Freien Wählern (FW)“ liegt die eigene aktive Zeit im „Go In“ noch greifbar nah. Lubrich zeigte sich „fast erschrocken darüber, wie wenig sich seitdem verändert hat“. Für Fortschritte sei es wichtig, dass die Jugend klar formuliere, was sie brauche, erklärte Laib. Stehle, der im Rat das „Ohr zum Volk für gute Ideen“ zu sein versprach, sieht die Voraussetzung für eine vernünftige Politik im Dialog mit allen Bürgern. Als weitere FW-Ansprechpartnerin saß Miriam Mayer im Publikum, die als Erzieherin, Lehrerin und zweite Vorsitzende im Verein Kinder- und Jugendarbeit den Impuls für die Diskussionsrunde gegeben hatte.

Um teilweise komplexe Anliegen ging es den jungen Wählern im Anschluss, wobei Grenzen des kommunal Machbaren deutlich hervortraten, weil für die Zukunft und Lebensqualität kommender Generationen Lösungen auf höherer Ebene gefunden werden müssen.

Beim Freizeitangebot, dessen Wichtigkeit und Bedeutung einerseits alle Gruppierungen betonten, gab es andererseits unterschiedliche Auffassungen davon, was die Stadt leisten kann. Neben dem allgemeinen Wunsch nach „mehr“ warfen die FW die Frage auf, wie in Leutkirch dank städtischer Mithilfe die Diskothek „Alcazar“ gerettet werden konnte, während in Isny derlei undenkbar scheint. Lubrich sieht die Stadt in der Pflicht, Räume für eine „jugendtaugliche“ Gastronomie zur Verfügung zu stellen.

Abfuhr für Jugendgemeinderat

Dem Vorschlag von SPD und FW zur Gründung eines Jugend-Gemeinderats erteilte Gastgeber Tristan Boura eine Abfuhr: Zu groß seien derzeit die Belastungen des Vorstands, mit seiner Arbeit das „Go In“ wieder nach vorne zu bringen. Die Absicht, große Mängel wie die Feuertreppe oder auch die kleineren Nöte des täglichen Betriebs wie eine kaputte Kloschüssel schneller zu beheben, bevor die Nutznießer dem Jugendalter entwachsen sind, unterstützen alle Beteiligten. Der Vorschlag der Gastgeber: Jede Fraktion benennt einen Ansprechpartner, der die Anliegen oder Ideen der Jugendlichen im Gemeinderat vortragen sollen.

Welche Partei ihre Interessen am besten erkennt und vertritt, konnten die Jugendlichen schließlich im direkten Gespräch abklopfen. Gastgeber und Teilnehmer vereinbarten, sich in Zukunft öfter zusammenzusetzen – auch ohne Wahlkampf.

Übrigens: Am Rande der Veranstaltung verlautete aus Gemeinderatskreisen, dass die Feuertreppe am „Go In“ noch vor der Wahl montiert werden soll.

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