Englisch angekündigt, deutsch präsentiert

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Vorne von links: Fabian Mroz, Philipp Unsinn, Jutta König. Hinten v.l. Katrin Lanz, Ralph Reithmeier, Mu Siegfried. (Foto: Walter Schmid)
Schwäbische Zeitung
Walter Schmid

Wo normalerweise 60 Personen Platz finden, drängten sich bei der Liedermacher-Nacht am Samstagabend gut 200 Personen in die Tonbar in der Isnyer Kornhausstraße. Jung und Älter dicht nebeneinander mit einem Weizen oder einem Glas Rotwein in der Hand, sitzend auf dem Boden, auf Stühlen und Tischen, viele jedoch stehend um das kleine Podest im Fond der Barstube. Enge und dezente Beleuchtung war durchaus stimmungsförderlich – „fast wie am Lagerfeuer“ – wie auch der Titel versprach.

In der Einladung fehlte es zwar nicht an englischem Vokabular: Songwriternight, alles live und unplugged, ohne Playback… Die fünf Allgäuer Künstler blieben trotzdem in Sprache und Kultur ganz ihrer Heimat verbunden: dem württembergischen und dem bayrischen Allgäu. Authentisch eben!

Fabian Mroz aus Kißlegg kam vor einigen Jahren auf die Idee, Allgäuer Liedermacher, Texter und Musiker zu sammeln, um ihnen eine Plattform für musikalisch - unterhaltsame Aufritte zu verschaffen. Bei „delta-sound“ treffen sie sich online, tauschen Erfahrungen und Ideen aus und sprechen sich ab, wer bei welchen Aufträgen mitmachen kann und will. „Insgesamt sind wir etwa 20 Liedermacher. Wenn dann vier, fünf oder sechs pro Abend in sich ergänzender Mischung auftreten, ist es genau das richtige Maß für ein zweistündiges Programm“, meint Mroz. Peter Unsinn, Wahl-Isnyer und gebürtiger Franke machte den Anfang. In Sprache und Denke ist er unverkennbar Franke geblieben. Spitzbübisch sieht er seinen Landsleuten auf die Gosch und ins Herz, besingt ihre Stärken und Schwächen.

Lieder über das Leben

Die Maierhöferin Katrin Lanz hat einige Zeit in Argentinien gelebt – und für eine Gitarristin und Sängerin unvermeidlich Salsa- und Tango-Rhythmen verinnerlicht. „Mein Herz schlägt hier im Allgäu und dort“, sagt sie: „G‘schneit hots ond älles isch still. Der Dag zieht vorbei, ohne Absicht ond Ziel. I komm hoim – des isch soo schee.“ Auch an südamerikanisches Spanisch traut sie sich heran. „La vida“ ist der Titel. „Das Leben.“ „Gell, do got’s oifach darom, dass des Leaba trotz ellam schee isch“, erklärt sie dem des Spanischen unkundigen Publikum.

Ralph Reithmeier aus Lindenberg, Gitarrist und Liedermacher „ohne jede Erfahrung“, wie er selber behauptet. „Ihr müsst mich heut halt ertragen.“ Als Student in München, denkt er in manchen seiner Lieder laut darüber nach, warum es ihn jedes Wochenende nach Hause zieht, obwohl es immer „die gleiche Scheiße“ dort sei. Die gleichen Leute, der gleiche Geruch, der gleiche Streit unter den Leuten. Seinem Opa hat er offensichtlich viel zu verdanken. Der hatte Zeit, viel Zeit für den Bub.

Jutta König aus Wangen bringt mit temperamentvollem Gitarrenrock und rauchiger Charakterstimme so etwas wie musikalische Vitalkost auf die Bühne. „Ich will leben, mir wurde dieses Leben gegeben. Und ich schreibe rein, in dieses Buch des Lebens. Ich will es beleben, erleben. Ich will mein Leben leben. Ich bin doch so wie du, so wie du, nur ein bisschen anders.“ Mu Siegfried, Songwriter-Schwergewicht aus Wolfegg, Moderator des Abends, machte auch den Schluss, erzählte singend von Hund, Frau und seinem Therapeuten. „Der Abend hat sich wirklich gelohnt“, meinte eine Besucherin beim Hinausgehen.

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