Ex-Direktor wird zum Hobby-Holzhandwerker

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 Dieter  Schramm
Dieter Schramm (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Am letzten Haus in Argen, dem ersten auf bayrischer Flur, weht die tibetanische Flagge. Bilder im Flur zeugen von unvergesslichen Begegnungen mit dem Dalai Lama in Tibet. Im Innern des Hauses zeigt sich ein Hobby-Holzhandwerker: „Möbel, Zimmerdecken, Treppen, Stühle, Bänke – alles selbst im Ruhestand geschreinert.“ Zum Abschied im Stephanuswerk hat der langjährige Direktor Dieter Schramm zwei Lärchen geschenkt bekommen, die gefällt werden mussten. Aus deren Holz hat er die Inneneinrichtung seines Eigenheims gefertigt.

Am Wochenende wurde mit 60 Verwandten und Weggefährten aus aller Herren Länder ein doppelter runder Geburtstag gefeiert: Dieter Schramm, vor genau 80 Jahren in Kirchberg an der Murr nahe der Schillerstadt Marbach geboren, und seine Ehefrau, eine Heilbronnerin, ebenfalls fast auf den Tag genau 80 Jahre alt. Seit 53 Jahren ist das Paar glücklich miteinander verheiratet.

Franzisco Perez, der letzte Geburtstagsgast, verabschiedet sich gerade. Gemeinsame Wanderungen auf dem Jakobsweg verbinden sie freundschaftlich mit dem Spanier. Ein paar Tage zuvor besuchte eine 30-köpfige Mitarbeiterdelegation aus dem Stephanuswerk die Schramms, brachte ein Geburtstagsständchen und ein komplettes Weißwurstfrühstück mit und wollte damit dem ehemalige Chef Danke sagen für die Energie, die er aufbrachte, um das Stephanuswerk aus einer finanziell-prekären Schieflage wieder auf die Beine zu stellen.

„Darum ging es in den 1980er-Jahren im Grunde: das ganze Werk zu konsolidieren“, meint Schramm rückblickend. Irmgard Schramm fügt hinzu: „Mein Mann hat 20 Jahre lang weit über 60 Stunden pro Woche gearbeitet und unendlich viele schlaflose Nächte verbracht. Wir waren froh, dass er mit seinem Ruhestand ab 2002 endlich wieder Zeit hatte für seine Familie.“

Dieter Schramms Lebensstationen: Nach der Schule Werkzeugmacherlehre bei der Firma Bosch, freiwilliges soziales Jahr in einer Einrichtung für schwerbehinderte Menschen. Diakonen-Ausbildung in Ludwigsburg mit Praktika in Einrichtungen für nichtsesshafte Männer. Jugendbildungsreferent in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Studium der Pädagogik und Psychologie in Tübingen. Forschungsauftrag an der Universität zum Thema Beratung. Fortbildungsreferent beim Diakonischen Werk Württemberg in Stuttgart. Dozent an einer Fortbildungsakademie in Frankfurt. Promotion mit einem sozialwissenschaftlichen Thema: „Organisationsentwicklung in sozialpädagogischen Institutionen.“

Schramm war unter anderem bereits Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft medizinisch-beruflicher Reha-Zentren – er brachte also in Theorie und Praxis viel Erfahrung mit, als er die Leitung des Stephanuswerks übernahm. „So eine große Einrichtung muss unbedingt vernetzt sein bis ganz nach oben zur Politik und ins Sozialministerium. Vernetzung und Vertrauen schaffen – das waren in den ersten Jahren die dringend notwendigen Schritte und meine primäre Aufgabe zur Konsolidierung“, sagt der ehemalige Direktor. „Denn schließlich ging es doch um einige hundert Bewohner und eine fähige, treue Mitarbeiterschaft, für die ich Verantwortung übernommen habe.“

Die großen Schritte der Weiterentwicklung in 20 Jahren unter seiner Leitung seien gewesen: Die wirtschaftliche Sicherung der Behindertenwerkstatt, die Konsolidierung der medizinisch-beruflichen Rehabilitation, die Gründung der Beschäftigungsfirma „Start“ für behinderte und sozial beeinträchtigte Menschen, der Anstoß zur Gründung der Offenen Behindertenarbeit als Brücke in die Stadt, der Umbau des Sportsanatoriums zur Tagungsstätte. Und: Er sei immer noch ein bisschen stolz darauf, dass er einen Beitrag dazu leisten konnte, dass die neue Umgehungsstraße nicht stadtnah durch das Gelände des Stephanuswerks führt, sondern durch den Felderhaldetunnel.

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