Du weißt, dass du aus Isny bist, wenn… - plötzlich Blutlachen deinen Weg kreuzen

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 So sähe ein Blutfleck aus – aufgenommen in Stuttgart nach dem Einsatz eines Spezialkommandos der Polizei gegen zwei Kriminelle
So sähe ein Blutfleck aus – aufgenommen in Stuttgart nach dem Einsatz eines Spezialkommandos der Polizei gegen zwei Kriminelle neben dem Täterfahrzeug. In Eisenharz war’s zum Glück nur Kühlflüssigkeit aus einem geplatzten Schlauch. (Foto: Marijan Murat)

Ein ganz normaler Nachmittag auf der Facebook-Seite der Isnyer Gruppe: Man scrollt bei einer Tasse Kaffee gemütlich durch wunderschöne Landschaftsaufnahmen, lächelt gerührt beim Anblick eines der obligatorischen Katzenfotos, empört sich über die Schließung der Postfiliale, die trotz mehrmonatiger Vorankündigung so überraschend kam, überlegt, ob das herrenlos aufgefundene Fahrrad vielleicht doch das eigene sein könnte, sympathisiert mit Isnyer Geschäftsleuten, deren „Offen/Geschlossen-Schilder“ gestohlen wurden – kurz: Man genießt die Mischung aus Information und Unterhaltung, aus fundierten Beitragen und „dummschwätzigen Schwachmanen-Kommentaren“, die immer ein so schönes Gefühl der eigenen intellektuellen Überlegenheit vermitteln.

Bis plötzlich der Post von Anky W. mit einem Schlag alles verändert: „Was ist denn heute in Eisenharz passiert? Ein reißen Blutfleck auf der Straße!“ Die Meldung ist großflächig, schwarz hinterlegt und mit einem völlig entsetzt dreinblickendem Emoticon dekoriert.

Während das Gehirn noch grübelt, was denn ein „reißen Blutfleck“ überhaupt sein könnte, übernimmt die Intuition bereits das Kommando auf der „Panikbrücke“. Schnell bestätigt sich der Verdacht: Es fließt Blut. Viel Blut. Mitten in Eisenharz. Besorgte Gruppenmitglieder posten die Namen ihrer Freunde und Verwandten, um zu erfahren, ob alles in Ordnung ist. Spekulationen, dass es sich um einen Wildunfall handeln könnte, werden schnell verworfen. Weder Ort noch Tageszeit passen. Noelle L. weiß, dass der riesen Fleck kurz vor dem Lebensmitteladen „Kempter“ zu finden ist, sie habe ihn in ihrer Mittagspause um 12 Uhr dort gesehen.

Anky W. bestätigt: Sie sei zwischen 13 Uhr und 14 Uhr einkaufen gewesen und da „lief das Blut noch auf der Straße!“ Während Noelle L. Zweifel anmeldet, ob es sich nicht auch um Farbe gehandelt haben könnte, ist sich Anky W. ihrer Sache ziemlich sicher: „Das sah schon sehr arg nach Blut aus.“ Der offensichtlich eher pragmatisch veranlagte Patrick S. hält dagegen: „Wäre es Blut, hätte man es nicht wie üblich mit Wasser weggewischt?“

Conny W. kann zum Glück aufklären, bevor sich die Spekulationen überschlagen, Kindergärten geschlossen bleiben und allgemeine Panik ausbricht: „Da ist ein Kühlschlauch geplatzt. Also kein Blut, sondern Kühlflüssigkeit.“

Niemand wurde erschossen, kein brutaler Unfall mit Fahrerflucht, keine illegale Entsorgung ethischer Abfälle. Puh! Glück gehabt! Also gemütlich weiterscrollen. Zum nächsten Katzenbild. Süß!

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