DRK-Seniorengymnastik mit Nachwuchssorgen

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 Hildegund Hägele (rechts) hat Spaß bei der Seniorengymnastik.
Hildegund Hägele (rechts) hat Spaß bei der Seniorengymnastik. (Foto: Tanja Kulmus)
Tanja Kulmus

Nachwuchssorgen treiben die Organisatoren der DRK-Seniorengymnastik um – jedoch nicht im Teilnehmerbereich, über zu wenig bewegungsfreudige Senioren, die am Mittwochmorgen in ihre Gymnastikstunde kommen, kann sich Hildegund Hägele nicht beschweren. Es mangelt vielmehr an Übungsleitern.

„Meistens sind es um die 15 Teilnehmer. Aber wenn alle da sind, habe ich 33 Aktive in meiner Gruppe“, sagt die Übungsleiterin der Seniorengymnastik und Sozialleiterin des DRK-Ortsvereins Isny. Eigentlich seien es zu viele, wie Wolfgang Stockburger, Leiter Soziale Arbeit des DRK-Kreisverbandes Wangen, besorgt ergänzt. Da könne man leicht eine zweite Gruppe eröffnen – wenn es genügend Übungsleiter gäbe.

Mit insgesamt drei Gymnastikgruppen und einer „Linedance“-Gruppe bietet das DRK in Isny und Friesenhofen an vier Tagen pro Woche ein Bewegungsprogramm für Senioren an. Und das seit rund 34 Jahren. „Wir machen keinen Sport, sondern schauen darauf, dass wir alle unsere Gelenke bewegen“, erklärt Hägele. Mit viel Lachen und lockeren Sprüchen gibt die fitte 71-jährige Leiterin resolut ihre Anweisungen an die Gruppe: „Jetzt die Mühle“, linksherum und rechtsherum im Takt der Musik. Alle machen mit, ob Mann oder Frau, ob 95 oder 65 Jahre alt.

Als Übungsleiterin habe man neben dem Spaß eine Aufgabe, komme mit Leuten zusammen und bleibe geistig und körperlich aktiv. Schwänzen gelte nicht, die Leute würden schließlich auf einen warten. Seit fast zwölf Jahren erfüllt Hildegund Hägele diese Tätigkeit. Vor vier Jahren erlitt ihr Mann einen Schlaganfall, vor rund eineinhalb Jahren verstarb er. Beide Male sei sie froh gewesen, eine Aufgabe gehabt zu haben, die sie ablenkt und Freude bringt. Ihre „Truppe“, wie sie ihre Gymnastikaktiven liebevoll nennt, sei eh „einfach klasse“. Jeder neue Teilnehmer werde herzlich aufgenommen.

„Als DRK leisten wir eine Art Prävention – fit und beweglich bleiben bis ins hohe Alter“, erklärt Wolfgang Stockburger. Die Nachfrage sei groß, wie die Teilnehmerzahlen belegen. Daher wäre es schade, wenn aufgrund des Übungsleitermangels das Angebot reduziert oder gar gestrichen werden müsste. „Meine Truppe hat schon gesagt: Wenn ich mal aufhöre, machen sie auch nicht mehr mit“, meint Hägele lachend. Nun hofft sie, jemanden frühzeitig einlernen zu können. Das sei wichtig, die Leute würden eine Beziehung aufbauen, die Freude und das Zusammentreffen stünden im Vordergrund.

Mit zwei bis drei Stunden pro Woche sei der Zeitaufwand überschaubar. „Man kann sich selbstverständlich auch abwechseln“, erklärt Stockburger. „Je mehr Übungsleiter, desto besser.“ In einer fundierten Ausbildung, die in Blöcken von dreimal je einer Woche absolviert wird, würden Theorie und die erforderlichen praktischen Kenntnisse intensiv vermittelt. Das DRK sorge zudem mit einer jährlichen, eintägigen Fortbildung für den Wissenserhalt.

Einmal im Jahr werde außerdem ein Ausflug für die Übungsleiter organisiert. Mit einer Aufwandsentschädigung habe die Vergütung keine Priorität für die Übungsleiter. „Für mich liegt der Gewinn im persönlichen Bereich“, bringt Hägele ihren Spaß an der Sache auf den Punkt.

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