Feuerwehrübung: Was getan wird, wenn’s im Felderhalde-Tunnel brennt

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Walter Schmid

Die Erleichterung der Isnyer war groß, als der 760 Meter lange Felderhalde-Tunnel im Rahmen der Stadtumfahrung vor genau zehn Jahren freigegeben wurde. Wenig Begeisterung löst dagegen in Isny die häufig wiederkehrende Vollsperrung aus, wegen Arbeiten an der Tunnelbetriebstechnik oder wegen Reinigungsarbeiten. Diesmal war eine „strategische Übung“ der Feuerwehren aus Isny und Maierhöfen der Grund zur Vollsperrung.

Die Maierhöfener stießen bei dieser Übung von der Ostseite des Tunnels vor, also von baden-württembergischer Seite, die Isnyer Wehr von der Westseite, also von Maierhöfer/bayerischer Seite, weil sie mit dieser Verschränkung jeweils schneller vor Ort sind.

Lukas Pfeiffer, stellvertretender Kommandant der Isnyer, hat diese Übung geplant und erklärt: Feuerwehrleute seien neben anderen Unglücks- und Katastrophenfällen hauptsächlich für Gebäudebrände ausgebildet. Der Hydrant für das Wasser sitze in der Regel in der Nähe. Man weiß Bescheid über die Thermik des Rauches in geschlossenen Räumen, und bei offenen Brandstellen entweiche der Rauch in die Atmosphäre. Man habe für die Schlauchverlegung in der Regel auch genügend Platz, könne um die Brandsache herum ausweichen und oft auch von allen Seiten angreifen. Feuerwehrmänner und -frauen sind darauf fokussiert, dass die Personenrettung absoluten Vorrang hat vor der Brandbekämpfung.

Im Tunnel habe man andere Bedingungen. Sie erfordern eine besondere Herangehensweise um erfolgreich helfen zu können, so die Überzeugung des ausgebildeten Feuerwehrmannes für Tunneleinsätze.

Im Tunnel habe man wahrscheinlich einen langen Anlaufweg zu bewältigen und das möglicherweise mit sehr eingeschränkter Sicht – oder in gar völliger Dunkelheit. Man müsse mit der Enge zurechtkommen, könne allenfalls nach zwei Seiten ausweichen. Geräusche multiplizieren sich. Man habe keine Chance, sich zu verständigen. Zudem sei mit mehreren Autos oder Lkw als Hindernisse zu rechnen, weil diese nicht mehr ausweichen konnten, auch nicht mehr zurückkönnen und die man auch nicht beiseite schieben könne. Vielleicht hätten die Insassen ihre Fahrzeuge verlassen, haben sich durch die Fluchtstollen oder durch die Ausgänge in Sicherheit gebracht. Auch sei im Tunnel die thermische Strahlung eine spezielle, abhängig von der Strömung der Luft. Ein Tunnel wirke wie ein Kamin. Mit dem Wind käme man näher heran, aber man müsse immer auch damit rechnen, dass der Wind dreht.

Die Feuerwehrabteilungen der Isnyer Ortschaften positionieren sich vor dem Fluchtstollenausgang Siloah/Ludwigshöhe und üben dort im Freien, wie sie nachher in der Dunkelheit und im Übungsrauch, in der Enge und durch unbekannte Hindernisse ihre leeren und auch die vollen Wasserschläuche zur Brandstelle verlegen. Sie werden dort von Benjamin Menz und Benjamin Keller befehligt. Sie haben sich zusammen mit Lukas Pfeiffer und Michael Motz durch Schulungen für Tunneleinsätze spezialisiert sind.

Nach den „Trockenübungen“ geht’s rein durch den nach unten führenden, 100 Meter langen Fluchtstollen, dann durch ein kurzes Stück Rauchschleuse, hinein in den durch Übungsrauch dunklen Tunnel, fast ohne Sicht. Pkw-Anhänger, Container und Autos stehen kreuz und quer im Tunnel, von der Feuerwehr selbst hinein gekarrt. Genau gegenüber der Fluchtstollentüre befindet sich der Hydrant, ist also leicht auszumachen. Die Männer üben mit ihren Schläuchen das, was sie draußen gelernt haben um an die fiktive Brandstelle heranzukommen.

Der Löschvorgang entnehme dem Feuer den Sauerstoff und bekämpfe gleichzeitig die Hitze, die sich im Tunnel gefährlich aufstaut, begründet Pfeifer solche Einsätze. Freilich könne jeder realistische Einsatz die Wehr vor zusätzliche und auch noch ganz andere Herausforderungen stellen, erläutert Lukas Pfeiffer.

Genug Zeit zur Rettung

Der Regelfall sei, dass im Brandfall der Rauch zunächst nach oben steige und die Insassen der in den Tunnel eingefahrenen Fahrzeuge Zeit hätten, um diese zu verlassen und den Fluchtweg durch die Ausgänge oder durch die Fluchtstollen ins Freie antreten können. Vorrang habe deshalb im Tunnel in der Regel die Bekämpfung des Feuers und damit auch der Hitzeentwicklung, um dann anschließend umso erfolgreicher für den Personen- und auch den Sachschutz nützlich sein zu können.

Die Feuerwehr-Abteilung Stadt absolvierte dieselben Übungen aus der Richtung des Westportals, also aus der Richtung von Lindau her. Dort befindet sich linker Hand, in die Böschung hineingebaut, die Tunnelwarte, das Betriebsgebäude des Tunnels. In deren Büro befindet sich eine große Tunnelkarte mit vielen farbigen Lichtpunkte, welche die Positionen des Rettungsleitsystems im Tunnel markieren. Daneben Bildschirme, auf die die Bilder der im Tunnel installierten Videokameras permanent übertragen werden. Jedes Fahrzeug ist also von der Einfahrt bis zur Ausfahrt lückenlos überwacht.

Sobald eine Person im Falle eines Unfalles oder Fahrzeugbrandes die Tür zu einem Fluchtstollen öffnet oder eine der in Nischen positionierten Feuerlöscher ergreift, wird die Rettungs-Leitstelle in Ravensburg automatisch alarmiert. Diese hat Zugriff auf die Videokameras im Tunnel und kann die Feuerwehren alarmieren, gegebenenfalls auch weitere Hilfsmaßnahmen in Gang setzen und sie über die bis dahin bekannte vorfindliche Situation informieren, erläutert der zweite stellvertretende Kommandant Claus Frey, der dort mit einem Mitarbeiter der Straßenmeisterei im Gespräch ist.

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