Eine informative Infoveranstaltung

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Bürgermeister Rainer Magenreuter im Gespräch mit Hedy Hahn von der Bürgerinitiative. Im Hintergrund diskutiert Land-Rover-Experi
Bürgermeister Rainer Magenreuter im Gespräch mit Hedy Hahn von der Bürgerinitiative. Im Hintergrund diskutiert Land-Rover-Experi (Foto: Michael Panzram)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Kurz vor 20 Uhr mussten im Kurhaus am Park am Mittwochabend ein paar weitere Stühle aus Nebenräumen in den großen Saal geholt werden, so groß war das Interesse der Isnyer an der Infoveranstaltung zu den Plänen von Land Rover Experience im Forst Bühlberg. Mehr als 300 Interessierte erlebten anschließend knapp zwei sehr strukturierte und informative Stunden und damit im besten Sinne eine Infoveranstaltung, an denen das Publikum und nicht zuletzt die Moderatorin ihren wesentlichen Anteil hatten.

Die Stadtverwaltung und die Bürgerinitiative (BI) Forst Bühlberg hatten den Abend organisiert, an dem die Information über die geplante Teststrecke von Land Rover Experience im Vordergrund stand. Dass es nicht um Emotionen, sondern den sachlichen Austausch gehen sollte, hatte Moderatorin Anni Schlumberger von Politaktiv aus Tübingen zu Beginn schon unmissverständlich erklärt – und nahezu alle hielten sich dran. Schlumberger gab nach der Begrüßung von Bürgermeister Rainer Magenreuter einen kurzen Überblick über das, was in Sachen Teststrecke in Isny bisher geschah. Demnach hat der erste Kontakt mit der Stadt Isny bereits im Januar 2014 stattgefunden, der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurden die Pläne für den Hindernisparcours im Forst Bühlberg im vergangenen März.

Land-Rover-Experience-Geschäftsführer Dag Rogge zeigte danach ein paar Eckdaten zu dem Projekt auf: es sollen 25 Hindernisse aufgebaut werden, die Strecke soll 2,5Kilometer lang sein, das Gebiet etwa 1000 Quadratmeter umfassen. Zwar werde das Geländer für Autos abgesperrt, Wanderer und Radfahrer könnten den Forst aber weiterhin nutzen, versicherte Rogge.

Keine Bedenken für die Tierwelt

Rudolf Zahner vom Büro Sieber aus Lindau, das von Land Rover mit einem Artenschutzgutachten beauftragt worden war, erklärte, dass er keine Bedenken bezüglich der Tiere in dem Gebiet habe. Einzig der Horst eines Rotmilans habe dazu geführt, dass ein Teil der ursprünglich geplanten Strecke weggefallen sei.

Fünf Minuten Zeit waren danach jeweils für die Pro- und Contra-Seite, ihre Argumente vorzubringen. Rogger sagte, dass das Unternehmen einen zentralen Standort in Süddeutschland gesucht habe. Isny könne von dem Projekt, zu dem neben der Teststrecke ein Trainingscenter gehört, profitieren – vor allem mit seiner Gastronomie und Hotellerie. Anthimos Touoheksis von der BI und Andreas Morlok von der BUND-Ortsgruppe nahmen die Contra-Seite ein und spielten die Trumpfkarte Natur aus. Isnys „Kapital“ sei die Kultur- und Naturlandschaft, sagte Toupheksis. Mit der Ansiedelung von Land Rover Experience vollziehe die Stadt einen „Zielgruppenwandel“ kritisierte er. Bisher lebe die Stadt von „Ruhe- und Natursuchenden“.

Er befürchte einen „Imageschaden“, sagte Toupheksis. Morlok verdeutlichte, dass Isny ein „Hotspot der biologischen Vielfalt“ sei – von der Adelegg bis zur Argen. Mit der Teststrecke werde es im Forst Bühlberg eine „massive Nutzungsänderung“ geben, kritisierte Morlok, der einschränkend hinzufügte, dass er nicht prinzipiell gegen das Projekt sei, nur an dieser Stelle sei es nicht richtig aufgehoben.

„Kein Baum wird gefällt“

In einer Podiumsdiskussion stellten sich Morlok/Toupheksis und Rogge/Magenreuter im Anschluss den Fragen aus dem Publikum. Geklärt wurde unter anderem, dass die Strecke auf bestehenden Wegen verlaufen werde und die Hindernisse auf Holzlagerflächen daneben ihren Platz finden würden. „Kein Baum wird gefällt“, versicherte Rogge. Magenreuter verteidigte sich derweil gegen den Vorwurf von Klinik-Schwabenland Chefarzt Harry Hahmann, der eine „große Kehrtwende in der Imagepolitik der Stadt Isny“ erkannt haben wollte. Auf die Frage, ob Land Rover schon an anderer Stelle eine Strecke durch den Wald erschlossen habe, antwortete Rogge, dass dies in England seit den 50er-Jahren der Fall sei. Da immer wieder der Vergleich zur bisher einzigen Teststrecke in Wülfrath in Nordrhein-Westfalen gezogen wurde, wo ein ehemaliger Steinbruch befahren wird, sagte Rogge: „Könnte ich mich heute noch einmal entscheiden, würde ich einen Wald bevorzugen.“ Rogge versicherte außerdem, dass es keine Nachtfahrten geben werde.

Fazit: Das Projekt ablehnende und befürwortende Beiträge und Fragen wechselten sich ab. Ebenfalls recht ausgewogen war der Applaus für Redebeiträge beider Seiten. Es bleibt am Ende eine Entscheidung zwischen Natur und Kommerz.

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