Ex-Junkie Dominik Forster spricht im Isnyer Schulzentrum

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 Dominik Forster nach seinem Auftritt in der Neuen Mensa in Isny. Zwei Bücher hat er bereits veröffentlicht: „klar.kommen“ und
Dominik Forster nach seinem Auftritt in der Neuen Mensa in Isny. Zwei Bücher hat er bereits veröffentlicht: „klar.kommen“ und „crystal klar“.
Julia Garthen

Ex-Junkie und -Dealer Dominik Forster ist am vergangenen Donnerstag in der Neuen Mensa des Isnyer Schulzentrums aufgetreten. Eingeladen wurde der 30-Jährige von Gymnasium und Verbundschule, die durch seine Info-Mail darauf aufmerksam gemacht wurden, dass er mit seinem Programm durch deutsche Schulen tourt. Nach eingehender Recherche war klar: Dominik, der seit acht Jahren clean und seit fünf Jahren trocken ist, soll mit seiner Erzählung auch in Isny Drogenprävention betreiben.

Die Schulsozialarbeiterinnen und Lehrer beider Schulen luden den jungen Mann ein, der daraufhin vor rund 200 Achtklässlern seine Lebensgeschichte Revue passieren ließ. „Wir haben uns dazu entschieden, Schüler im Alter zwischen 13 und 15 Jahren zu dem Vortrag mitzunehmen,“ erklärte Rita Nosse-Hein, Schulsozialarbeiterin der Verbundschule, im Vorfeld, „denn wenn die Jugendlichen älter sind, ist der Weg meistens schon klar: Drogen ja oder nein. Wir wollen sie informieren, bevor sie damit überhaupt in Berührung kommen“.

Kommunikation auf Augenhöhe

Bereits nach den ersten Sätzen des Programms „Flashback“ gab es keinen Zweifel daran, dass Dominik Forster innerhalb der Drogenprävention eine eindeutige Strategie verfolgt: Provokation als Mittel zum Zweck. Konkret äußerte sich dies in seiner Wortwahl, die mitunter derb daherkam, manchmal auch die Grenzen des guten Geschmacks förmlich sprengte. Was die anwesenden Erwachsenen zum Teil erheblich schockierte, hatte auf die Jugendlichen jedoch einen spürbaren Effekt: Sie saßen konzentriert auf ihren Stühlen, lauschten dem Vortrag – sie lachten, kicherten, waren entsetzt oder ergriffen.

Die Sprache, derer Forster sich auf der Bühne bediente, traf offensichtlich einen Nerv und sorgte dafür, dass er mit seinen Erzählungen ernst genommen wurde und die Schüler Vertrauen zu ihm gewannen. „Und genau das ist mein Ziel“, betonte der geborene Nürnberger nach seinem Auftritt. „Wenn ich rede wie die Kids, schaffe ich Vertrauen. Ich komme nicht von oben herab und sage ihnen, was sie zu tun und zu lassen haben, sondern hole sie da ab, wo sie stehen. Privat drücke ich mich nicht so aus, diese Zeiten sind vorbei.“ Und ja, wer Dominik Forster ohne Publikum erlebt, hört andere Worte, fühlt eine andere Energie. Alles scheint in ihm: seine Vergangenheit, derb, schräg und schmerzhaft, aber auch seine Gegenwart, positiv, zuversichtlich und von Selbstreflektion geprägt. Ein angenehmer Gesprächspartner, der viele Pläne für die Zukunft hegt.

Mit Authentizität ans Ziel

Während der knapp 120 Minuten, die Dominik Forster auf der Bühne verbrachte, erzählte er den Jugendlichen von seiner Drogenkarriere, seinen Schulden, seinen inneren und äußeren Narben, seiner Zeit im Jugendknast und dem Weg, der ihn dorthin brachte. „Meine Eltern waren mit meinem Unfall als Neunjähriger komplett überfordert. Meine Mutter begann, Tabletten zu nehmen, mein Vater hat immer mehr getrunken. Mit zehn Jahren habe ich dann begriffen: Ich darf ihnen nicht zur Last fallen.“

Da der kleine Dominik es in der Schule nicht leicht hatte und zum Mobbingopfer wurde, wurde das Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung mit den Jahren größer und größer. Seine Laufbahn als Süchtiger begann dann im Alter von 17 Jahren mit Cannabis, Alkohol und Nikotin. Er wollte seinen damaligen Freunden gefallen und war bereit, alles dafür zu tun. „Ich wurde geachtet dafür, wie viel ich saufen konnte! Ich wurde geachtet dafür, wie viel ich kotzen konnte! Und irgendwann habe ich eben auch zu Speed gegriffen, das war die logische Konsequenz.“

Dass man sich mit bewusstseinsverändernden Drogen zunächst besser fühle als vorher, erklärt Forster den Schülern natürlich auch. „Keiner würde Drogen nehmen, wenn die von Anfang an so furchtbar wären. Das Problem ist, dass du irgendwann nicht mehr ohne Drogen klarkommst, dass du Halluzinationen schiebst, dass du kein Geld mehr hast. Und: keiner hilft dir von deinen sogenannten Freunden, denn die stecken alle genauso tief in der Sucht.“

Sein Bild für die Zuhörer: eine Rakete. „Ihr müsst euch das vorstellen wie eine Rakete. Die fliegt lange, lange nach oben. Alles ist gut, sie kann im Bogen fliegen oder geradeaus, aber irgendwann explodiert sie! Und das ist der Punkt, an dem sind Süchtige nur noch ein Haufen Scheiße.“ Der 30-jährige Ex-Dealer macht den Jugendlichen klar: „Ich bin froh, dass ich heute noch lebe. Ich bin glücklich, dass ich gesund hier stehen kann. Und ich will mein Wissen nutzen, um Euch zu warnen.“ Zum Schluss betont er: „Ihr kennt meinen Namen und ihr könnt Euch jederzeit per Mail an mich wenden. Ich habe in den letzten fünf Jahren noch jede Nachricht beantwortet und wenn ich euch irgendwie helfen kann, werde ich das tun.“

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